DAS SCHLOß IM HIMMEL

Das Schloß im Himmel
Tenkû no shiro Rapyuta | Japan | 1986
IMDb, OFDb, Schnittberichte

STERNENKRIEGER – WARRIORS OF THE WIND (1984) war so erfolgreich, dass Hayao Miyazaki darauf aufbauend das Studio Ghibli gründen konnte. Dessen Erstling war DAS SCHLOß IM HIMMEL, der zwar an den Kassen nicht ganz so erfolgreich war, aber trotzdem den Grundstein für die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte des Studios legte. Technisch über jeden Zweifel erhaben, muss sich der Streifen aber vorwerfen lassen, dass er inhaltlich durchaus Schwächen zeigt. Während die Charakterzeichnung erneut angenehm ambivalent und erwachsen ist, gelingt es dem von Miyazaki verfassten Drehbuch nur in Ansätzen, zentrale Motive zu etablieren.

Der von einer Reise nach Wales beeinflusste britisch-viktorianische Stil der vorkommenden Maschinen beeindruckt schon im Vorspann und setzt sich dann nahtlos in dem Minen-Örtchen Pazus fort. Dampfende Lokomotiven, engstehende Arbeiterhäuser und metallene Flugkörper sorgen für eine stimmige Atmosphäre. Pazus Job als Hilfsarbeiter im Bergwerk lässt das Aufeinandertreffen mit der vom Himmel fallenden Sheeta denkbar groß werden. Im späteren Verlauf erweist sich die von Swifts Laputa nur die Grundkonzeption aufnehmende Flugstadt als unbekannt-verwunschen und final als mysteriös-technologisch. Zusammen mit der stimmigen Musik gibt es also bezüglich des Stils nicht viel zu meckern.

Auch ist die zunächst arg altbekannte Mixtur aus Arbeiterjunge mit Träumen und einer vom Himmel fallenden Tochter aus guten Hause mit dunklem Geheimnis durchaus trefflich anzusehen. Die beiden weisen sowohl Stärken als auch Schwächen auf und entwickeln sich im Laufe des Films schlüssig weiter. Die zunächst bösen Piraten (inklusive mütterlicher Anführerin) erweisen sich in der Folge als gutherzige Schlawiner, nur der technokratische Totalitarist ist und bleibt böse. Hier präsentiert uns Miyazaki also erneut facettenreiche Figuren, auch wenn der Küchenjob, den die allseits geachtete Sheeta auf dem Schiff der Piraten erhält, die Freude etwas dämpft. Leider rennen diese Figuren aber weitgehend ohne Motivation durch die schönen Umgebungen. Die Piraten wollen einen Schatz, der Antagonist die Macht. Soweit okay. Aber gerade die Protagonisten bleiben in ihrem Wunsch, die Stadt im Himmel mal zu sehen, erstaunlich blass; Familie hin oder her. Zudem bleibt das ansonsten bei Ghibli so übliche Natur-Thema erstaunlich ungenutzt. Ja, am Ende ist es der Baum, der rettet und fortbesteht, aber die Wechselwirkung von (sowohl hochmoderner als auch an die erste Industrialisierung erinnernder) Technik und Natur bleibt weitgehend unbesprochen. Hier lässt der Film eine Tiefe vermissen, die Werke Miyazakis sonst häufig zeigen – das macht ihn nicht zu einem schlechten Film, verwehrt ihm aber höhere Weihen.

Eine Antwort zu “DAS SCHLOß IM HIMMEL

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