LEISE TÖTEN DIE SPIONE

Leise töten die Spione
Le spie uccidono in silenzio | Frankreich/Italien/Spanien | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Mario Caianos Karriere ist so ein wenig die Blaupause des italienischen Genre-Regisseurs: über rund 40 Jahre hinweg hangelte er sich von Sandalenfilmen über Western- und Eurospy-Schinken zum Giallo, der dann dem Poliziesco weichen musste, bevor diverse Wiederbelebungsversuche des Horrorfilms seine Regiekarriere beschlossen. Von der deutschen Wikipedia heute zum „verlässlichen Handwerker“ degradiert, muss tatsächlich konstatiert werden, dass wohl keines der Werke Caianos als herausragend in seinem Genre zu bezeichnen ist. Immerhin sein Poliziesco DIE LETZTE RECHNUNG SCHREIBT DER TOD (1976) bleibt aufgrund der für das Genre ungewöhnlichen Fixierung auf die Gesetzesbrecher noch recht deutlich in Erinnerung. Und irgendwie muss man auch LEISE TÖTEN DIE SPIONE, seinem einzigen Eurospy-Beitrag, eine bestenfalls durchschnittliche Leistung attestieren.

Das liegt zu einem nicht unerheblichen Teil am überaus flapsigen Lang Jeffries (der nur ein Jahr später in PERRY RHODAN – SOS AUS DEM WELTALL (1967) in den Weltenraum düste) in der Rolle des Secret-Service-Agenten Michael Drum. Der pöbelt von Beginn an recht platt umher und verspielt so schon früh jede Chance auf Charme, den seine Genrekollegen trotz Sexismus und Chauvinismus häufig zu erlangen vermögen. Anstatt eine fremde Schönheit zwecks Mitfahrgelegenheit galant zu bezirzen, reißt ihr ein Mr. Drum einfach die Autoschlüssel aus der Hand und erklärt „Ich fahre“. Aha. Folgerichtig ist das Techtelmechtel mit Emma Danieli, die ihren größten Auftritt neben Vincent Price in THE LAST MAN ON EARTH (1964) hatte, dann auch mehr Zufall als Absicht – und folgerichtig bleibt selbiges auch uninspiriert und dient lediglich als Aufhänger fürs Finale.

Auch bezüglich des Antagonisten sieht der Streifen nicht wirklich rosig aus – und das ist wegen der alten Agentenfilmregel, ein Film dieses Genres ist nur so gut wie sein Bösewicht, äußerst schmerzlich. Caiano versucht sich eine Zeitlang daran, die Identität des Schurken geheim zu halten, obgleich er Andrea Bosics Rashid von Beginn an deutlich als wahrscheinlichen Konterpart des Agenten zeichnet. Und der ist es dann – Überraschung! – auch. Rashids Mittel der Wahl zur Erlangung der „absoluten Diktatur“ sind dann sowohl eine willensbrechende Droge als auch ein ebenso wirkender Energiestrahl. Das was, wie und woher spielt dabei keine Rolle, es ist für Rashid und Co. scheinbar keine Schwierigkeit, derlei zu bewerkstelligen (auch der Secret Service entwickelt das Gegengift übrigens innerhalb von fünf Minuten, Hut ab!). Stattdessen dürfen wir dem Agenten Drum ellenlang dabei zusehen, wie er Drogen verabreicht bekommt, Gegengift nimmt, wieder Drogen bekommt und wieder Gegengift erhält. Das Ganze verteilt Caiano dann auch noch auf die Schauplätze Beirut, London und Madrid, wobei er sein gesamtes Personal teils im Minutentakt zwischen diesen Handlungsorten wechseln lässt.

Und trotzdem: auch LEISE TÖTEN DIE SPIONE versprüht in seinen besten Momenten jenes Flair, welches mir das Eurospy-Genre so lieb hat werden lassen. Gleich zu Beginn entführt der Film seine Betrachtenden in ein intaktes, weltoffenes Beirut mit modernen Hotels und Autos, welches ebenjenes mondäne Feeling versprüht, welches Agenten die perfekte Bühne bietet. Und selbst wenn Rashids Plan generisch und inspirationslos ist, so sieht es doch immer super aus, wenn Bösewichte skurrile Laserwaffen in Forschungsräumen tief unter der Erde horten. Namenlose Angestellte, strebenverstärkte Gänge und eiskalte Handlager rund jenes Set ab, zu dem auch Agenten-Gadgets und moderne Fortbewegungsmittel gehören. Es ist schlicht eine Welt, in der das Böse noch abgehoben, exzentrisch und unlogisch sein konnte. Es ist die wundersame Agentenwelt der 60er Jahre. Und LEISE TÖTEN DIE SPIONE gehört – trotz deutlicher Mankos – auch zu dieser Welt.

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