THE EXPENDABLES

The Expendables
The Expendables | USA | 2010
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Kann man den Charme vergangener Tage wieder auferstehen lassen oder muss der Versuch zwangläufig im bloßen Kopieren der Formalia enden? Sylvester Stallones Ensemble-Vehikel von 2009 zeigt, dass das eine nicht ohne das andere möglich ist. Denn zur Wahrheit gehört, dass das Ziel der Hommage, das Actionkino der 80er Jahre, eben eines ist, welches sich zum einen durch einen bekannten Namen auf dem Kinoplakat und zum anderen durch möglichst günstige, aber wirkmächtige Actionszenen auszeichnet. Und genau diese zwei Eigenschaften gibt Sly seiner nach den Erfolgen ROCKY BALBOA (2006) und JOHN RAMBO (2008) dritten Regie der Neuzeit. Die Storyline fällt dabei natürlich völlig hin rüber – aber auch diese Bierdeckelgeschichte lässt sich ja einfach als Reminiszenz lesen.

Dafür gibt es dann einen Haufen an mehr oder minder bekannten Action-Gesichtern zu sehen, aus dem Stallone, Statham, Lundgren, Li und Rourke (sowie die Minirollen Schwarzenegger und Willis) herausstechen. Diese sind trotz ihrer brutalen Kampfeinsätze natürlich allesamt liebevoll (Statham), gedankentief (Rourke) und uneigennützig (Stallone) und damit auch hinreichend charakterisiert. Da ist es dann auch nicht schlimm, dass Stallones Barney und Stathams Lee nach erfolgreicher Flucht noch mal kurz kehrtmachen, um allen Widersachern in einer gigantischen Explosion den Garaus zu machen – nur so aus Prinzip. Und auch Barneys Rückkehr auf die fiktive (und natürlich vor Klischees nur so triefende) mittelamerikanische Insel Vilena dient nur dem rechtschaffenden Wunsch, die Generalstochter Sandra (Giselle Itié) zu befreien; aber nicht zum Knutschen oder Bumsen, sondern einfach so. Da steckt selbst in der 5-Minuten-Bezieheung aus RAMBO 2. TEIL – DER AUFTRAG (1985) mehr Emotion. Und um jemanden zu befreien, bringt man natürlich erstmal überall Sprengsätze an. Logo – denn Gewalt ist für jede Frage die einzig gangbare Antwort. Letzter Charakterzug alle Heroen (es haben eh alle die gleichen Eigenschaften) ist ihre Technikfeindschaft. Es werden nur Schusswaffen, Messer und Sprengsätze verwendet; Handys, Computer oder sonstigen Firlefanz brauchen die Jungs nicht.

Und auch bezüglich der Optik weiß Stallone, wie ein Actionstreifen der 80er Jahre auszusehen hat. Die Flugaufnahmen fallen noch hübsch aus, aber große Teile des Films hüllen sich in unauffällige Settings. Eine austauschbare US-amerikanische Großstadt, ein Feld auf Vilena und natürlich 30 Minuten Kellergewölbe und Hof bei Nacht. Es gibt außer der Action fast nicht zu sehen, ein paar Explosionen bleiben Highlights. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen (siehe unten), wären da nicht die grauenhaft schlechten CGI-Effekte. Ich weiß nicht, wie ich sie vor zehn Jahren empfunden habe, aber heuer sehen sie ausnehmend billig aus. Sowohl die Blutspritzer bei Einschüssen als auch die diversen Messer lassen es einem kalt den Rücken runterlaufen. Übertroffen wird das nur von den Flammen in der Nacht und dem letztlich einstürzenden Präsidentenpalast. Da muss man fast an ALIEN³ (1992) oder FLUCHT AUS L.A. (1996) denken.

Sollten die beiden vorangegangenen Absätze nun aber zu harsch geklungen haben, dann sei bemerkt: Stallone macht seine Sache gut. Die klassische 80er-VHS-Action (die ich hier mal zur Grundlage der Beurteilung machen will), sieht eben genauso aus. Da sind die Guten charakterlich recht dünne und moralisch wenig integer, da sind die Bösen (wahlweise Ausländer oder CIA, am besten in Union) grundschlecht und verdienen den Tod und da finden große Teile des Geballers an kostengünstigen Locations (Wälder, Ruinen, Walachei) statt. Ich muss das hier nicht noch weiter durchexerzieren, aber dieser Art von Film setzt Stallone (von den in diesem Kontext fast schon zu gut choreografierten Kampfszenen einmal abgesehen) ein gelungenes Denkmal, welches er zudem mit einigen zwar nicht sehr originellen, aber trotzdem gelungenen Seitenhieben und guter Musik abrundet.

2 Antworten zu “THE EXPENDABLES

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