DAS AS DER ASSE

Das As der Asse
L’as des as | Deutschland/Frankreich | 1982
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die französische Boxmannschaft wird von ihrem Trainer Jo Cavalier (Jean-Paul Belmondo) nach Berlin geführt, um an den Olympischen Spielen des Jahres 1936 teilzunehmen. Auf dem Weg dorthin hat Jo vor allem mit der Journalistin Gaby Delcourt (Marie-France Pisier) zu kämpfen, die ihn angeblich falsch zitiert habe, in Deutschland angekommen sieht sich Jo aber größeren Herausforderungen gegenüber: der jüdische Junge Simon (Rachid Ferrache) und seine Großeltern werden von den Nationalsozialisten verfolgt und es ist am französischen Boxtrainer, sich des Jungens anzunehmen.

Die Synopsis klingt erst einmal so, als könne der Film nur vor die Wand fahren. Der ebenso handfeste wie zum ausdrucksstarken Humor neigende Jean-Paul Belmondo, ein Thema, das zu allzu leicht durch Klamauk und Oberflächlichkeit aus dem Ruder laufen kann, und mit Gérard Oury ein Regisseur, dessen Steckenpferd ernste Themen nun nicht gerade waren. Und letzter brachte auch noch seine Tochter, Danièle Thompson, als Drehbuchautorin unter – vor allem bekannt für ihre Arbeit an diversen Louis de Funès-Streifen. Es scheint also alles bereitet für einen fatalen Schuss in den Ofen – und doch unterhält DAS AS DER ASSE durchaus gelungen und geht mit seinem Thema stets sorgfältig um.

Spürbar wird das zunächst in Belmondos Blick. Die ersten zwanzig Minuten des Films wird sein Jo als verwegener Draufgänger etabliert, der sich selbst nicht zu ernst nimmt, das Boxen aber dafür sehr. Er geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg und hat es auch nicht nötig, der Damenwelt zu schmeicheln – vielmehr muss die Journalistin Gaby Delcourt mehrfach unter seinen derben Späßen leiden. Im Zug nach Berlin offenbart er dann doch eine amouröse Seite, staucht danach seine Jungs zurecht und wird dann mit deutschen, scheinbar dem Militär angehörenden Kontrolleuren konfrontiert. Als im Zuge der Kontrolle herauskommt, dass der kleine, alleinreisende Simon jüdisch ist und die Kontrolleure ihn sofort eiskalt fixieren, spiegelt Belmondos Blick dagegen tiefes Verstehen und Betroffenheit wider. Die Alberei ist wie weggeblasen und der Ernst der Situation, ja des ganzen Sujets liegt offen vor den Betrachtenden. Derlei Szenen gibt es über den Film verteilt mehrere und sie erden die teils derben Späße dazwischen immer wieder und machen einem deutlich, vor welchem Hintergrund sich der Film bewegt. Gut so.

Ebenfalls trefflich: Gérard Oury versteht es weitestgehend geschickt, jene Momente zu erkennen, in denen Blödelei passt. Die Gags schwanken dabei zwischen pointiert und platt, richtige Ausfälle gibt es aber selten. Belmondo bedarf natürlich auch zahlreicher physischer Szenen, sodass es auch einige kurzweilige Kloppereien und Slapstick-Einlagen zu sehen gibt. Jos Beziehung zu dem von Frank Hoffmann gegebenen deutschen General Gunther von Beckman erfüllt dann vor allem für die Storyline eine tragende Rolle; der Auftritt Günter Meisners als Adolf Hitler (und dessen Schwester Angela) allerdings weniger. Der häufig als Darsteller von Nazis gebuchte Meisner gibt hier einen Adolf Hitler, der dümmlich-simpel daherkommt und eigentlich nichts Story-Relevantes tut. Gleichzeitig gibt Meisner (nur oberflächlich verkleidet) Hitlers Schwester Angela, die völlig überzogen-albern daherkommt. Diese Szenen schmälern den ansonsten guten Gesamteindruck am Ende leider spürbar, ändern aber am Gesamturteil auch nichts mehr: Gérard Oury liefert hier Komödie ab, die sich auf schwierigem Terrain weitgehend sicher und unfallfrei bewegt – mehr nicht, aber weniger sicherlich auch nicht.

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