DIE MUMIE

Die Mumie
The Mummy | China/Japan/USA | 2017
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Auftaktdialog strotzt nur so vor Gags und flotten Onlinern, zehn Minuten später ballert Hauptrolle und Grabräuber Nick Morton (Tom Cruise) mit einer Handfeuerwaffe auf ein frisch entdecktes ägyptisches Grab und noch ein paar Minuten später verwandelt sich sein Begleiter Chris Vail (Jake Johnson) innerhalb weniger Augenblicke in einen Zombie. Alex Kurtzmans Neuverfilmung von Karl Freunds Universal-Horror-Klassiker DIE MUMIE (1932) lässt von Beginn an keinen Zweifel daran, dass das Projekt Dark Universe (dessen geistige Väter Kurtzman und Kollege Chris Morgan sind) mit Schwung und Elan angegangen werden soll. Unter diesem Label soll(t)en die klassischen Universal-Monstren wiederbelebt werden – das eingeklammerte Präteritum lässt allerdings schon erahnen, dass DIE MUMIE nicht den erwarteten Startschuss darzustellen vermochte. Denn obwohl weltweit respektable 400 Millionen US-Dollar verbucht werden konnten, entfielen nur 80 Millionen davon auf den US-Markt; was wiederum äußerst mager ist – um die für 2019 geplante Neuverfilmung von FRANKENSTEINS BRAUT (1935) ist es folglich sehr leise geworden.

Woran liegt das? Tja, Kurtzman macht aus dem Sujet eben fröhliche Popcorn-Unterhaltung. Luftangriffe, Flugzeugabstürze, jeden Menge Rückblenden und Visionen. Das ist alles nett anzusehen, reicht aber über belanglose Unterhaltung zu keinem Zeitpunkt hinaus. Tom Cruise denkt scheinbar er wäre in einer Komödie gelandet, sein Gegenüber Annabelle Wallis hält das Ganze für eine RomCom. Auch Sofia Boutella erreicht als mumifizierte Prinzessin Ahmanet bestenfalls Durchschnittsniveau und so fühlt sich der Streifen durchgängig wie ein kleiner B-Fantasy-Actioner an. Die willkürlichen CGI-Monster-Horden und der Umstand, dass nach dem Flugzeugabsturz bis auch ein paar Visionen Nicks quasi nichts Neues mehr passiert, untermauern diesen Eindruck.

Einige Lichtblicke gibt es aber doch: Russell Crowe ist in der Rolle der Dr. Jekyll erfrischend offensiv, auch wenn er ziemlichen Blödsinn verzapft. Sein Wandel zu Mr. Hyde weiß zu gefallen und öffnet ein interessantes Türchen für die weiteren Filme des Dark Universe. Überhaupt ist Jekylls Hauptquartier und Firma der einzige ernsthafte Versuch, so etwas wie ein Universum, eine eigene Welt zu errichten, die größer ist als ein einziges Abenteuer. Ansonsten freut mich – als bekennendem Freund der 1999er-Version von DIE MUMIE von Stephen Sommers natürlich die kleine Anspielung mit dem Buch der Toten in der Bibliothek.

Leider endet Kurtzmans Film dann genauso Popcorn-belanglos, wie er sich auch zuvor gibt. Zwar gibt Nick im Finale seine Menschlichkeit her, um seine Geliebten das Leben zu schenken – ein Geschehnis, das vom Doktor auch gebührt umfangreich kommentiert wird –, doch sofort darauf eiert er dann mitsamt seinem wiederbelebten Kollegen Vail erneut durch die Wüste. Der Kreis schließt sich und passiert ist eigentlich nichts.

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