IN EINEM SATTEL MIT DEM TOD

In einem Sattel mit dem Tod
Hannie Caulder | Großbritannien | 1971
IMDb, OFDb, Schnittberichte

IN EINEM SATTEL MIT DEM TOD ist eine britische Western-Produktion. So weit, so selten. Der US-amerikanische Regisseur Burt Kennedy fand als John Waynes Protegé den Weg zum (US-)Western und lieferte in diesem Metier rund ein Dutzend Arbeiten ab. Dieser für die Tigon British Film Productions entstandene Film nimmt dabei eine Sonderrolle ein, gehört er doch zu den wenigen Arbeiten, in denen eine Frau nicht nur damsel in distress oder love interest ist, sondern Hauptfigur. Leider zeigt der Streifen aber auch überdeutlich, dass die Emanzipation der Frau zu Beginn der 1970er Jahre (zumindest in den Sphären des Filmwesens) noch nicht so weit fortgeschritten war, wie man in Anbetracht dieses Rahmenkonzepts hätten denken können.

Dabei bereitet Kennedy zu Beginn des Films eigentlich alles geschickt vor: Die drei Clemens-Brüder, Rufus (Strother Martin), Frank (Jack Elam) und Emmett (Ernest Borgnine), überfallen Hannie Caulders (Raquel Welsh) Ranch, töten ihren Mann und vergewaltigen sie. In einem Shot, der den Leichnam, das brennende Haus und die verstörte Hannie zeigt, vereint Kennedy das geschehene Unrecht. Nach der notdürftigen Bestattung ihres Ehemannes greift Hannie, nur bekleidet mit einem Poncho, zur Winchester und geht vom Hof. Alles ist für die toughe Rache bereitet …

Doch dann trifft sie den von Robert Culp gespielten Kopfgeldjäger Thomas Luther Price und wird gleich wieder in die Rolle der hilflosen Frau gedrängt. Es folgt eine ewig lange Entwicklung hin zur geschickten Schützin, die ihr ohne die Hilfe Thomas‘ niemals möglich gewesen wäre. Zwar entwickelt sich nicht wirklich eine romantische Beziehung zwischen den beiden, händchenhaltend durch den Sonnenuntergang wird aber trotzdem spaziert. Unterschlupf finden die beiden übrigens bei dem von Christopher Lee gegebenen Büchsenmacher Bailey, der an der mexikanischen Küste haust und sich vor allem durch denen Drang, viele Kinder zu zeugen, auszeichnet. Das sieht man auch nicht alle Tage. Erst mit Thomas‘ Tod wird Hannie dann endlich zur starken Heroine, die den diversen Kerlen coole Sprüche um die Ohren haut und die Clemens Brüder blutig zur Strecke bringt. Man verstehe mich nicht falsch: eine gewisse Entwicklungszeit vom gebrochenen Mädchen zur selbstbewussten Heldin ist richtig und wichtig, aber Hannie bleibt in meinen Augen zu lange Objekt des Schutzes denn Subjekt des Handelns. Und das dicke Ende kommt ja erst noch: Im in einer charmanten verlassenen Station stattfindenden Schusswechsel bedarf Hannie letztlich der Hilfe eines zuvor nur 30 Sekunden auftretenden namenlosen Mannes, der ansonsten völlig belanglos für die Geschichte bleibt. Dieser augenscheinlich für die Gesamtheit des männlichen Geschlechts stehende Typ macht ihre Entwicklung letztlich wieder obsolet; am Ende muss dem Mädel halt doch wieder geholfen werden, au backe!

Abgesehen von dieser Kritik an der Aussage des Films sei aber noch erwähnt, dass Burt Kennedy einen formal gelungenen europäischen Western abliefert, der sich klar an den italienischen Zeitgenossen orientiert. Es gibt auffällig blutige Schießereien, an denen fast immer verruchte und durchtriebene Charaktere beteiligt sind. Die drei Clemens Brothers erfüllen den Part der comic reliefs und erhalten dafür auch eine ordentlich kalauernde Synchronisation. Almeria bietet den passenden Hintergrund für das alles und der renommierte Kameramann Edward Scaife fängt das auch trefflich ein. Wenn man den Film als Zeitdokument versteht, dann ist das also alles ohne weiteres zu genießen, auch wenn die eingenommene Haltung aus heutiger Sicht maßlos inkonsequent wirkt.

4 Antworten zu “IN EINEM SATTEL MIT DEM TOD

  1. Scheint ein Teilen ein durchaus „anderer“ Western zu sein. Die Besetzung hört sich auch vielversprechend an und wirklich negatives Lese ich aus deinem Beitrag auch nicht eben heraus. Könnte eine lohnende Investition sein. Aber ich schau erst mal, ob es den Film bei Amazon Prime gibt☺️

    • Naja, die Anlage der „starken Frau“ Hannie finde ich schon schwierig und letztlich inkonsequent. Ändert aber nichts daran, dass der Film als Zeitzeugnis interessant und in seiner Konzeption relativ eigenständig ist.
      Bin auf deine Einschätzung gespannt.

      • Das hast du gut beschrieben. Heute hat man eben eine differenzierte Sichtweise auf viele Dinge.
        Die BR habe ich mir grad mal zum Schnäppchenpreis bestellt. 😊

  2. Wie versprochen, mein Fazit nach Sichtung des Films: Ein durchaus gelungener Western, mit vielen typischen Versatzstücken der italienischen Vorbilder, aber auch einigen netten Abwandlungen vom Schema F. Der Charakter der Hanni entwickelt sich zwar einigermassen langsam, aber dafür hat die die toughe Killerin am Ende doch überzeugt. Schwach fand ich Robert Culp, der als Kopfgeldjäger („Prämienjäger“) vollkommen unglaubwürdig ist.
    Und die deutsche Sprachfasssung….Na ja, das war evtl. in den 1970ern witzig…Heute nervt es an einigen Stellen doch sehr.

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