DAS UNSICHTBARE AUGE

Das unsichtbare Auge
Someone’s Watching Me! | USA | 1978
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Leigh Michaels (Lauren Hutton) kommt von New York nach Los Angeles und bezieht dort eine moderne Wohnung im „Arkham Tower“. Bei ihrem Job als TV-Regisseurin freundet sie sich mit Sophie (Adrienne Barbeau) an, privat trifft sie sich mit dem hübschen Paul (David Birney), eigentlich scheint also alles gut zu laufen. Doch in ihrer neuen Wohnung stellt ihr ein mysteriöser Fremder nach, der Leigh zu beobachten, zu verfolgen und irgendwann auch zu bedrohen scheint – und da die Polizei ihr keinen Glauben schenken möchte, müssen Leigh, Sophie und Paul alleine Nachforschungen anstellen.

DAS UNSICHTBARE AUGE ist – und das ist jetzt frei jeder Wertung – der Inbegriff des US-amerikanischen TV-Thrillers. Während sich HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS (1978) in der Produktion befand, schrieb John Carpenter ein Drehbuch, welches sich aufgrund überschaubaren Umfang und Komplexität als TV-Produktion anbot. Und das, obschon er wegen der engen Zeitpläne und der engen Zensurmaschen eigentlich kein Fan dieses Mediums war. So darf man dann auch den gestressten ersten Arbeitstag Leighs gerne als direkte Aussage Carpenters zum US-amerikanischen TV-Wesen betrachten, hatte er selber doch nur 18 Tage Zeit für die Dreharbeiten. Dementsprechend gradlinig fällt der Film dann auch aus – Zeit für große Experimente gibt es nicht. So negiert schon die Prä-Titel-Sequenz die später zeitweise mögliche erscheinende Interpretation, dass es sich um Einbildung Leighs handelt. Auch gibt es kein Rätselraten um den Stalker, alle bekannten Charaktere scheiden frühzeitig aus. Die Simplizität der Geschichte ist einer der größten Unterschiede zu Alfred Hitchcocks deutlich Pate stehendem DAS FENSTER ZUM HOF (1954).

Dafür liefert Carpenter die im ureigene geschickt-spannende Inszenierung. Trotz des modernen, anonymen Hochhauses, in dem der Film fast ausschließlich spielt, gelingt ihm eine abwechslungsreiche Darstellung der Ereignisse. Die wenigen Schauplätze schaden nicht, sie sorgen vielmehr für eine Konzentration auf das Wesentliche. Das Gefühl, beobachtete zu werden, überwiegt dabei deutlich. Nur hin und wieder zwingt Carpenter seine Zuschauenden in die Rolle des Stalkers, viel öfter ertappt man sich dabei, wie man die unzähligen erleuchteten Fenster im Hintergrund selber nach dem Bösewicht absucht. Auffällig ist, dass die Identität des Stalkers quasi keine Rolle spielt. Er wird erst ganz am Ende gezeigt und eine Kellnerin konstatiert lakonisch, dass er aussehe „wie jedermann“. Folgerichtig wird auch ein voyeuristischer Jedermann verhaftet, was den Bullen einen frühzeitigen, aber unverdienten Feierabend verschafft.

Also müssen es starke Frauen selber richten. Supermodel Lauren Hutton darf als Leigh Michaels eine solche geben. Alleinlebend weist sie gerne auch mal flirtende Kerle in der Bar ab, um sich dann selber einen ihr genehmen Mann zu suchen. Sie stellt eigene Ermittlungen an, greift gerne mal zum Messer und besiegt ihren Peiniger letztlich. Adrienne Barbeau (die Carpenter hier erstmal traf und wenig später ehelichte) muss zwar dran glauben, ist bis dahin als lesbische Mitstreiterin aber ebenfalls gelungen. Zusammen lüften die beiden das Geheimnis, während TV-Mime David Birney als Paul eher die emotionale Stütze darstellt.

Am schönsten wird die Eigenschaft des Films – ein simpler, gradliniger TV-Thriller zu sein – wohl an den merkwürdigen Übersendungen der fingierten Reisegesellschaft deutlich: sie sollen angeblich auf ein Reiseziel verweisen. Ein Fernrohr und ein Bikini? Aha. Dann eben kein Reiseziel, sondern ein Psychospiel. Ein Fernrohr und ein Bikini für eine Frau, die der Täter ohnehin umzubringen plant? Aha. Doch sobald man das alles als Mittel zum Zweck begreift, sobald man sich zurücklehnt und den Streifen als das begreift, was er ist – ab diesem Zeitpunkt wird einem dieser kleine Thriller simple, aber gute Unterhaltung bieten.

2 Antworten zu “DAS UNSICHTBARE AUGE

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