HEAT

Heat
Heat | USA | 1995
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Schon SHOWDOWN IN L.A. war trotz seiner eingeschränkten Möglichkeiten ein richtig unterhaltsamer Thriller. Kein Wunder, dass Michael Mann das Ding sechs Jahre später neuauflegte; mit mehr Mitteln, (noch) tolleren Schauspielenden und vor allem mehr Drumherum. Denn im Kern bleibt die Geschichte erneut ein höchst simple: Neil McCauley (Robert De Niro) ist Chef einer Gangsterbande, die einen geschickten Raub nach dem nächsten begeht. Vincent Hanna (Al Pacino) ist ein perfektionistischer Cop, der McCauley dicht auf den Fersen ist. Der Clou: beide Charaktere sind sich unheimlich ähnlich, was sie schließlich sogar in einem persönlichen Aufeinandertreffen feststellen müssen.

Was macht aus dem gelungenen SHOWDOWN IN L.A. nun das Meisterwerk HEAT? Es ist vor allem das oben erwähnte Drumherum. Mann füllt seinen Film mit unzähligen kleinen Handlungsfäden und -schnipseln und macht ihn so äußerst tief und glaubwürdig. Dass Vincents Tochter Suizid begeht, Val Kilmers Chris Shiherlis sich ständig mit seiner Frau zofft oder Vincents Frau Justine ihren Lover Ralph (gegeben vom 1989er-Waingro Xander Berkeley) anschleppt sind allesamt Belanglosigkeiten, die die Welt und ihre Figuren allerdings mit Leben füllen. Es ist Manns genialer Inszenierung zu verdanken, dass der Film unter der Vielzahl an Szenen, Figuren und Plots niemals ächzt, sondern stets seinen Rhythmus (die knapp 180 Minuten vergehen wie im Flug) beibehält.

Und im Zentrum dieses Rhythmus‘ stehen natürlich Al Pacino und Robert De Niro. Pacinos Vincent Hanna fällt dabei noch rauer und unberechenbarer aus als Scott Planks Version von 1989. Der Wahnsinn ist ihm in den Blick geschrieben und man fühlt mit Justine, wenn sie feststellt, dass „Vincent nicht mit ihr lebt“. Sein Leben ist die Jagd, die Suche, der nächste Fall: also Robert De Niro. Dessen Neil McCauley gewinnt im Gegensatz zu Alex McArthurs Darbietung sechs Jahre zuvor noch mal deutlich an Sympathie hinzu. Während der seine Frau nämlich noch betrog, findet Neil in Eady jetzt wirkliche Liebe, für die er sogar seinen Beruf und sein Credo, „sich niemals an etwas zu hängen, das du nicht innerhalb von 30 Sekunden problemlos wieder vergessen kannst, wenn du merkst, dass dir der Boden zu heiß wird“, aufzugeben bereit ist. Er betrügt keine Frau und sitzt ohne Eady alleine im Kreise seiner mit Familien ausgestatteten Gangsterkollegen am Tisch. Klar, dass das legendäre Aufeinandertreffen dieser beiden im Diner zu den großen Momenten des Hollywood-Kinos der 90er Jahre zählt. Während die beiden Hauptfiguren also erneut parallel mit ihren persönlichen Problemen ringen und sich darin ähnlicher und ähnlicher werden, ist es der von Kevin Gages gegebene Psycho Waingro, der ohne Beziehungsstress das große Arschloch des Films sein darf.

Es ist insofern Geschmackssache, ob einem das Ende von HEAT oder das von SHOWDOWN IN L.A. besser gefällt. In meinen bescheidenen Augen ist die Tötung des „Bösen“ durch den „Verrückten“ ein deutlich gefühlvollerer Umgang mit der Beziehung zwischen Gut und Böse, als die direkte Konfrontation mit Todesfolge. Klar, da die Bereitschaft, sich gegenseitig zu töten, schon im Diner angekündigt wird, ist sie hier folgerichtig, vielleicht ist sie auch dramatischer, aber ich kann mit einem bedauerten Tod in den Armem des Widersachers besser leben als mit einem finalen Handshake im Augenblick des Todes.

Ebenfalls erstaunlich ist es, dass Mann die finale Jagd erneut mit einem Hospital-Besuch unterbricht. Auch wenn dieser inhaltlich wie erwähnt Sinn stiftet, da Laurens Suizidversuch Vincents und Justines Beziehung noch einen Hoffnungsschimmer verleiht, erweist er sich doch – wie schon eine ganz ähnliche Situation 1989 – als etwas bremsend. Dies sei allerdings die einzige kleine Kritik an diesem ansonsten durch und durch perfekten Thriller-Vehikel. Der Schlusspunkt: Nicht nur inhaltlich und strukturell legt Mann hier die Latte ziemlich hoch, er etabliert zusammen mit Kameramann Dante Spinotti auch einen L.A.-Look, der zahlreiche Filmemacher in den nächsten Jahren beeinflussen sollte. Hut ab, Michael!

4 Antworten zu “HEAT

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