DER WOLFSMENSCH

Der Wolfsmensch
The Wolf Man | USA | 1941
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Kurz vor DER WOLFSMENSCH hatte Regisseur George Waggner bereits bei VOM MENSCHEN GESCHAFFENES MONSTER (1941) mit dem bis dato recht unbekannten Lon Chaney Jr. zusammengearbeitet. Und wie auch sein Vater sollte es Chaney Jr. nach der zweiten Zusammenarbeitet zu großem Universal-Horror-Ruhm bringen. Großen Anteil daran hat ganz unzweifelhaft auch Drehbuchautor Curt Siodmak, der zuvor schon für Universal das Buch zu DER UNSICHTBARE KEHRT ZURÜCK (1940) und danach zu ICH FOLGTE EINEM ZOMBIE (1943) verantwortete. Denn Siodmak griff tief in die mittelalterliche Mythen-Kiste und verwurstete die schönsten Aberglauben aus dem Reich des Wolfs zu einer konsistenten Geschichte – und legte damit den Grundstein für die moderne Werwolf-Popkultur. Alle entscheidenden Eigenschaften treten hier erstmalig auf und erfahren durch Waggners schwungvolle Inszenierung generationenüberdauernde Gültigkeit.

Im Zentrum des Films steht dabei der Widerwille, etwas Augenscheinliches anzuerkennen. Lon Chaney Jr. ist als heimkehrender Larry Talbot dem Leben in Wales abgeneigt. Er verbrachte die letzten 18 Jahre in den USA und kann mit den abergläubischen Kleinstädtern nichts anfangen. Wohl aber mit der hübschen Gwen (Evelyn Ankers), die er zunächst durch ein Teleskop beobachtet und dann schamlos umgarnt. Auch nach dem folgenschweren nächtlichen Zusammentreffen mit dem Werwolf lässt sich Larry nicht von den unheilschwangeren Botschaften und Zeichen überzeugen, die Erklärungen der augenscheinlich kundigen Maleva (Maria Ouspenskaya) schlägt er in den Wind. Erst als er zu einer Gefahr für seine aufrichtig geliebte Gwen wird, erkennt Larry an, dass der Aberglauben und die Mythen wahr sind. Werwölfe existieren und er ist einer.

Leider zeigt sich sein Vater John (Claude Rains, der Universal schon in DER UNSICHTBARE (1933) diente) noch nicht so ganz überzeugt, weshalb er seinen Sohnemann besser erstmal fesselt, anstelle auf ihn aufzupassen. Hier zeigt sich zum zweiten Male eklatanter Widerwille; und dieser führt auch letztlich zum Tode. Denn in einer hochdramatischen Szene ist es der Vater, der den Sohn – ohne es zu ahnen – erschlägt. Erst als Maleva erneut ihr Klagelied anstimmt, wird der Fluch gebrochen und die Wahrheit offenbart. Mit mehr Vertrauen hätte dieser (und vermutlich auch vorherige) Morde verhindert werden können. Die fehlende Bereitschaft der Menschen, ihren Mitmenschen zu glauben, führt hier letztlich zum Tode, nicht irgendein Zauber.

Und Waggner verpackt diese Moral in ganz fantastische Bilder. Der Wald mit seinen Schatten und Nebelschaden sowie dem Lager der Schausteller darin bildet einen grandiosen Rahmen für den umherschleichenden Werwolf – dessen Make-up übrigens mal wieder aus den äußerst talentierten Händen des Jack P. Pierce stammt, der alle namhaften Universal-Monster schuf. Noch genialer ist aber die Idee, auch den Stadtkern und das Familienschloss in düsterer Low-key-Fotografie zu zeigen. So bilden Wald und Stadt keinen Kontrast, sondern sind Teile der gleichen düsteren Welt; genauso, wie der Werwolf auch Teil von Larry ist. Das Böse ist nicht da draußen, im dunklen Wald, es ist hier drin, in der dunklen Stadt. Wie schon erwähnt, erkennen das die Menschen allerdings zu spät und wollen es dann nicht wahrhaben – welch eine zeitlos düstere Erkenntnis.

3 Antworten zu “DER WOLFSMENSCH

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