DIE KUNST ZU GEWINNEN – MONEYBALL

Die Kunst zu gewinnen – Moneyball
Moneyball | USA | 2011
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Bennett Millers erst zweite Regiearbeit nach CAPOTE (2005) ist ein Film für jeden – trotz der zentralen Themen Baseball und Statistik. Zwei Gründe dafür stehen vor, zwei hinter der Kamera. Brad Pitt überzeugt als halsstarriger, aber richtigliegender Billy Beane und wird so zum tragenden Charakter des Films; daneben darf Jonah Hill erstmalig in seiner Karriere das Blödeln sein lassen und stattdessen den ernsten Wirtschaftsstatistiker Peter Brand geben, der Beane mit dem nötigen Wissen versorgt. Klasse: Hill bekommt trotzdem Szenen, in denen er sein komisches Talent zeigen darf, aber eben auf einem ernsteren Level. Hinter der Kamera sorgen Miller und Kameramann Wally Pfister, der von MEMENTO (2000) bis THE DARK KNIGHT RISES (2012) alle Nolan-Filme fotografiert hat, dafür, dass der Streifen brillant inszeniert und eingefangen wird. Es ist erstaunlich, wie viel Spannung mittels zweier Typen, die in einem Keller über Excel-Tabellen streiten, erzeugt wird.

2. Der Film spielt im Keller – bzw. im Stadionkeller. Und die Hauptfigur, der wir die meiste Zeit über folgen, guckt sich die Spiele nicht an. Ergo: Es gibt nur sehr wenig Baseball zu sehen. Stattdessen sieht man fast ausschließlich Umkleidekabinen, fensterlose Büros und Trainingsräume; Neonlicht und Regelwände; Monitore und menschliche Gesichter. Es erstaunt, dass das im Zuge mehrerer Regie- und Konzeptwechsel durch verschiedenen Hände gewanderte Drehbuch aus diesem Kino-feindlichen Setting trotzdem so viel Spannung und Abwechslung herausholt. Es erstaunt weniger, dass auch das Drehbuch eine Oscar-Nominierung erhielt (der ganze Film erzielt derer sechs).

3. Am Ende bleibt ein großer Zwist. Beane und Brand verhelfen einem (aufgrund des finanziellen Ungleichgewichts im Profisport dazu verdammten) Underdog zu unerwartetem sportlichen Erfolg. Allerdings nicht zum ganze großen Coup, denn in den Play-Offs ist für die Athletics (wie auch in der Realität geschehen) relativ unsanft Schluss. Es gewinnt am Ende also doch das Geld und nicht die Statistik; am allerwenigstens aber gewinnt die Leidenschaft für den Sport. Die alternden Berater Beanes, die Spieler nach ihren Frauen oder ihrer Art, sich zu bewegen, bemessen, wirken von Beginn an wie Realakte aus einer anderen Zeit. Trainer Howe ebenfalls. Der Film ist also auch zutiefst ehrlich: Geld eröffnet im heutigen Profisport die besten Chancen, staubtrockene Statistik die zeitbesten. Das war’s. Schön, wenn man sich dann wenigstens gut mit seiner Tochter versteht.

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