GODZILLA II – KING OF THE MONSTERS

Godzilla II – King of the Monsters
Godzilla: King of the Monsters | USA | 2019
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Jordan Vogt-Roberts hat es in KONG: SKULL ISLAND (2017), dem zweiten Film innerhalb des von Warner Bros. und Legendary Entertainment geführten MonsterVerse verraten: Mothra, Rodan und King Ghidorah sind auf dem Weg. Unter Regie und Drehbuch von Michael Dougherty dürfen die alten Haudegen dann auf die moderne CGI-Leinwand und müssen dabei die zwar nicht übergroßen, aber doch respektablen Fußstapfen von Gareth Edwards‘ GODZILLA (2014) und dem erwähnten KONG: SKULL ISLAND füllen. Und auch wenn diverse Metascores den Streifen deutlich schwächer sehen als seine beiden Vorgänger, so erkenne ich in ihm doch eine weitere charmante Adaption der alten Kaijus.

Auf Seiten der Menschen steht dabei erneut Familienstress im Fokus: Dr. Emma Russell (Vera Farmiga) – Töchterchen Madison (Millie Bobby Brown) immer an ihrer Seite – hat ein tolles Gerät entwickelt, mit dem sie die Titanen beeinflussen kann. Dummerweise gibt es aber Krach mit Ex-Gatte Mark (Kyle Chandler), der dann aber trotzdem hinter Emma herhetzt, als diese offenbart, dass sie zusammen mit dem Öko-Terroristen Alan Jonah (Charles Dance) gedenkt, alle möglichen Titanen zu wecken und zu ärgern, um die Welt von der Menschheit zu säubern. Dass dann auch noch das außerirdische Monstrum King Ghidorah erwacht, trägt vor allem einem eine Menge Arbeit zu: dem wahren König.

Wie schon GODZILLA schleudert einem auch dieser Streifen ziemlich schnell einen wüsten CGI-Auftritt eines der Riesenwesen entgegen. So sollte jedem schon nach 15 Minuten klar sein, ob man hier im richtigen Film sitzt. In der Folge gibt es in schöner Regelmäßigkeit sich stets überbietende Effekt-Spektakel, in denen immer neue und immer mehr Kaijus aufeinander eindreschen. Ich bin nun wahrlich kein Anhänger dieses Stils, finde jede Gummipuppe sympathischer und sehenswerter, aber komme trotzdem zu dem Schluss: hier wird das einfach mit erfrischender Offenheit gemacht. Dougherty etablierte die Viecher als normalen Teil der Welt, versteckt sie nicht und mystifizierte nichts. Monster existieren, Monster wirken und die Menschheit muss sich mit ihnen auseinandersetzen, fertig.

Antagonist Jonah, den Charles Dance zwar cool gibt, der gleichzeitig aber auch etwas unbedeutend wirkt, macht das auf die gute, alte Exploiter-Manier: Er möchte mit den Genen der Wesen Profit machen und nimmt ein paar Millionen Tote als Kollateralschaden hin. Die ansonsten eher auf Horror gebuchte Vera Farmiga darf da als Scientist-Mama Emma eine andere Haltung vertreten: sie empfindet die Menschheit als Infektion und die Titanen als Fieber, das die Heilung bringt und die Erde befreit. Wahnhaft vorgetragen (wenn auch später natürlich als Irrweg erkannt) sorgt das für eine coole Teilzeit-Antagonistin, die dann auch schon mal das Leben von Tochter, Ex-Mann und diversen Forschern riskiert, um Monster in der Antarktis (Outpost 32 steht wohl gleich neben Outpost 31, was?) zu wecken. Ein Beigeschmack bleibt aber: die Bösen sind „Öko-Terroristen“ (eigentlich nur Geldmacher) und einen fehlgeleitete Natur-Beschützerin. Dougherty zeichnet hier ein Bild, dass ein stückweit ins Rohr derjenigen bläst, die jeden Einsatz für die Umwelt als fanatischen Realitätsverlust abtun. Emmas Sinneswandel ändert daran nichts.

Schöner ist da schon die wohl wichtigste Szene des Films kurz vor dem dritten Akt: Dr. Serizawa fährt mit einer Atombombe im Gepäck zum beinahe vom Militär ausgelöschten Godzilla, denn viel Strahlung tut diesem bekanntlich gut (Serizawa freilich weniger). Das alles spielt sich in einer unter Wasser liegenden, jahrtausendealten Stadt ab, in der eine frühere Zivilisation die Titanen als Götter verehrt hat. Punkt eins: Der Film hat einfach Eier. Diese Stadt, Zeugnis ewig alter Kulturen, die scheinbar viele andere irdische Zivilisationen geprägt haben, wird kurz gezeigt und dann per Atombombe weggepustet, um Big G unter die Arme zu greifen; innerhalb von zehn Minuten. Ich muss die oben getätigte Aussage, Dougherty gehe einfach erfrischend und unkompliziert an diesen Streifen heran, hier nochmal unterstreichen. Punkt zwei: Erneut wird auf Gojiras zentrale metaphorische Bedeutung als japanische Verarbeitung der US-amerikanischen Atombombenangriffe verwiesen. Dieses Mal erwacht er aber nicht mit Wut im Bauch, sondern überlebt dank der Bombe. Schwierig, verdammt schwierig. Auch wenn die Szene toll inszeniert ist, mangelt es mir hier erneut an Fingerspitzengefühl dem Original gegenüber.

GODZILLA II – KING OF THE MONSTERS macht mich also etwas ratlos. Zwei durchaus beachtliche Kritikpunkte stehen einem CGI-Inferno gegenüber, das eigentlich nicht dazu angetan sein sollte, mir den Film doch noch schmackhaft zu machen. Trotzdem unterhält er mich. Eventuell sind Kaijus halt einfach so cool, dass ihnen selbst CGI und Misstöne nichts anhaben können. 2020 wird GODZILLA VS. KONG vielleicht ein klareres Urteil über das MonsterVerse und seine Bausteine zulassen.

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