DIE WELT IST NICHT GENUG

Die Welt ist nicht genug
The World Is Not Enough | Großbritannien/USA | 1999
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Irgendwie empfinde ich Michael Apteds Beitrag zum JAMES BOND-Universum in vielen Aspekten als plump – und mir ist klar, dass dieses Wort höchst unpräzise und subjektiv ist. Grundlage für diese Einschätzung ist vor allem die Figur Bond selbst. Schon in den ersten Minuten stürmt dieser „Aus dem Weg!“ brüllend durch die MI6-Zentrale. Er erschießt Davidov ohne Not und gönnt sich zahlreiche weitere Momente, die die sonst so ruhige und charmante Souveränität der Figur vermissen lassen. Untermalt wird das mit Sprüchen, die die sonst immer vorhandene Zweideutigkeit in platte Eindeutigkeit verkehren. Auch das Robert Carlyle seinen ersten Auftritt als Renard inmitten eines hinduistischen Wallfahrtsortes absolviert, verbessert diesen schalen Gesamteindruck nicht. Bisweilen fühlt sich der Film so an, als ob er die althergebrachten Mechanismen einer parodischen Überzeichnung zuführen möchte.

Dabei ist die Story über ein Pipeline-Projekt und die daraus erwachsenden politischen und wirtschaftlichen Folgen durchaus clever. Wie schon in DER MORGEN STIRBT NIE (1997) überwinden die Autor Bruce Feirstein (nun unterstützt von Robert Wade und Neal Purvis) die Muster des Kalten Kriegs und stellen den Doppelnull-Agenten vor aktuelle Herausforderungen (auch wenn Atom-U-Boot und kasachische Militärbasen wie wohlige Erinnerungen wirken). Lediglich der Mamakomplex von M wirkt darin wie ein skurriler Fremdkörper – und das nicht nur, weil sie Bond zu Beginn des Films noch auf die Unangebrachtheit von Gefühlen bei der Arbeit hinweist. Dass sich die Chefin dann per MacGyver-Gebastel rettet, ist wenigstens in dieser Absurdität konsequent.

Damit in Zusammenhang steht allerdings auch die größte Stärke des Films: Antagonistin Elektra. Denn M ist eine der zahlreichen Figuren, die in das Netz der von der mit LA BOUM – DIE FETE – ELTERN UNERWÜNSCHT (1980) und LA BOUM 2 – DIE FETE GEHT WEITER (1982) über Nacht zum Star gewordenen Sophie Marceau gerät. Elektra spielt mit Bond, mit M, mit Renard und verachtet das Erbe ihres Vaters. Mitnichten leidet sie unter dem Stockholm-Syndrom, sie beherrscht Renard. Es ist ihr ausgefeilter Plan, der Istanbul zerstören und ihr wirtschaftlichen Gewinn eintragen soll. Sie ist die sinistere Gestalt, der Bond am Ende sorglos eine Kugel in den Kopf jagen kann. Das ist stark, das ist emanzipiert; und das ist schade für Denise Richards, die trotz einer ebenfalls selbstbewussten Rolle als Atomphysikerin Jones stets im Schatten von Marceau bleibt. Diese Frauenfiguren aber bleiben die (relative) Stärke dieses vorletzten Brosnan-Bonds.

2 Antworten zu “DIE WELT IST NICHT GENUG

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