READY PLAYER ONE

Ready Player One
Ready Player One | USA | 2018
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. READY PLAYER ONE ist ein typischer Spielberg-Film. Er ist schwungvoll und aufregend, setzt seine Zuschauenden aber nie einem allzu großen emotionalen Risiko aus. Am Ende geht alles glatt, der Bösewicht senkt die Waffe und die Guten geben sich einen Kuss. Wie ist das möglich? Durch Freundschaft und Aufrichtigkeit – altbekannt, aber das muss ja nichts Schlechtes sein. Allerdings besteht eine durchaus große Kluft zu Ernest Clines sehr viel düstererer Romanvorlage. Ja, Spielberg erwähnt, dass die Menschen in die Virtualität fliehen, aber bei Cline wird auch klar, warum sie das tun. Seine nihilistischen Beschreibungen des urbanen Molochs stehen im krassen Widerspruch zu den spielberg’esken Darstellungen, die zwar die white trash-Suburbs zeigen, aber diese mit genügend Filtern überziehen und guter Musik untermalen, um ihnen den angedeuteten Schrecken zu rauben. Menschen, denen die Dystopie des Romans gefällt, dürften sich am Art Design des Films mehrmals heftig stoßen.

2. Der Films Ausrichtung ist völlig legitim. Spielberg darf sich von Zak Penn (unter Mitwirkungen von Ernest Cline) ein Drehbuch schreiben lassen, dass die Vorlage ihrer düsteren Spitzen beraubt und sie auf die Bedürfnisse einer jugendlichen Zielgruppe anpasst. Der Film bedient sich eben nur einiger Aspekt aus dem Roman und erzählt das Übrige selbst. Das darf er und das muss er vielleicht sogar. Das bloße Nacherzählen bliebe redundant. Sicherlich gäbe es Autoren und Regisseure, die aus der Vorlage einen anderen, härteren Film gemacht hätten, Spielberg macht daraus eben ein fantastisches Abenteuer für Kids und Jugendliche – ohne dabei auf sozialkritische Töne zu verzichten. Ja, ein „Realität ist besser, weil sie real ist“ im Finale ist aus meiner Sicht auch dünn, aber für den 12-jährigen Smartphone-Junk vielleicht schon ein Anstoß.

3. Die zahllosen Verweise sind … vieles. Zuerst sind sie natürlich ein Eldorado für Kids der 80er, die in jeder Szene ein Poster, eine Figur, einen Satz, eine Einstellung, ein Spiel, einen Titel, ein Geräusch, einen Song oder sonst was entdecken können. Nennt es Fanservice, nennt es einfallslos – ich habe diebischen Spaß daran. Gleichzeitig sind all diese Referenzen aber das für mich größte Fragezeichen des Films. Der Roman richtet sich an Menschen, die die 80er erlebt haben, der Film nicht. Die Heranwachsenden von heute kennen STAR WARS, aber die überwiegende Vielzahl an Reminiszenzen werden sie nicht bemerken. Ich habe mir in der Szene, in der der kleine Halliday in seinem Kinderzimmer zockt, unwillkürlich gedacht, dass dieses Szenario doch kaum einem heutigen Jugendlichen bekannt ist, oder? Klar, gezockt wird heute auch (sogar viel mehr), aber diese wunderbare, von Disketten abhängige Möglichkeit, in eine offline-Welt zu entfliehen, dürfte für viele heute schwer zu begreifen sein. Ich unterstelle dem Film hier ein Mäandern zwischen den Zielgruppen – mich stört das freilich nicht, ich entstamme den 80ern und kann mich immer noch an jugendgerechtem Kino erfreuen.

4. Die CGI-Effekte im Film sind erstaunlich erträglich. Obwohl der Film ja seinem Thema gemäß große Teile seiner Spielzeit in komplett digitalen Welten verbringt (in denen sich digital erstellte Figuren bewegen), stört das nicht so sehr, wie zu erwarten gewesen wäre. Durch die häufig an Mechaniken von Videospielen angelehnte Inszenierung fällt es wohl leichter, diesen Look und seine überbordenden visuellen Reize zu akzeptieren.

5. Es bleibt zu hoffen, dass ein paar der jüngeren Zuschauenden sich den Soundtrack zulegen und zu Jump, I hate myself for loving you oder Blue Monday abgehen (die grandiose Coverversion von Take on me hat je aus dem Trailer ja leider nicht in den Film geschafft) – ich jedenfalls fühlte mich mal wieder dazu bemüßigt.

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