DAS OMEN DES BÖSEN

Das Omen des Bösen
Jiang Tou | Hongkong | 1975
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Xu Nuo (Ti Lung) liebt seine Freundin Quming (Tien Ni) abgöttisch. Da kann auch seine Chefin Luo Yin (Lily Li) trotz großer Bemühungen nichts dran ändern. Als Luo Yin allerdings ihrerseits von Verehrer Jiajie (Lo Lieh) mittels eines Liebeszaubers in die Kiste befördert wird, eröffnet sich doch eine Möglichkeit: Luo Yin sucht ebenfalls den im Wald lebenden Zauberer Shian Mei (Ku Feng) auf und einen Liebstrunk für Xu Nuo zu erhalten.

1974 entstand aus der Zusammenarbeit der gleichsam im Sinkflug befindlichen britischen Hammer Studios und aus Hongkong stammenden Shaw Brothers DIE SIEBEN GOLDENEN VAMPIRE. Die Mixtur aus klassischen Horror und Eastern-Elementen sollte die ausformulierten Genregrenzen aufheben und beiden Studios neuen Erfolg bescheren. Dass das nicht klappt, ist hinlänglich bekannt, allerdings sollte die Saat des Horrors bei den Shaw Brothers in den nächsten Jahren doch noch ein kleines Pflänzchen entstehen lassen. Eine Riege aus rund 15 Horror- oder Black Magic-Filmen erschien zwischen 1975 und 1983 und beeindruckte vor allem mit simplen Geschichten und geschmacklosen Ideen. Ho Meng-Huas DAS OMEN DES BÖSEN ist der Auftakt dieser kurzen Geschichte des Shaw-Horrors.

Shian Mei: Sobald der Finger anfängt zu verwesen, ist unsere Zeit gekommen und der Liebeszauber fängt an zu wirken.

Die denkbar einfache Geschichte ist dabei schon nach wenigen Minuten erschöpfend dargelegt. Allerlei böse Menschen versuchen sich der dunklen Kräfte zu bedienen, um sich andere Menschen sexuell oder emotional zu Willen zu machen. Shaw-Ikone Lily Li sticht dabei als lüsterne Intrigantin heraus. Die Seite der Guten kennt nur das holde Pärchen Xu Nuo und Quming, deren Integrität und Opferbereitschaft zu keiner Sekunde in Zweifel stehen; so würdigt Xu Nuo die hübsche und gutsituierte Luo Yin beispielsweise keines Blickes. Es ist diese starre Konstellation, die dem Film inhaltlich jeden Drive abgehen lässt. Zenit dieser festgefahrenen Situation ist der gute Magier, der von Anfang an klar als unbesiegbar stark eingeführt wird. Es gibt also de facto kaum ein echtes Risiko, im Endeffekt biegt der Super-Opa ohnehin alles wieder zurecht.

Auch das eigentliche Zentrum dieses filmischen Vorhabens wird schon in der Exposition klar markiert: Wenn ein Schwarzmagier da eine Portion Quark im Schritt einer Kundin platziert, bevor er einen Kopf auf einem Bett auf frisch geschnittener Haut grillt, ist klar, wo der Hase langläuft. So sind es dann auch im Folgenden die Zauber-Szenen, die von Ho Meng-Huas mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht werden. Stets von immenser Kakophonie begleitet, gibt es allerlei absurde Praktiken zu bestaunen, die den Zuschauenden möglichst den Magen verdrehen sollen. Damen werden um ihre Milch beraubt, Würmer winden sich unter der Haut von Patienten und einer Leiche wird gar das Kinn mittels einer Kerze abgeschmolzen. Einem Herrn mit Schädelbruch wird gleich der ganze Kopf aufgeschnitten und das meiste davon passiert unter den starrenden Augen von Ku Feng.

Shian Mei: Bald ist der dritte Tag, spürst du schon was in deinen Brüsten?

Der gibt nämlich den fiesen Zauberer Shian Mei, der hier gleich eine Doppelrolle bekleidet. Zum einen ist er der das Begehrte verheißende Magier, der dafür freilich immer auch einen Teil der Seele der Bittstellenden an sich reißt. So weit, so gut. Auf der anderen Seite ist er aber auch der listige Lüstling, der sich selber in das Bett seiner Kundinnen zu manövrieren versucht. Mit seiner albernen Perücke und seinem eher verschrobenen Auftreten entsteht so eine außerordentlich irritierende Figur; und diese hat es dann natürlich auch verdient, im Finale mitzuwirken. Selbiges findet auf dem Dach eines im Bau befindlichen Hochhaus statt und umfasst unter anderem ein Kranmodell, einen Gummikopf mit Schlangenbesatz, diverse Blitz und kostengünstige Effekte und ein sehr voraussehbares Ende – schließt den Streifen also sehr stimmig ab.

Der erste Shaw‑Horror steckt gleich die Leitplanken für die nächsten Jahre ab: simple Geschichten garniert mit teils absurden, teils ekligen Zeremonien und Effekten. Als gedankenlose Unterhaltung ist das somit allemal funktional.

2 Antworten zu “DAS OMEN DES BÖSEN

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