DER TOD HAT SCHWARZE KRALLEN

Der Tod hat schwraze Krallen
I Was a Teenage Werewolf | USA | 1957
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der US-amerikanische Produzent Herman Cohen brachte der von James H. Nicholson und Samuel Z. Arkoff 1954 gegründeten Produktionsfirma American International Pictures im Jahr 1957 mit DER TOD HAT SCHWARZE KRALLEN einen ihrer größten Erfolg ein. Dabei waren weder Nicholson und Arkoff noch Roger Corman oder Alex Gordon ungeschickte Produzenten, aber Cohen kam auf eine Idee, die das US-Horrorkino, das in den 50er Jahren bekanntlich hauptsächlich damit beschäftigt war, irgendwelche Monster-Metaphern auf die Sowjetunion zu finden, bis dato noch nicht hatte: Jugendliche mutieren zu klassischen Horrorfiguren. Sollte dann mit Einnahmen von rund zwei Millionen US-Dollar (bei Produktionskosten von ca. 80.000 US-Dollar) auch ganz gut funktionieren und unter dem Label I was a teenage … drei Nachfolger nach sich ziehen: FRANKENSTEINS TOD (1957), BLOOD OF DRACULA (1957) und DER SATAN MIT DEN 1000 MASKEN (1958).

In diesem ersten Streich, für den Cohen natürlich auch schnell das Drehbuch schrieb und für den er den Regie-Debütannten Gene Fowler Jr. anheuerte, geht es dann, laut Aussage des geschockten Cops am Ende, um einen Fall von höchster Tragik. Der von Michael Landon gegebene Highschool-Schüler Tony Rivers leidet aus unbekannten Gründen unter Wutausbrüchen, die sein Privatleben massiv einschränken, ihm Sorgen in der Schule bereiten und ihn bisweilen in Konflikt mit dem Gesetz führen. Als er seiner Freundin Arlene Logan (Yvonne Fedderson) mehr oder minder unabsichtlich eine runterhaut, erkennt er seine Hilflosigkeit und begibt sich auf Anraten seiner Mitmenschen in die Obhut des Psychaters Dr. Brandon (Whit Bissell). Die Entscheidung muss man sicherlich richtig einordnen: in einer US-amerikanischen Kleinstadt der 50er Jahre psychatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist sicherlich keine leichte Entscheidung. Dass sich Tony in die Arme eine verrückten Quacksalbers mit Allmachtsfantasien begibt, macht die Geschichte dann wirklich tragisch. Dass Tony bis zum Schluss der Überzeugung ist, dass nur Dr. Brandon ihm helfen könne, ebenfalls.

Aber natürlich dient diese damals grundsätzlich unverbrauchte Geschichte mitnichten dazu, Kritik am Umgang mit psychischen Erkrankungen oder fehlende Kontroll-Mechanismen in der Medizin zu diskutieren. Stattdessen gibt es in den gerade einmal 75 Minuten einige relative unspektakuläre Übergriffe des Werwolf-Tony zu sehen. Sowohl der Kumpel im Wald als auch die Turnerin auf dem Barren müssen dabei die gesamte Last der Szenen tragen. Werwolf T. eiert auf seine Opfer zu, diese schreien in die Kamera, fertig. Verletzungen werden nur von Reportern beschrieben, das Entsetzen muss sich im Geiste bilden. Dafür wird der Werwolf aber mit einer launigen Maske dargestellt, die sich respektvoll an George Waggners DER WOLFSMENSCH (1941) orientiert, das Konzept aber um ein paar grumme Fangzähne und etwas Sabber ergänzt. Gelungen.

Ansonsten fährt Gene Fowler Jr. einiges an Üblichem auf. Keiner glaubt an die Mär vom Wolf, Tonys Vater beschwört seine gute Seele und mit Hugo steht dem Bösen ein zwiegespaltener Gehilfe wider Willen zur Seite. Besonders cool: Der Russe Wladimir Sokoloff, bekannt aus John Sturges’ DIE GLORREICHEN SIEBEN (1960), darf als Unheil verheißender Hausmeister Pepe die Verbindung zur klassischen Werwolf-Thematik schaffen. Gene Fowler Jr. schafft es trotz dieser Bekanntheiten aber überwiegend, Langweile zu vermeiden, da er frisch und einfallsreich inszeniert. Schon im Eröffnungskampf fliegt der Sand in die Kamera respektive Augen des Kontrahenten und auch in der Folge, zeigt sich Fowler immer wieder einfallsreich. Die Turnerin beobachtet den Werwolf aus der Überkopfperspektive (was dann auch die Zuschauenden ertragen müssen) und die Party-Szene offenbart gar Slapstick-Qualitäten. Es ist auch dieser Inszenierung zu verdanken, dass kaum auffällt, dass das Büro von Dr. Brandon und der Schuldirektorin ein und dasselbe sind. Und das ist eigentlich auch eine schöne abschließende Metapher: Fowlers Streifen macht mit einem originellen Thema und abwechslungsreicher Inszenierung seine (budgetbedingten) Schwächen vergessen – da wird man sich bei  AIP gefreut haben.

2 Antworten zu “DER TOD HAT SCHWARZE KRALLEN

  1. Pingback: DER SATAN MIT DEN 1000 MASKEN | SPLATTERTRASH·

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