SUGATA SANSHIRO FORTSETZUNG

Sugata Sanshiro Fortsetzung
Zoku Sugata Sanshiro | Japan | 1945
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Kurosawas drittes Werk zeigt deutliche Züge eines Propagandafilms. War der Erstling JUDO SAGA – DIE LEGENDE VOM GROßEN JUDO (1943) noch frei von derartigem Subtext, diente die zweite Hälfte von AM ALLERSCHÖNSTEN (1944) schon deutlich der Moralfestigung gen Kriegsende. In SUGATA SANSHIRO FORTSETZUNG (tatsächlich eine recht akkurate Titel-Übersetzung) setzt Kurosawa die Geschichte des Debüts nahtlos fort, ergeht sich dabei jedoch überwiegend in einer Mischung aus Redundanz und der erwähnten Propaganda. Jene Quellen wirken glaubwürdig, die behaupten, dass dieser Film dem 35-Jährigen deutlich angedient wurde.

2. Die Story wiederholt sich auffällig. Die Brüder von Gennosuke Higaki, dem Antagonisten des ersten Teils und Vertreter des Jiu-Jitsu, kommen nun mit Karate daher, um Sugata die Leviten zu lesen. Nach viel Training und demütigen Gesprächen mit dem Meister gelingt es dem Helden dann natürlich, Teshin Higaki (der, wie auch Gennosuke, von Ryûnosuke Tsukigata gespielt wird) zu besiegen. Anstelle der wogenden Gräser findet das Finale dieses Mal im Schnee statt. Nicht weniger ikonisch, zugegeben. Interessant ist die Idee, dass Gennosuke auf den rechten Weg gefunden hat und Sugata für den Kampf gegen seine Brüder mit Tipps versorgt. Zusammen mit dem nach dem Kampf geläuterten wahnsinnigen Genzaburo kann man einer Niederlage gegen Sugata fast heilsame Wirkung zuschreiben. Dieser unterstützt mit seiner Friedfertigkeit diesen Eindruck, kümmert er sich doch rührend um seine besiegten Widersacher – die das mit einem lächelnden „Wir haben verloren“ vergelten.

3. Das soeben geschilderte Zusammenhalten der japanischen Kampfkünste und ihrer Vertreter ist aber natürlich auch ein Ausdruck des propagandistischen Charakters des Films. Gemeinsam gegen den Feind. Der tritt als US-Boxer auf, der einen geldgierigen japanischen Kämpfer gnadenlos vertrimmt. Sugata tritt natürlich aus Ehrgefühl nicht zu derlei Schaukämpfen an – tut es dann aber eben doch. Diese Kampfszene wirkt folglich grobschlächtig eingefügt und unpassend, auch wenn Sugata sich ob des Jubels, des Preisgeldes und der ihn feiernden Massen irritiert zeigt. Kurosawa distanziert sich gar ironisch von dieser Szene, wenn er Sugata in Stile US-amerikanischer Slapstick vor Fans flüchten lässt oder aber alle Personen in der Halle erstarren, sobald US-Boxer Lister auf die Matten knallt. Skurril.

4. Neben derlei handwerklichen Späßen liefert der Film technisch erneut solide ab, bleibt allerdings hinter der Finesse des Vorgängers zurück. Dieses Mal dienen Überblenden beim Niederknien oder erlöschende Feuer als Zeichen der vergehenden Zeit. Improvisierte Zooms und einige Blenden lockern das Geschehen auf, befreien es aber nicht von einer stets latent vorhandenen Lustlosigkeit. Selbst das Finale im Schnee verharrt bisweilen minutenlang in derselben Einstellung. Erneut scheint bewiesen: Kurosawa hatte an dieser hauptsächlich propagandistisch motivierten Fortsetzung wohl nur bedingt Spaß; das Ergebnis ist dafür noch recht ordentlich ausgefallen.

2 Antworten zu “SUGATA SANSHIRO FORTSETZUNG

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