NIGHT OF THE LIVING DEAD – DIE RÜCKKEHR DER UNTOTEN

Night of the Living Dead – Die Rückkehr der Untoten
Night of the Living Dead | USA | 1990
IMDb, OFDb, Schnittberichte

DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968), George A. Romeros und John A. Russos Startschuss des modernen Zombiekinos, war seinerzeit ein großer Erfolg an den Kinokassen. Da der ursprüngliche Verleiher Walter Reade Organization jedoch die Rechte daran zu sichern vergaß, konnten unzählige andere Verleiher den Film zeigen, ohne einen Teil des damit erzielten Gewinns an die Produzenten abführen zu müssen. Der Film war von Anfang an gemeinfrei, Romero & Co. gingen leer aus und es dürfte heute nur wenige Streifen geben, die mehr verschiedene Distributoren aufweisen können. Da durch die Gemeinfreiheit auch die Schaffung von Fortsetzungen jedem offenstand, planten Romero und Russo schon in den 80er Jahren eine Fortsetzung oder ein Remake, um doch noch etwas Kapital aus ihrem geistigen Eigentum zu schlagen.

1990 sollte es dann soweit sein und Effektspezialist Tom Savini, der für Romero bei ZOMBIE 2 – DAS LETZTE KAPITEL (1985) unlängst ein weiteres Mal sein Können demonstriert hatte, sollte Regie führen. Doch zwischen dem Ziel der Produzenten, aus ihrem damaligen künstlerischen Erfolg noch etwas Geld zu machen, und dem Savinis, der Saga seines Freundes (und Vorbilds) Romero etwas Substanzielles hinzuzufügen, langen Welten. So musste Savini dann während der Dreharbeiten feststellen, dass die geldgebenden Studios vor allem einen netten R-Rated-Streifen wollten, der zu Halloween die Kassen klingeln lässt – und schlimmer noch: das Original weitgehend unverändert wiedergibt. Alle Visionen und Ideen Savinis (die er später in einem Buch niederschrieb) waren also unerwünscht.

Das Ergebnis ähnelt dann tatsächlich sehr der Vorlage, behält Figuren, Orte und Situation fast gänzlich bei. Die Gruppe ist erneut vom Konflikt zwischen Ben (nun Tony Todd, dessen Karriere kurz darauf mit CANDYMAN’S FLUCH (1992) Fahrt aufnehmen sollte) und Harry dominiert, was sie erneut handlungsunfähig gegenüber der eigentlichen Bedrohung macht. Die einzig auffällige Änderung der Figuren betrifft Barbara, die nun von Patricia Tallman als taffe Heldin gegeben wird. Anstatt nur zu weinen (wie Judith O’Dea 1968) tauscht Tallman, die für Romero schon in KNIGHTRIDERS – RITTER AUF HEIßEN ÖFEN (1981) und DER AFFE IM MENSCHEN (1988) spielte, zügig ihren Rock gegen eine Arbeitshose, ballert mit der Schrotflinte herum und erinnert so nicht gerade wenig an Sigourney Weavers Ellen Ripley. Sie kommt als einige auf die sinnvolle Idee, einfach abzuhauen, und überlebt letztlich souverän – ganz dem Final Girl-Statut der seit zehn Jahren rollenden Slasher-Welle entsprechend.

Wenn ein FX-Spezialist auf dem Regiestuhl sitzt, dann sollte den Effekten natürlich ein besonderes Augenmerk gelten. Auffällig ist, dass die erwartbare Splatterorgie ausblieb, da das erwähnte R-Rating zur Mäßigung aufforderte. Es gibt zwar einiges an Gewalt, das Gros der Darstellungen konzentriert sich aber auf Make-up und die Ausformung der Zombies. Das gelingt auch klasse, die Untoten sehen toll aus und sind vor allem sehr unterschiedlich gestaltete. Selten gab es wohl so viele individuelle und originelle Wiedergänger zu sehen, die zudem so hochwertig geschminkt waren. Zudem greift Savini auf ein Konzept Romeros zurück, der seine Zombies über die Filme hinweg lernen ließ. An einer Stelle nutzt ein Untoter einen Ziegelstein, um eine Scheibe einzuschmeißen, und zeigt damit ein Verhalten, welches Romero erst auf den Entwicklungsstufen von ZOMBIE 2 – DAS LETZTE KAPITEL (1985) oder LAND OF THE DEAD (2005) vorsah.

Am stärksten emanzipiert sich das Remake dann am Ende. Anstatt des nihilistischen Finales von DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN zeigt uns Savini einen kurzen Blick auf die Reaktion der (US-amerikanischen Land-)Bevölkerung auf die Zombies. Sie antwortet mit Barbarei und beweist sich damit als viel grausamer als die Zombies, die ihre Gräuel unbewusst begehen. Schlimmer noch, Barbara beteiligt sich an derlei amoralischem Verhalten, wenn sie aus purer Wut den überlebenden Harry erschießt. Das ist eine wahrlich bittere Pille und sicherlich der stärkste Moment eines ansonsten schlicht unterhaltsamen Remakes.

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