THE HOST

The Host
Gweomul | Südkorea | 2006
IMDb, OFDb, Schnittberichte

1. Bong Joon-ho setzt die Konzeption seines Erstlings BARKING DOGS NEVER BITE (2000), einer grotesken Komödie mit dem zentralen Thema Zusammenhalt, und des Folgewerks MEMORIES OF MURDER (2003), einer Auseinandersetzung mit der südkoreanischen Militärdiktatur, mit THE HOST konsequent fort. So lässt das Monster aus dem Han-Fluss die südkoreanische Obrigkeit (analog zur Herrschaft Park Chung-hees in den Jahren von 1961 bis 1979) erneut zu Mitteln greifen, die zwar Erfolg versprechen, die Menschrechte aber kaum achten. Die Familie Park wird interniert, Vater Kang-du wird der Schädel aufgebohrt und die Suche nach Töchterchen Hyun-seo wird boykottiert. Dazu kommen weitere sozialkritische Seitenhiebe auf die USA, die bisweilen hart soziale Situation in Südkorea oder die Übergriffigkeit der Staatsgewalt.

2. THE HOST ist trotzdem ein gutgelaunter Film. Denn trotz all der düsteren Thematiken und einigen bitteren Szenen, gelingt es Bong immer wieder, den Film mittels humoriger Brechungen davor zu bewahren, ein düsteres Melodram zu werden. Ist das dargestellte Familienbild aus Gammler, Trinker, armem Vater und erfolgloser Tochter grundlegend ein ernüchterndes, so sorgt der aus der Notlage erwachsende Zusammenhalt doch für einen Silberstreif am Horizont. Ist das Zusammentreffen des von der Polizei gehetzten Nam-il mit einem Obdachlosen eigentlich eine düstere Sequenz, lockert die Reaktion von Letzterem diese wieder deutlich auf. Nur zum Schluss gönnt sich Bong die volle Kelle an Melodramatik, der Tod Hyun-seos ist niederschmetternd, eröffnet aber gleichzeitig jenen Blick auf neue Familien (und Gesellschaften?), mit dem der Film schließt.

3. Das Monster ist – ja was eigentlich?! Es ist (aus heutiger Sicht) sicherlich zunächst grausam anzusehen. CGI altert halt meistens schlecht, dieser Streifen darf als Paradebeispiel gelten. Gleichzeitig ist das Viech aber eine tolle Projektionsfläche: die USA, die eigene Regierung, der Bruder Nordkorea, gewissenlose Pharmazie-Unternehmen oder die Gesellschaft an sich – es bieten sich unzählige Interpretationsansätze an, die allesamt an einigen Stellen des Films Plausibilität erhalten. Bong reiht sich somit in die Reihe großer Horrorklassiker ein, die stets auch die Frage nach der Identität des Antagonisten stellen: diese Frage nicht zu beantworten, ist die vielleicht größte Stärke des Streifens – und wohl auch Grund dafür, dass er die Südkoreaner so beeindruckte; ist er doch bis heute der meistbesuchte Film des Landes.

2 Antworten zu “THE HOST

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