SHERLOCK HOLMES – SPIEL IM SCHATTEN

Sherlock Holmes – Spiel im Schatten
Sherlock Holmes: A Game of Shadows | USA | 2011
IMDb, OFDb, Schnittberichte

SHERLOCK HOLMES (2009) war ein Erfolg, IRON MAN 2 (2010) untermauerte Robert Downey Jrs. Karriereaufschwung; logisch, dass 2011 der nächste Streich von Arthur Conan Doyles legendärem Detektiv anstand. Wie immer stellte sich die Frage nach den besten Ingredienzien für eine Fortsetzung und dem aktuellen Hollywood-Allheilmittel folgend, versucht Regisseur Guy Ritchie es mit mehr vom Bekannten. Das ist erstmal legitim und äußerst sich vor allem in einer Vielzahl von Actionsequenzen. Wer sich schon 2009 fragte, warum der smarteste Ermittler des Scotland Yard so ein versierter Nahkämpfer ist, der wird sich jetzt noch viel verwunderter die Augen reiben. Alle paar Minuten muss es Holmes mit gleich mehreren Widersachern aufnehmen, denen er jedoch stets überlegen ist; selbiges gilt übrigens für Jude Laws Dr. John Watson. Aber auch abseits der Prügeleien setzt Ritchie auf Rasantes: Ein Zugabenteuer inklusive Kletterei und Explosion, diverse Verfolgungsjagden, riesige Geschütze und ein Kampf auf den Balkonen eines Theaters sorgen für Kurzweil.

Leider steht diese Action im Kontrast zu jenen Szenen, in denen Sherlock seinen Einfallsreichtum spielen lässt. Machte das 2009 noch einen immensen Teil des Films aus, bleibt nun wenig Raum für ruhige Überlegungen. Stattdessen behilft sich Ritchie damit, die Eingebungen Holmes‘ deutlich gedankenloser zu gebrauchen. Da reicht dann auch schon mal ein Rotweinfleck und ein wenig Maurerspeis, um die gesamte Konstruktionsgeschichte eines Gebäudes zu durchblicken. Naja. Ganz allgemein fällt die Geschichte deutlich glatter und weniger vertrackt aus, was dem Zuwachs an Action natürlich entgegenkommt. Allerdings wirkt der von Jared Harris gegebene Erzfeind Moriarty dadurch irgendwie etwas blasser und ideenloser als seinerzeit Mark Strongs Lord Blackwood. Dieser forderte mit dutzendfachen Tricks noch Holmes‘ ganzes Potenzial, Moriarty will irgendwie nur Kohle und scheitert letztendlich an einem simplen Taschendiebstahl.

Immerhin passiert dieses Scheitern auf einer (trotz CGI) stimmigen schweizerischen Bergfestung, die sich über einen Wasserfall spannt. Total albern, aber irgendwie angenehm enthoben. Denn sobald der Film sein angestammtes Setting (Londons Wahrzeichen wurde ja schon 2009 „aufgebraucht“) verlässt, erlaubt sich Ritchie einige Eigenheiten, die gleichermaßen mutig wie skurril wirken. Die erwähnte Festung sieht nämlich eher nach einem Fantasyfilm aus als nach einem historischen Krimi und die Soldaten, die die riesige Waffenfabrik in Heilbronn bewachen (und die ihr größtes Projektil tatsächlich „Hänsel“ nennen), wecken qua ihrer Kleidung und ihrem Duktus Erinnerungen an die SS; und das alles 1891. So enthebt Ritchie die Geschehnisse ihres zeitlichen Kontextes. Ob das in Anbetracht von Moriartys Plan, einen Weltkrieg auszulösen um Geld zu verdienen, so genial ist, sei dahingestellt, einen interessantes Experiment stellt es allemal dar. Und optisch eröffnet es den Computereffektspezialisten einige neue Themenfelder – die obligatorische Zeitlupenexplosion findet so dieses Mal in einem Wald statt.

Insgesamt kann man den Streifen sicherlich gucken, auch wenn SHERLOCK HOLMES (2009) irgendwie etwas pfiffiger wirkt. Eines bleibt mir aber schwer im Magen liegen: Wenn Holmes schon jeden Schritt seiner Kämpfe im Geiste vorplant und damit den eigentlich auf Übersinnliches verzichtenden Grundton des Films stört – warum muss Moriarty dann im Finale auch noch da mitmischen und so für ein mentales Slow-Motion-Duell sorgen, dass dann natürlich doch ganz anders abläuft?

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