DER HAUCH DES TODES

Der Hauch des Todes
The Living Daylights | Großbritannien/USA | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Mit IN TÖDLICHER MISSION (1981) gelang es Regisseur John Glen mit seiner ersten Arbeit innerhalb des JAMES BOND-Universums sogleich, die nach DER SPION, DER MICH LIEBTE (1977) und MOONRAKER – STRENG GEHEIM (1979) doch ordentlich durch die Gegend eiernde Reihe wieder einzufangen und ihr eine angenehm bodenständige Erdung zu verpassen. Ich habe keine Ahnung, warum sich Glen dann mit OCTOPUSSY (1983) und vor allem IM ANGESICHT DES TODES (1985) wieder in Richtung albernerer Darbietungen bewegte – eventuell hängt es mit dem der Rolle nur noch bedingt entsprechenden Roger Moore zusammen –, aber mit DER HAUCH DES TODES besinnt er sich dann doch wieder. Nicht ganz unbeteiligt daran dürfte Timothy Dalton sein, der hier sein 007-Debüt gibt und es Glen und der Serie ermöglicht, einiges an frischem Wind zu verursachen.

Dalton ist dabei nicht nur jünger und frischer als der bei seinem letzten Auftritt bereits 57-jährige Moore, er zeichnet die Figur auch wieder eher in Richtung des engagierten Agenten denn des hauptberuflichen Charmeurs, der nur nebenbei seinen Dienst verrichtet. Auch hat er mit der von Maryam d’Abo gegebenen Kara Milovy nur ein weibliches Gegenüber, welches zudem von echter Relevanz für die Geschichte ist und mit der er nur am Ende ein unauffälliges Techtelmechtel vollführt. Vorbei sind die Zeiten, in denen mehr gebumst als spioniert wurde. Stattdessen widmet sich Bond hier lieber der Behandlung jener internationalen Konfliktsituation, die Jeroen Krabbé in der Rolle des Russen Koskov initiiert. Mutet vor allem die erste halbe Stunde in Bratislava dabei nach der klassisch westlichen Sicht auf den kalten Krieg an, erweist sich Richard Maibaums weitgehend selbsterdachtes Skript danach als erstaunlich neutral, wenn der natürlich megacoole John Rhys-Davies als Russe Pushkin an Bonds Seite den verrückten US-amerikanischen Waffenhändler Whitaker (überzeugend abgedreht: Joe Don Baker) stellt.

Apropos Bratislava. Wenn auch in Wien gedreht zeigt sich hier auch eine weitere Qualität des Films: er sieht realistischer aus als seine Vorgänger. Die düsteren Szenen vor der Oper, Bonds Bahnfahrt oder auch die diversen Innenräume; sie alle sehen dunkel, trist und realistisch aus. So sehr ich auch die architektonischen Wunderleistungen von Ausstatter Ken Adam anbete, so gut tut der Reihe diese Neuerung. Die späten 80er sind eben eine andere Zeit als die späten 60er, etwas mehr Ernsthaftigkeit ist hier – inhaltlich wie optisch – angebracht. Dazu gibt es auch noch passende Musik, bis hin zu einigen Synthesizer-Tracks.

Zu guter Letzt gibt es dann aber doch noch zwei kleine Zugeständnisse an die traditionelle Exzentrik der JAMES BOND-Reihe. Zum einen wären da die Gadgets. Neben einem ballernden Ghettoblaster und einer menschenfressenden Couch ist es vor allem der per speziellem Pfiff zu aktivierende Schlüsselbund, der ein augenzwinkerndes Zugeständnis an andere Bond-Zeiten darstellt – gleiches gilt für den Laser und Kufen umfassenden Aston Martin. Und dann wäre da noch das Aufeinandertreffen mit den Mudschahedin in Afghanistan. Ähnlich wie Peter MacDonald ein Jahr später mit RAMBO III (1988) nutzt Glen deren Konflikt mit der Sowjetunion zwar nur für eine vordergründige Geschichte (in diesem Fall: Drogenhandel), aber in diesen Szenen erinnert der Streifen dann doch wieder an seine weitaus exzentrischeren Vorgänger. Insofern heben diese Szenen toll hervor, wie angenehm bodenständig und realistisch der Rest des Films ausfällt – und somit kommt auch ihnen eine große Bedeutung zu.

2 Antworten zu “DER HAUCH DES TODES

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