MATRIX

Matrix
The Matrix | Australien/USA | 1999
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Vieles/Alles ist geschrieben und gesagt zu diesem Blockbuster des Jahres 1999. Technisch damals State of the Art, die Bullet-Time-Sequenzen prägten die Film- und Spielewelt langfristig, die Musikmixtur aus Techno und Rock wurde zum Standard in Actionkino und die schwarzen Lederklamotten galten tatsächlich als cool. Letztere zeigen also schon, dass MATRIX eine Menge Zeitkolorit transportiert. Hacker waren noch nicht die politisch engagierten Gesellschaftstypen, die wir heute vom Chaos Computer Congress kennen, sondern bleiche Kleinkriminelle in dunklen Apartments. Feiern zu gehen, hieß noch, auf dröhnenden Technoir-Partys rumzuzappeln, und noch nicht, zu Goa im MDMA-Rausch seine Schuhe wegzuwerfen. Und die Vorstellung, hinter den Vorhang einer künstlichen Wirklichkeit zu blicken, erschien noch geistreich und subversiv – auch wenn Rainer Werner Fassbinders WELT AM DRAHT (1973) oder Josef Rusnaks parallel entstandener THE 13TH FLOOR (1999) dieses Sujet ebenfalls nutzten (Grundlage des Ganzen ist Daniel F. Galouyes 1964 erschienener Roman Simulacron-3).

Tatsächlich beschreibt der von Lilly und Lana Wachowski geschriebene und gedrehte Film aber einige Eigenschaften des „hinter-den-Vorhang-Sehens“, die gerade in heutiger Zeit völlig anders verstanden werden – womit dieses vermeintliche Entdecken Subversion und Geist verloren hat. Denn während heutige Verschwörungsglauben sich an eine möglichst große Zahl an Mitwissenden richten, zeigen uns die Wachowskis eine eingeschworene Gruppe sehr weniger Eingeweihter. Und während heute ein Handy mit Telegram genügt, um schon zum selbsterklärten Widerstand zu gehören, riskieren Neo, Trinity und Morpheus tatsächlich Leib und Leben. Und vor allem kann Morpheus Neo seine Behauptungen eindrucksvoll beweisen, währen es heute meist bei der Aufforderung bleibt, ganz fest an etwas zu glauben. Es ist völlig klar, warum sich heutige Verschwörungsideologen auf die Symbole des Films berufen, es ist aber noch klarer, dass sie die grundsätzlichen Unterschiede zwischen dem Film und ihrem eigenen Wirken nicht erkennen.

Ansonsten noch ein Kommentar zu der auf den ersten Blick überaus fortschrittlichen Zeichnung der Frauenfiguren im Film. Sowohl Belinda McClorys Switch als auch Carrie-Anne Moss‘ Trinity wirken nach außen taff und selbstbewusst; sie sind ihren Kollegen körperlich und geistig ebenbürtig und zumindest letztere hat eine leitende Funktion. Leider verliert diese Charakterzeichnung aber massiv an Wirkung, wenn Trinity dann gegenüber Neo eher eine bemutternde als eine beziehungshafte Liebe zeigt. Dass sie am Ende mit Zärtlichkeit den Helden rettet unterstreicht eindrucksvoll, dass die Figur keineswegs so modern ist, wie die Exposition uns glauben machen möchte. MATRIX als Kind seiner Zeit zu sehen lohnt sich also allemal mehr, als in ihm nur den Actionklopper des Jahres 1999 zu sehen – denn nach 23 Jahren sind die Effekte auch nicht mehr das, was sie mal waren. Und über die Themen wie Religion, Noir-Anleihen, Ermächtigung oder Sexualität wurde wie erwähnt schon wirklich genug geschrieben …

2 Antworten zu “MATRIX

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