CASINO ROYALE

Casino Royale
Casino Royale | Großbritannien | 1967
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Rahmen: Der Produzent Charles K. Feldman hatte die Rechte für die Verfilmung des ersten JAMES BOND-Romans Casino Royale bereits ab 1954 – dem Jahr, in dem CBS die TV-Adaption CASINO ROYALE (1954) veröffentlichte – in der Tasche, konnte jedoch weder Schauspieler noch Stab für das Projekt zusammenbringen. Also mussten ihn erst die ersten Teile der Eon Production-Reihe daran erinnern, dass sich mit den Rechten doch irgendwie Geld verdienen lassen musste. Und obwohl sich die Besetzung der Posten vor wie hinter der Kamera weiterhin schwierig gestaltete, wurde das Unternehmen doch auf die Gleise gesetzt. Ein halbes Dutzend Regisseure, ein riesiger und sich teilweise während der Dreharbeiten zerstreitender Cast und die Entscheidung, das Werk als Parodie anzulegen, sorgten letztlich dafür, dass das Endergebnis ein wildes Tohuwabohu darstellt, dessen durchaus vorhandene Qualitäten inmitten des Wustes aus Sets und Handlungsfäden zu entdecken durchaus eine Herausforderung darstellt.

Grund dafür ist unter anderem die Idee, die Figur Bond als austauschbaren Charakter anzulegen. Der von David Niven gegebene alternde Sir James ist folglich über das Frauen-verachtende und Gadgets-benötigende Verhalten seines Nachfolgers (des Eon-Bonds) empört, wird jedoch sogleich von diversen anderen Bonds (Peter Sellers, Ursula Andress oder Terence Cooper) ersetzt, die jeweils unterschiedliche Wesenszüge aufweisen. Was der Originalreihe mit dem Auftritt von George Lazenby in IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT (1969) erst zwei Jahre später passieren sollte (die Feststellung, dass die Figur Bond nicht an einen Schauspieler gebunden ist), nimmt CASINO ROYALE hier vorweg. Und auch den aktuellen Diskurs um die Frage, ob ein Bond weiblich sein kann, beantwortete der Film schon 1967 im Vorbeigehen. Darüber hinaus beschäftigt sich der Film vor allem zu Beginn stark mit der Frage von Bonds Umgang mit Frauen. Das beständige Aufzeigen des Altersunterschieds zwischen Bond und seinen Liebeleien in den Szenen im Schloss verweist auf eine Sicht auf Beziehungen zwischen älteren Männern und jüngeren Frauen, die die Eon-Reihe noch viele Jahre reflexionsfrei weitererzählen sollte. Gleiches gilt für das Training eines sexuell nicht-affizierbaren Bonds. Könnte man also CASINO ROYALE durchaus vorwerfen, als Parodie nach nur fünf Jahren Hauptreihe etwas zu früh loszuschlagen, so belegen diese Dekonstruktionen durchaus, dass die Autoren einen genauen Blick auf das Original geworfen haben.

Ein weiterer trefflich parodierter Aspekt ist der Exotismus der Eon-Reihe. Dass die Drehorte dort oft auf einzelne, häufig klischeebehaftete Aspekte reduziert werden, greift die Parodie mehrfach geschickt auf. Mata Bonds Einführung per Tanz in einem artifiziell-überzeichneten „Tempel“ oder das von London selbstverständlich nach Berlin fahrende Taxi seien exemplarisch erwähnt. Ebenjenes Berlin darf mit seiner dem Weimarer Expressionismus entlehnten Innenraumgestaltung dann zu den schönsten Momenten des Films gerechnet werden.

Leider werden diese intelligenten Betrachtungen wie erwähnt von einer völlig unstringenten und sich nach und nach in immer mehr Wahnwitz ergehenden Geschichte umgeben, die eine Verballhornung der berühmten Casino-Szene und toll anzusehende Bösewicht-Verstecke ebenso umfasst wie Atombomben, Ufos, verkaufte Eiffeltürme und per Tipi-Fallschirm landende amerikanische Ureinwohner. Die zahllosen Storyfäden wurden nach der erwähnt chaotischen Produktion am Schneidetisch bestmöglich, aber im Ergebnis eben höchst unzureichend aneinandergebastelt. Es bleibt also Aufgabe der Zuschauenden, die durchaus vorhandenen guten Einfälle dieser Parodie im zerfahrenden Sturm der Bilder genau im Auge zu behalten.

2 Antworten zu “CASINO ROYALE

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