THE BOYS FROM BRAZIL

The Boys from Brazil
The Boys from Brazil | Großbritannien/USA | 1978
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Klone von Adolf Hitler, die auf der ganzen Welt verstreut nach dem Vorbild ihres Gen-Spenders aufgezogen werden – wozu neben der übertriebenen mütterlichen Fürsorge auch der Tod der Ziehväter mit 65 Jahren gehört. Dazu werden alte Nazi-Schergen entsandt und das Alles auf Geheiß von Dr. Josef Mengele (Gregory Peck). Der einzige, der ihn stoppen kann: der in Wien lebende jüdische Nazi-Jäger Ezra Lieberman (Laurence Olivier), der diese Geschichte zunächst selbst nicht glauben kann – bis er auf die diversen herrischen Klone Hitlers stößt. Man kommt in Anbetracht dieser Synopsis nicht umher, an PLANET DER AFFEN (1968) zu denken, denn zehn Jahre nach dessen riesigen Erfolg gelingt es Franklin J. Schaffner mit THE BOYS FROM BRAZIL erneut, einen zunächst wahnwitzig erscheinenden Stoff so zu inszenieren, dass die Betrachtenden ihn bereitwillig annehmen.

Im Gegensatz zur Technik von 1968, den Betrachtenden einfach nach 20 Minuten reitende und sprechende Affen entgegenzuwerfen, baut das von Drehbuchautor Heywood Gould nach einem Roman von Ira Levin verfasste Drehbuch den Wahnwitz der Geschichte dieses Mal langsam auf. Alte Nazis in Südamerika waren eine Tatsache, ebenso das Fortleben Mengeles auf diesem Kontinent. Mordpläne überraschen bei diesem Irren auch nicht und so folgt man dem Geschehen Schritt für Schritt. Wenn dann schließlich die genial überzeichneten Hitler-Klone auftreten, steckt man schon längst so tief in der Storyline, dass einen Derartiges auch nicht mehr aussteigen lässt. Es sei bemerkt, dass dies vor allem Schaffners zutiefst ernster Inszenierung zu verdanken ist, die zwar immer mal wieder aufgebrochen wird (zum Beispiel, wenn es in Liebermanns Wiener Wohnung beständig das Wasser von der Decke läuft), die in den entscheidenden Momenten aber stets mit voller Wucht zu wirken weiß. Im Finale fallen Ernst und Wahnwitz dann grandios zusammen, wenn der Hitler-Klon seinem Schöpfer dessen irre Geschichte nicht glaubt, ihn stattdessen erschießt und Liebermann danach die Hand schüttelt.

Maßgeblichen Beitrag zum Funktionieren des Films leistet derweil die Besetzung. Gregory Peck als Mengele, Laurence Olivier als Liebermann, daneben James Mason, Lilli Palmer und Denholm Elliott. Derart namhafte Mimen in einem so augenscheinlich der Genre-Kultur verhafteten Film, das will schon was heißen. Alle nehmen sie ihre Rollen ernst, einzig Pecks Mengele übertritt immer wieder die Grenze des Overactings. Doch es sei ihm verziehen, wer wäre schon in der Lage, einen derart diabolischen Charakter nicht in irgendeiner Weise überzeichnet darzustellen?

Doch kehren wir zum Finale zurück. Einer der Klonjungen erfährt seine eigene Geschichte von Mengele und beschließt, diesen Irrsinn nicht zu glauben. In ihrer Überheblichkeit (die Jungs sind wirklich unausstehliche Bälger) beschließt die Schöpfung dann, sich gegen ihren Schöpfer zu wenden. Und durch die – im Übrigen äußerst brutale – Auslöschung Mengeles ändert der Klonjunge quasi sein eigenes Schicksal. An dieser Stelle könnte der Film schließen und der Widerwillen der „neuen Generation“ würde den gelungenen Schlussakkord bilden. Doch Schaffner lässt Lieberman diesen Akt der Befreiung honorieren, indem er die Jungen vor der Verfolgung durch eine Gruppe junger Zionisten schützt; und so lacht am Ende der Hitler-Klon über das Foto des toten Megele – und Schaffner lacht über alle, die diesen Genre-Film zu ernstnehmen. Ob es ihnen gefällt oder nicht.

3 Antworten zu “THE BOYS FROM BRAZIL

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..