POSEIDON

Poseidon
Poseidon | USA | 2006
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Nach DAS BOOT (1981) und DER STURM (2000) ist POSEIDON der dritte Film des ostfriesischen Regisseurs Wolfgang Petersen, der das Meer und die Vehikel, mit denen die Menschen es befahren, in den Mittelpunkt rückt. Obwohl nur anderthalb Jahrzehnte alt, wirken schon die einleitenden Minuten mit ihrer Kamerafahrt um die ebenso digitale wie fiktive Poseidon und einer Silvesterfeier, die nur so vor Kitsch und Plastik trotzt, wie aus einer anderen Zeit. Der dargestellte Luxus, den eine Kreuzfahrt damals noch zu versprühen vermochte, steht der aus heutiger Sicht katastrophalen Umweltbilanz derartiger Fortbewegungsmittel ebenso diametral gegenüber wie die abstoßend-hochnäsige Party einem echten Fest. Da mag man es doch glatt als gnädig empfinden, dass das Skript von Mark Protosevich die Welle bereits nach knapp 15 Minuten anrollen und den Trubel somit ein Ende finden lässt. Gleichzeitig gibt dieses Hauruck den Takt für den Rest des Films vor.

2. Petersen hetzt den aus renommierten (Russell, Dreyfuss) und nicht so renommierten (die Anderen) Mimen gemischten Cast fortan durch diverse Action-Sets, die allerdings nicht lange verhehlen können, eine beliebige Mischung von Spannungsmomenten zu sein. Als Erfahrener gelingt es Petersen dabei zwar durchaus, die einzelnen Szenen so zu inszenieren, dass die Betrachtenden mitfiebern, ein Spannungsbogen, der über „Wir-müssen-hier-raus“ hinausgeht, geht dem Film aber völlig ab. 2006 konnte man sich dafür konnte an den beeindruckenden Spezialeffekten ergötzen, die auch heute noch durchaus ansehnlich daherkommen – eine Eigenschaft, die ja nun wirklich nicht jedem CGI-Spektakel beschieden ist.

3. Die weitgehende Langweile gründet sich neben dem fehlenden Inhalt aber vor allem auf die unfassbare konflitkfreie Gruppe an Überlebenden. Werden zu Beginn zumindest noch Grundlagen für Auseinandersetzungen gelegt (Vater gegen Schwiegersohn, Quertreiber mit Alkoholproblem), sind diese nach einigen Minuten schlicht vergessen. Die Gruppe arbeitet stets harmonisch zusammen, jeder und jede setzt sich für jede und jeden ein, alle ziehen an einem Strang. Logisch, dass am Ende quasi alle im zufällig parat stehenden Rettungsboot Landen und davonschippern. In Abwesenheit solcher Grundlagen wird ein Spielfilm in Windeseile zum effektreichen Videoclip – mehr aber auch nicht.

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