JUDO SAGA – DIE LEGENDE VOM GROßEN JUDO

Judo Saga – Die Legende vom großen Judo
Ichiban utsukushiku | Japan | 1943
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Es verwundert eigentlich nicht, dass Akira Kurosawas Debüt bereits so gelungen daherkommt: Schon sein Vater brachte ihm die Qualität westlicher Filme nahe, der kleine Akira interessiert sich stets für Kunst und Malerei, sein Mentor Kajirō Yamamoto ließ ihn über einige Jahre an allen Bereichen des Filmschaffens partizipieren und sein im japanischen Stummfilm aktiver Bruder Heigo besorgte den Rest. Dass Heigo sich leider im Zuge des Niedergangs des Stummfilms das Leben nahm, sollte Kurosawa allerdings ebenfalls seine gesamte Karriere lang prägen. Auch nicht verwunderlich: Der zu diesem Zeitpunkt 33-Jährige erkannte in der Novelle Sanshiro Sugata des japanischen Autors Tsuneo Tomita sofort am Tag der Veröffentlichung das Potenzial für seinen ersten Spielfilm, nicht erst, nachdem das Büchlein ein großer Erfolg wurde.

2. Es verwundert doch, dass dieses Debüt so gelungen daherkommt. Denn die Selbstsicherheit und Ruhe, mit der Kurosawa hier kredenzt, ist trotz der Vorgeschichte grandios. Die Geschichte vom jungen Sanshirō, der Jiu Jitsu lernen möchte und dann die Kraft des Judo erkennt, wird mit großer Gelassenheit und Souveränität erzählt. Eine der wichtigsten Szene, Sanshirōs Bereitschaft, sein Leben aus Scham über eine Verfehlung im Teich des Meisters zu opfern, wird gleich zu Beginn gezeigt. Es ist die frühe Auseinandersetzung mit der Selbstbeherrschung, die manch Nachahmer zum großen Filme macht – hier ist es nur die Eröffnung. Der folgende Aufstieg des Kämpfers wird dann weniger von eigenen Problemen gebremst als viel mehr von einem zwischenmenschlichen Konflikt. Der Kampf gegen den Vater von Sayo, einem jungen Mädchen, in das sich Sanshirō verliebt, wird fantastisch gelöst: Nicht etwas die Absage des Kampfes betont den Respekt vor dem Vater, sondern das Austragen desselben. So entsteht familiäre Einigkeit, die am Ende durch einen optisch bahnbrechenden Kampf gegen den finsteren Gennosuke Higaki auf die Probe gestellt wird. Die sturmumtoste Graslandschaft darf ohne Zweifel als epochemachend bezeichnet werden.

3. Der Streifen ist technisch beeindruckend. Kameraschwenks, Zooms und Zeitlupen-Sequenzen machen den Film unglaublich schwungvoll. Mal schaut die Kamera den Protagonisten genau in die Augen, mal schwebt sie in mehreren Metern Höhe über dem Geschehen. Diese Flexibilität setzt sich beim Schnitt nahtlos fort: Vor allem die Kämpfe profitieren ungemein von den schnellen Gegenschnitten, die die weiten Würfe erst so rabiat erscheinen lassen. Dem gegenüber stehen sehr ruhige Schuss-Gegenschuss-Sequenzen, die Widersacher etablieren. Neben einen Point-of-View-Einstellungen ist es dann aber sicherlich die Schuh-Montage, die herausragt: Das vergehen der Zeit stellt Kurosawa mittels eines Holzschuhs dar, der zunächst auf der Straße liegt, regennass wird und von einem Welpen angenagt schließlich im Fluss landet. Den schwimmenden Schuh filmend schwenkt die Kamera dann wieder nach oben auf das aktuelle Geschehen. Knaller!

4. Erstaunlicherweise weist der Film keine Kriegsbezüge auf. Die verbergen sich – zumindest aus Sicht der damaligen Zensoren – wohl in jenen 17 Minuten, die bei der zweiten Veröffentlichung des Films nach dem Ende des Krieges der Schere zum Opfer fielen. Zwar erläutern Texttafeln das Fehlende, allerdings bleiben diese sehr oberflächlich. Es gibt wohl mittlerweile einige DVDs, die Stellen dieses Materials enthalten, mit liegt es nicht vor. Aber wenn es einen nach Derartigem gelüstet, kann man sich ja den ein Jahr später erschienenen AM ALLERSCHÖNSTEN (1944) reinziehen.

3 Antworten zu “JUDO SAGA – DIE LEGENDE VOM GROßEN JUDO

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