MEG

Meg
The Meg | China/USA | 2018
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Geschichte ist nun wahrlich nicht sehr originell: Eine Bande von Forschern, finanziert von dem unsympathischem Geldsack Jack Morris (Rainn Wilson), stellt fest, dass der Boden des Marianengrabens nur eine durchlässige Nebelschicht ist, unter der sich ein bisher unerforschtes Ökosystem befindet. Natürlich werden die Wissenschaftler dort von einem riesigen Urzeithai – dem Megalodon – attackiert. Zur Rettung wird Jonas Taylor (Jason Statham) herangewunken, der sowohl der Ex einer der Forscherinnen ist als auch Erfahrung mit diesem Urviech hat.

In der Folge präsentiert Regisseur Joe Turteltaub, der wohl jedem Filmfan mit Herz aufgrund seines Krachers COOL RUNNINGS (1993) ein Begriff sein dürfte, ein Potpourri aus bekannten Versatzstücken des Haifischfilms. Das Tierchen naht mal aus den dunklen Tiefen des Ozeans heran, bringt das Sonar zum Piepen, taucht plötzlich aus und attackiert bisweilen sogar Schiffe. Direkte Zitate des Genre-Vaters DER WEißE HAI (1975) dürften natürlich auch nicht fehlen und so zieht der Megalodon auch schon mal Bötchen an einer Schnur durch die Gegend. Turteltaub inszeniert das alles launig und kurzweilig, auch wenn manche dieser Bemühungen durch die bisweilen arg billig anzusehenden CGI-Effekt konterkariert werden. Insbesondere die eingangs gezeigt Forschungsstation sowie die billigen Bohrinsel-Backgrounds sehen schrecklich aus. Der Hai hingegen ist in der Regel ordentlich gelungen, auch wenn der Maßstab nicht in Stein gemeißelt zu sein scheint.

Der menschliche Gegenspieler des Hais ist übrigens Jason Statham, dem hier die Rolle des Alleinunterhalters zufällt. Jede andere Figur wird gleich mehrfach von seinem Jonas gerettet und so müssen alle für oder später seine Genialität und seinen Mut anerkennen. Dabei ist Statham durchaus kein Ekel, sondern eher der mitfühlende Typ von Retter. Angenehm: Jonas kommt nicht wieder mit seiner blonden Ex Lori (Jessica McNamee) zusammen (das steht auch zu keinem Zeitpunkt zur Debatte), sondern nähert sich langsam der Mutter und Forschungsleiterin Suyin (Li Bingbing) an.

Es gibt letztlich aber ein entscheidendes Kriterium, dass MEG von den zahllosen Haifisch-Reißern der letzten Jahre unterscheidet: er gibt sich nicht freiwillig der Lächerlichkeit preis. Zu keinem Zeitpunkt lässt Turteltaub seinen Film ins absichtlich Trashige kippen. Klar, die Figuren sind unglaublich flach, die Handlung strotzt nur so vor Unsinnigem und das merkwürdige Setting ohne Außenwelt (vom obligaten Strand einmal abgesehen) trägt auch nicht nur Glaubwürdigkeit bei. Aber der Film verkauft uns das als ernsten Hai-Horror. Auch wenn Jack mit der Harpune hinter dem Viech herschwimmt, selbiger einen toten Kollegen per Sprung vom Schiffhaken nagt oder Morris ins Wasser platscht und seine Jungs das nicht checken: der Film wandert auf diesem schmalen Grat, ohne auf die geschmacklose Seite des gewollten Trashs zu kippen. Und genau deshalb kann man den Film auch in weiten Teilen genießen. Natürlich ist hier bei weitem nicht alles perfekt, natürlich werden Handlung und Logik einigen vordergründigen Effekten gebeugt und natürlich sind die Beziehungen und Nöte der Figuren so konstruiert wie nur möglich – aber alles das verzeihe ich einen Film, der darüber trotzdem nicht den (vermeintlich) leichten Weg zum Boxoffice-Erfolg wählt und dem Fisch einfach zwei Köpfe verpasst oder ihn fliegen lässt, sondern der sich halt einfach darauf verlässt, dass auch nicht gänzlich gelungene Filme Menschen finden können, die sie unterhalten; bei mir hat’s geklappt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..