FRANKENSTEINS BRAUT

Frankensteins Braut
Bride of Frankenstein | USA | 1935
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Ich weiß nicht, ob die ebenfalls von James Whale für Universal inszenierte Fortsetzung FRANKENSTEINS BRAUT (1935) besser ist als sein FRANKENSTEIN (1931). Ich weiß nur, dass beide Filme Meisterwerke des Horrorkinos sind; auch heute noch. Wenn sich die Kamera in der ersten Szene durch Blitz und Regen einem düsteren (Miniatur-)Schloss nähert, dann lacht das Horrorherz. Mary Shelley dient bei einem Treffen mit ihrem Gatten und Lord Byron als Erzählerin der Geschichte? Genial! Und auch danach liefert Whale unheimlich runde 80 Minuten Unterhaltung ab, die dem Vorgänger an Einfallsreichtum und Grusel in nichts nachstehen.

Klar, die Geschichte ist nicht sonderlich einfallreich; im Grunde wird die Leidensgeschichte der Kreatur einfach fortgesetzt, aber sie wird durch kleine Einfälle eben weiter- und nicht einfach noch mal erzählt. Der von Ernest Thesiger wundervoll diabolisch gegebene Dr. Prätorius nimmt grundsätzlich die Rolle Henry Frankensteins ein, doch ist er wirklich niederträchtig und nicht nur größenwahnsinnig. Er spielt ohne Rücksicht mit den geschaffenen Wesen, was Frankenstein retrospektiv durchaus entlastet. Der darf sich nun stattdessen in Demut üben und wird dafür am Ende auch belohnt. Prätorius „medizinisches“ Können wird übrigens durch wundervolle Tricktechnik bezeugt, wenn per Rückprojektion diverse winzige Menschlein ihre Auftritte erleben – die ähnlich wie die Dorfquasselstrippe Minnie eine gehörige Portion Humor zum Horror-Sujet hinzufügen.

Am eindringlichsten ist aber sicherlich erneut die Kreatur. Waren schon einige Szenen in FRANKENSTEIN herzzerreißend, so gilt das dieses Mal gleich für die Hälfte des Films. Greift das Wesen nämlich nach dem Brand in der Mühle in seiner Hilflosigkeit zunächst noch Menschen an, findet es danach Ruhe bei einem Eremiten, der es Sprechen und Genießen lehrt. Dieses Plädoyer für Unvoreingenommenheit wärmt wahrlich das Herz und umso mehr schmerzt es dann, wenn die Jäger aus simpler Angst und Unwissenheit wieder mit Gewalt reagieren und erneut Gegengewalt hervorrufen. So wird die Suche nach dem „Freund“ erneut verschoben, die gutgläubige Kreatur gerät an den hinterlistigen Prätorius und wird zu einem Spielball, der letztlich den Tod über (fast) alle bringt.

Dass der Filmtitel bis hierhin keine Rolle spielte, hängt übrigens schlicht und einfach damit zusammen, dass die titelgebende Dame sehr lange keine Rolle spielt. Ihre Schaffung dient erneut dazu, arme Dümmlinge zu Leichenfledderei respektive Mord aufbrechen zu lassen und eine mitternächtliche Gewitter-OP abzuhalten. Danach jedoch darf sie auf einfachste Art und Weise das Schicksal aller beschließen: durch einen Schrei. In wundervollen Bildern (das gilt im Übrigen für den gesamten Film, der in jeder Einstellung grandios aussieht) voller grellem Licht und dunkeln Schatten sehen wir ein Gesicht, dass voller Freude auf das Gesicht eines vermeintlich gleichartigen Wesens blickt. Letzteres verzerrt sich jedoch zu einer Grimasse und stößt letztlich einen panischen Schrei aus, der blankes Entsetzen offenbart. Neben allen anderen wird die Kreatur also letztlich auch von ihresgleichen zurückgewiesen – logisch, denn auch sie selbst erträgt ihr Spiegelbild im Wasser nicht. Frankenstein, Prätorius, was habt ihr bloß getan?!

6 Antworten zu “FRANKENSTEINS BRAUT

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  3. Ich wüsste auch nicht, welchen der beiden Filme ich bevorzuge. Jeder ist für sich ein Klassiker. Wo „Frankenstein“ mit den besseren Bildern punkten kann, ist die Darstellung Karloffs in der Fortsetzung noch besser, noch nuancierter. Nein, beide Filme haben 10/10 Punkten verdient.

    • Richtig,
      habe jetzt erst im Nachgang gelesen, dass Frankensteins Laboratorium in FRANKENSTEIN in anderen Kulissen gedreht wurde – kam mir doch gleich so vor, als ob seine Bude 1931 noch ein wenig düsterer respektive facettenreicher aussah …

      • Der erste Film war in seinen Bildersehr vom deutschen Stummfilm (z.B Dr. Calligari) inspiriert. Daher wohl die düsteren Kulissen und die ungewöhnlichen Kameraeinstellungen.
        Ach, müsste ich mir auch beide mal wieder ansehen. Auch Son of Frankenstein (der letzte mit Karloff als Monster) ist noch sehr zu empfehlen. Danach ging es dann allmählich bergab mit den Universal-Monstern.

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