THE UNTOUCHABLES – DIE UNBESTECHLICHEN

The Untouchables – Die Unbestechlichen
The Untouchables | USA | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Mit THE UNTOUCHABLES – DIE UNBESTECHLICHEN beweist Brian De Palma Mumm. Nach seinem Gangsterfilm-Erfolg SCARFACE (1983), der ja bereits auf Al Capones Spitznamen verweist, wäre es ein leichtes gewesen, erneut in die klassische Aufstieg-Abstieg-Kerbe zu schlagen. Ebenso hätten sich die Vermarktenden wohl über einen ikonischen Antihelden gefreut, war Tony Montana doch in Windeseile zur Pop-Ikone geworden. Aber De Palma ließ sich von Autor David Mamet (auf Grundlage des vom echten Eliot Ness veröffentlichten Buches The Untouchables) ein Drehbuch schreiben, dass das Augenmerk auf die Gesetzeshüter legt und den Antagonisten Capone trotz seiner extrovertierten Auftritte zur Nebenrolle macht. Dass die Eröffnungsszene sich dann trotzdem erstmal Capone widmet, darf wohl als Augenzwinkern gelesen werden.

2. Unbestritten ist es in den gut zwei Stunden Spielzeit vor allem das Schauspiel, das aus dem Film ein Erlebnis macht. Kevin Costner gibt einen tollen Finanzagenten Eliot Ness, dem man den Willen zur Redlichkeit und die Verzweiflung bzgl. der eigenen Ideale jederzeit abnimmt. Kein Wunder, dass es für Costner der große Durchbruch war. An seiner Seite brilliert Sean Connery in der Rolle des alternden Cops Jim Malone, der Eliot mit Tipps und väterlicher Fürsorge ebenso weiterhilft, wie er ihn mit Härte und Grausamkeit an die Realitäten des Chicagos der 30er Jahre heranführt – wofür in die Academy zur Recht mit dem Oscar für die Beste Nebenrolle belohnte. Dass sich Ness im Laufe des Films immer mehr in Malone verwandelt und letztlich gar einen Mord begeht, ist folgerichtig. Andy Garcia als loyaler Draufgänger George Stone und Charles Martin Smith als Comic Relief Oscar Wallace runden das – gegenüber den realen elf hier nur vier Köpfe umfassende – Team der Gesetzeshüter ab. Aber auch auf der dunklen Seite findet sich grandioses Spiel. Robert De Niro gibt Capone angenehm unangenehm und lässt vor allem dessen große Selbstsicherheit aus jeder Pore tropfen. Es sind diese großen Charaktere, die zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen lassen und die dafür sorgen, dann man auf ihrem ikonischen Foto am Ende alte Bekannte zu sehen gedenkt.

3. Konzeptionell handelt es sich um einen (Großstadt-)Western. Ness reitet in die Stadt ein, steht zwischen Gangstern und Polizisten, freundet sich mit letzteren an und bringt schließlich seine Vorstellung von Recht durch. Am deutlichsten wird das in der Whiskey-Schmuggel-Szene, wenn die vier Protagonisten tatsächlich wild ballernd auf Pferden durch weite Landschaften auf die Bösen zustürmen – zuvor stehen sie gar nebeneinander auf einem Hügelkamm! Am charmantesten zeigt sich das im Soundtrack von (Western-)Altmeister Ennio Morricone.

4. Aber auch in Sachen Regie zeigt De Palma erneut sein großes Können. Am klarsten sticht wohl der Versuch, Capones Buchhalter in der Union Station zu schnappen, hervor. Minutenlang präsentiert uns De Palma Verdächtige, die wir (analog zu Ness) kritisch beäugen. Die Zeit rinnt, der Druck steigt. Die Entladung vollzieht sich schließlich in der legendären Slow-Motion-Kinderwagen-Szene, die durch die anschließende Brutalität kontrastiert wird. Derlei Kontrapunkte setzt der Film mehrfach, den wichtigsten spart er sich bis zum Schluss auf: Selbst der (wohl redliche) Richter ist sich seiner selbst im Angesicht des Korruptionsvorwurfs nicht mehr sicher und entscheidet gegen Capone. In einer Stadt, in der jeder und alles käuflich ist, weiß man eben manchmal selbst nicht mehr, ob das auch für einen selbst gilt.

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