STERNENKRIEGER – WARRIORS OF THE WIND

Sternenkrieger – Warriors of the Wind
Kaze no tani no Naushika | Japan | 1984
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Es verwundert nur wenig, dass der Erfolg von Hayao Miyazakis zweitem abendfüllenden Spielfilm nach DIE JÄGER DES CAGLIOSTRO (1979) den Grundstein für die überaus bekannte und erfolgreiche Animeschmiede Studio Ghibli legte; enthält der Film doch bereits sämtliche Elemente und Bausteine, die, in unterschiedlicher Ausprägung und Kombination, die folgenden Werke – allen voran PRINZESSIN MONONOKE (1997) und CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND (2001) – des Studios so erfolgreich werden lassen sollten. Es erfreut darüber hinaus, dass die entstellende Zerstückelung der US-amerikanischen Fassung, die auch die skurrile deutsche Titelfindung erklärt, mittlerweile als Zeitgeschichte abzutun ist.

2. Ein zentrales Motiv des Films ist der Umgang des Menschen mit der Natur. Miyazakis tiefe Sehnsucht nach Einklang mit und sein pessimistischer Blick auf den Menschen als Gefahr für die Natur sind hier zu nennen. So haben die Menschen die Erde durch den Einsatz der Titanen verwüstet, in ein Ödland verwandelt. Doch auch die wenigen übriggebliebenen Räume intakter Natur erfahren keinen Respekt. Die konkurrierenden Ansiedelungen Torumekia und Pejite nutzen sie als Kriegsschauplatz und planen weitere Verheerungen der Umwelt. Die neu entstandene Flora wie Fauna ist ihnen fremd, sie trachten danach, das Meer der Fäulnis und die falschverstandenen Ohmu zu zerstören – nicht erkennend, dass dieser Angriff auf eine (nur vermeintlich) feindselige Umwelt den allumfassenden Niedergang darstellt. Final gewinnt dann Miyazakis Hoffnung, auch wenn die eher apokalyptischen Töne zuvor die Überhand haben.

3. Miyazakis lässt sich nicht auf Stereotype ein. Weder Kushana als Vertreterin Torumekias, noch ihre Widersacher aus Pejite handeln aus niederen Motiven. Die Kontrahenten versuchen stets Hauptfigur Nausicaä ihre Motive dazulegen und agieren selten aus Gier oder Machtgelüsten. So entsteht das Übel immer aus nachvollziehbaren, menschlichen Überlegungen, nicht aus Verachtendem. Die Antagonisten werden erstaunlich nah- und nachvollziehbar, wenn sie den Krieg als notwendiges Übel darstellen. Und wenn der Einsatz der Titanen dann zum politischen Spiel und die rassistische Behauptung, dass Menschen und Insekten nicht auf einer Welt leben könnten, zum gesellschaftlichen Statement werden, spielt der Film seinen ganzen tiefgründigen Anspruch aus. Miyazaki bietet uns hier keine einfachen Antworten, kein simples Gut und Böse, er gibt komplexe Antworten auf komplexe Fragen.

4. Der Film ist – ungeachtet der gesellschaftlichen Stellung von Animes in Japan – eine wundervolle Mixtur aus kindlichem Abenteuer und erwachsener Metapher. Er ist aufgrund seiner tollen Animationen, seines träumerischen Themas und Soundtracks und der nahbaren Figuren ohne weiteres als unschuldiges Abenteuer zu genießen, offenbart aber bei genauerer Betrachtung die erwähnten Interpretationsansätze. Und auch das ist ja schließlich eine Qualität, die den in den nächsten Jahren folgenden Ghibli-Produktionen stets eigen sein sollte.

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