BATMAN FOREVER

Batman Forever
Batman Forever | Großbritannien/USA | 1995
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Schon die Exposition macht überdeutlich, in welche Richtung der dritte Teil der 90er-Jahre-BATMAN-Quadrilogie zielt: Nachdem Batmans Anwesen samt Höhle und allerlei Gadgets in einem Schnittgewitter untermalt von pompösen Klängen, die bisweilen gar an Also sprach Zarathustra erinnern, gezeigt wurde, fragt Alfred den dunklen Ritter kurz vor der Abfahrt, ob er erlaube, dass sein Butler ihm ein Sandwich mitgebe. Batman antwortet, dass er unterwegs was esse. Die folgenden zwei Stunden bieten dann das zu Erwartende: 90er-Klamauk verpackt in knallbunte Comicoptik. Wo BATMAN (1989) und BATMANS RÜCKKEHR (1992) unter der Ägide Tim Burtons sich noch in einer halbwegs düsteren Umsetzung übten, wirft der nun das Zepter schwingende Joel Schumacher sämtlich Zurückhaltung über Bord und zielt ganz klar in Richtung Sommerblockbuster; was mit der Einnahmen-Verdopplung des 100 Millionen US-Dollar-Budget auch durchweg funktioniert hat. Künstlerisch bleibt das indes Geschmackssache.

Vor allem der von Chris O’Donnell gegebene Dick Grayson respektive Robin verkörpert die Umorientierung des Franchise überdeutlich. Sein Robin ist der prototypische 90er-Jahre-Badboy inklusive Lederjacke, Motorrad und schlechten Manieren. In seiner Naivität ist das heute schon beinahe sehenswert, die Szene, in der er seine Kampfkünste dann bei Wäschefalten beweist, ist allerdings derart drüber, dass einem schlicht die Worte fehlen. Der Auftritt erinnert insgesamt frappierend an Shia LaBeouf 13 Jahre später in INDIANA JONES UND DAS KÖNIGREICH DES KRISTALLSCHÄDELS (2008). Aber auch die Antagonisten tragen zum neuen Klamauk-Flair bei. Ist Tommy Lee Jones als Two-Face noch auf der erträglichen Seite des Wahnwitzes zu finden, befindet sich Jim Carreys Riddler weit jenseits davon. Carry, der im Jahr zuvor mit ACE VENTURA – EIN TIERISCHER DETEKTIV (1994), DUMM UND DÜMMER (1994) und DIE MASKE – VON NULL AUF HELD (1994) zum Superstar aufgestiegen war, blödelt auch hier nach Herzenslust herum und spielt im Endeffekt (mal wieder) sich selbst.

Val Kilmer löst Michael Keaton in der Hauptrolle ab, kann jedoch aufgrund der erwähnt albernen Onliner wenig dagegen machen, dass der dunkle Ritter hier zu einer recht müde Plappertüte wird. Der Flirt mit Nicole Kidmans Dr. Chase Meridian ändert daran nichts. Im Gegenteil zeigt sich hier eine besonders unangenehme Seite des Films: Beziehungen zu Frauen, auch wenn sie Psychologinnen sind, können anscheinend nur erotischer Natur sein. Batman und Robin pflegen hingegen ein Vater-Sohn-Verhältnis, Two-Face und Batman eine althergebrachte Rivalität. Bruce Wayne und den Riddler verbindet die Arbeit, die beiden Antagonisten wiederum konkurrieren und intrigieren um die Kriminalitäts-Krone. Dr. Chase Meridian und die beiden Bösewicht-Helferinnen Sugar (Drew Barrymore) und Spice (Debi Mazar) hingegen dienen nur als Objekte der Projektion von Liebe und Lust. Öde.

Und schlussendlich ist es schade, dass der Film seinen interessanten inhaltlichen Aspekt nicht wirklich ausführt: Die 3D-Box, die dem Riddler die Kontrolle der Gedanken aller Menschen per Funkübertragung erlaubt, hätte ansonsten schön als Fingerzeigt in Richtung einer Zukunft gelesen werden können, in der Soziale Medien einen erschreckend großen Einfluss auf ihre Konsumierenden nehmen. Die Box bleibt jedoch in ihrer technischen Erklärung wie in ihrer konkreten Wirkung undeutlich und dient so nur als typisch Schurken-Instrument. Und so passt sie gut in diesen insgesamt höchst belanglosen 90er-Sommerblockbuster, der zwar nicht wirklich wehtut, aber kaum begeistert.

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