DIE GRAUSAMEN SIEBEN

Die grausamen Sieben
The Savage Seven | USA | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Kisum (Adam Roarke) und seine Bande fallen in ein abgelegenes Dorf ein und geraten mit den dort lebenden Angehörigen der indigenen Bevölkerung in Streit. Noch während sich Kisum mit Johnnie (Robert Walker Jr.) prügelt, platzt der Geschäftemacher Fillmore (Mel Berger) herein, der das Dörfchen im finanziellen Klammergriff hält. Eigentlich könnten sich die Kontrahenten nun zusammenschließen, stünde nicht Marcia (Joanna Frank), Johnnies Schwester, zwischen ihnen.

Regisseur Richard Rush hatte mit DIE WILDEN SCHLÄGER VON SAN FRANCISCO (1967) gerade einen durchschnittlichen Beitrag zu Bikerfilm abgeliefert (in dem es immerhin schon Adam Roarke und Jack Nicholson zu sehen gab), bevor er sich mit Produzent Dick Clark darauf einigte, die Mittel für sein Herzensprojekt PSYCH-OUT (1968), ebenfalls mit Nicholson und Roarke, zu bekommen, wenn er dafür einen weiteren Beitrag zum Feuerstuhl-Genre abliefern würde. Gesagt, getan, und mit DIE GRAUSAMEN SIEBEN (dieses Mal nur noch mit Roarke) tauchte Rush 1968 zum zweiten Mal in die Welt der Lederjacken und Mopeds ein, in der vor allem gesoffen, gejohlt und gepöbelt wird.

Kisum: Als dein Bruder gesagt hat, dass du mit mir reden willst, da dachte ich, dass du nicht nur mit mir reden willst.

Doch halt, diese zugegeben etwas zu reduzierte Beschreibung des Bikerfilms trifft auf DIE GRAUMSAMEN SIEBEN (Hallo Kuroswa! Hallo Sturges!) eigentlich gar nicht zu. Denn wo die Genrekollegen sich gerne auf Freiheit und Roadmovie-ness berufen und ihre Protagonisten dann in ellenlangen Sequenzen durch Kalifornien oder Nevada gurken lassen, versucht sich Rush dieses Mal an einer Geschichte und einem Konflikt. Adam Roarkes Kisum ist eigentlich kein schlechter Kerl, muss sich als Chef seines Motorradclubs aber so gebärden. Sein Sinn für Freiheit lässt ihn dann den Robin Hood mimen und Nahrungsmittel verteilen, sein Sinn für das Außenseitertum lässt ihn in seiner Beziehung zu Joanna Franks Marcia immer wieder scheitern.

Dazu kommt dann noch der Umstand, dass deren Bruder Johnnie Blauauge (Robert Walker Jr. als indigener Einwohner Amerikas) dies nicht befürwortet und diese ebenfalls fruchtbare Beziehung stark darunter leidet. Leider ist der Konflikt dann auch der Freifahrtschein für rassistisches Gepöbel, welches in seiner Überhöhung bisweilen satirische Züge annimmt, viel zu oft aber die Stimmung bremst. Gegner von Kisum und Johnnie ist der von Mel Berger mit sichtbarer Freude gemimt Halunke Fillmore, der allerdings über das Abziehbild des moralbefreiten Kapitalisten nicht hinauskommt. Und auch der Umstand, dass Rocker und Dorfbewohner auch noch im (durchaus etwas zu langen) Finale gegeneinander kämpfen, lässt einen entscheidenden Erkenntnisgewinn seitens der Protagonisten vermissen.

Typ: Hey, Junge, du hast gerade meine Braut vollgegöbelt!
Kerl: Oh, tut mir leid.
Typ: Ach, macht nichts!

Damit das alles aber nicht zu gedankenschwanger klingt, sei erwähnt: natürlich wird in Rushs Film auch Moped gefahren, gesoffen und gepöbelt. Es gibt Sex, Vergewaltigungen und hier und da wird auch mal etwas kaputtgehauen. Im Finale gibt es Motorradstunts in irritierender Menge (warum hüpfen die nach zehn Minuten immer noch mit ihren Vehikeln in das Städtchen hinein?) und zwischendurch kommt es sogar zu Morden. Flotte Musik gibt es auch noch, sodass eigentlich an alle Genrekriterien ein Häkchen gesetzt werden kann.

Rushs zweiter Genrebeitrag hat den großen Pluspunkt, dem Grundgerüst Bikerfilm eine ordentliche Portion Western hinzuzufügen. Das hebt ihn durchaus deutlich aus dem Gros des Genres hervor.

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