STRICTLY BALLROOM

Strictly Ballroom
Strictly Ballroom | Australien | 1992
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Baz Luhrmanns Debüt zeigt in den ersten Minuten ein Gesicht, dass eher an die Frühwerke seines Landsmanns Peter Jackson, denn an die prunkvollen Operetten seines späteren Schaffens erinnert. In pseudo-dokumentarischem Stil und mittels abrupter Schnitte werden die Zuschauenden in die Welt des südaustralischen Turniertanzes eingeführt. Skurrile Charaktere reden – leicht von unten gefilmt – in die Kamera und innerhalb von Minuten etabliert Luhrmann ein Szenario, dass völlig abwegig scheint – und einen trotzdem sofort einfängt! Nach wenigen Szenen ist der Balletttänzer Paul Mercurio als tragisch-rebellische Hauptrolle Scott etabliert; ebenso schnell vollzieht sich seine Hinwendung zur Anfängerin Fran (Tara Morice), die für Scott die perfekte (emotionale) Flucht aus der regelstarren Welt seiner Eltern und aus deren Tanzschule darstellt.

2. Der Film ist eine Abrechnung mit dem organisierten Tanzwesen. Ob Luhrmann dabei etwa auf eigene Erfahrungen aus dem Theaterwesen referiert, kann ich nicht sagen, aber er stellt die Organisatoren des Tanzturniers als weltfremde, herrschsüchtige Despoten dar, die nach Belieben mit dem Glück der Tanzenden spielen. Bill Hunter darf als Komitee-Chef Barry Fife in einer absurd hinterlistigen Rolle glänzen, in der er dem Erhalt des regelkonformen Tanzwettbewerbs alles unterordnet. Dem gegenüber steht die (mir etwas zu klischeebehaftete) Welt der hispanischen Einwanderer, die das Tanzen ausschließlich zum Ausdruck ihrer Gefühle verwenden. Hier findet Scott natürlich jenes Verständnis für seine neuen Schritte, das ihm in der elterlichen Tanzschule (unter Führung von der wundervoll intriganten Pat Thomson als Scotts Mom Pat) verwehrt bleibt. Logisch, welche Weltsicht sich am Ende durchsetzt.

3. Während Tanzfilm-Klassiker wie FOOTLOOSE (1983) oder DIRTY DANCING (1987) vom Aufbegehren gegen die verstaubte Gesellschaft im Allgemeinen erzählt haben (oder FLASHDANCE (1983) einfach gar nichts erzählt), sucht sich STRICTLY BALLROOM einen konkret benannten Gegner. So ist schon Scotts Vater an der Hürde des Verbots neuer Schritte gescheitert und es bedarf Scotts äußerster Anstrengung, diese nun zu überwinden. Es geht nicht darum, Liebe zu finden oder unerlaubten Spaß zu haben; es geht darum, selbstbestimmt handeln zu dürfen. Scott Hastings ist ein Freiheitskämpfer auf dem Parkett – und auch deshalb ist STRICTLY BALLROOM der wohl coolste Tanzfilm, der mir bis jetzt untergekommen ist.

2 Antworten zu “STRICTLY BALLROOM

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