EINE BAHRE FÜR DEN SHERIFF

Eine Bahre für den Sheriff
Una bara per lo sceriffo | Italien/Spanien | 1965
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Nach seinem eher noch US-inspirierten Italowestern-Debüt DIE LETZTEN ZWEI VOM RIO BRAVO (1964) lieferte Mario Caiano mit EINE BAHRE FÜR DEN SHERIFF einen idealtypischen Genrebeitrag ab – der Anthony Steffen gleichzeitig in der für ihn ab da festgeschrieben Rolle als mysteriöser Rächer etablierte. Als Texas-Joe taucht Steffen im Städtchen Richmond auf und erlangt das Vertrauen der örtlichen Halunken, die zwar von einem eher blassen Armando Calvo in der Rolle des Lupe Rojo geführt werden, dafür aber vom genialen Eduardo Fajardo als blondem Irren Murdock begleitet. Fajardo und Steffen sollten in Streifen wie ES GEHT UM DEINEN KOPF, AMIGO! (1967) oder SHAMANGO (1967) noch häufiger aufeinandertreffen. Natürlich geht es Texas-Joe nur um Rache. Geredet wird kaum, geballert umso mehr. Am Ende sind alle tot und Joe reitet von dannen. Das Drehbuch ist nicht revolutionär, es ist – ich erwähnte es bereits – idealtypisch.

2. Der Streifen ist flott. Caiano handelt die einzelnen Sequenzen zügig ab, inszeniert sicher und macht so einige unrunde Momente wieder wett. Eigentlich sollte es einen doch wundern, dass Rojos Bande die Wilson-Farm zweimal angreift und dabei mitten im Feuerhagel wendet. Aber da alles so schnell geht, verfliegt das Stirnrunzel gleich wieder. Auch die lange Leitung von Rojos Bande wirkt bisweilen merkwürdig, geht aber ebenfalls im zügigen Takt von Caianos Einstellungs-Metronom unter. Francesco De Masis teils erstaunlich epischer Score tut sein Übriges.

3. Leider fallen dem Tempo einige durchaus interessante Nebenrollen zum Opfer. Der zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere auf schicke Nebenrollen in italienischen Streifen gebuchte George Rigaud bleibt als Farmbesitzer Wilson und als Joes enger Vertrauter leider ebenso hintergrundlos wie seine von Luciana Gilli gegebene Tochter Jane. Noch schlimmer trifft es die in ihren wenigen Szenen so wissend blickende Fulvia Franco als Bardame Lulu Belle, die letztlich völlig belanglos ist. Da hat es der stets trunkene Comic Relief Slim (Jesús Tordesillas) fast noch besser getroffen: Er wurde von den deutschen Verleihern einfach gänzlich aus dem Film geschnitten. Während der Film in Italien als mit einem von Slims Gags endet, ritt Joe in Deutschland einfach ohne Kommentar davon.

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