SHERLOCK HOLMES

Sherlock Holmes
Sherlock Holmes | Deutschland/USA | 2009
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Lord Henry Blackwood (Mark Strong) wird des Mordes für schuldig befunden und gehängt. Doch wenige Tage später ersteht er von den Toten auf und versetzt London in Angst und Schrecken. Die einzigen, die am übernatürlichen Charakter der Auferstehung zweifeln sind der berühmte Detektiv Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) und sein getreuer Freund Dr. John Watson (Jude Law). Zusammen mit der zwielichtigen Irene Adler (Rachel McAdams) begeben sie sich an die Aufklärung des Sachverhalts.

Es vermag schon zu erstaunen, dass der nach Filmen wie BUBE, DAME, KÖNIG, GRAS (1998), SNATCH – SCHWEINE UND DIAMANTEN (2000), REVOLVER (2005) und ROCKNROLLA (2008) eigentlich auf Gangster-Komödien gebuchte Guy Ritchie plötzlich das Lager wechselt und einem der berühmtesten Verbrechensbekämpfer zu neuem Leinwand-Glanz verhilft. Aber letztlich ist es ja egal, auf welcher Seite des Gesetzes eine Hauptfigur steht; solange sie Humor und Charme zeigt, fliegen ihr die Herzen der Zuschauenden ohnehin zu. Und mit Robert Downey Jr., dessen Karriere seit Jon Favreaus IRON MAN (2008) bekanntlich durch die Decke ging, ist diese Hauptfigur derart trefflich besetzt, dass es Ritchie zu keinem Zeitpunkt schwerfällt, seine Zuschauenden dieses Mal an die Seite des Gesetzeshüters zu stellen.

Holmes: Nichts ist trügerischer als eine offensichtliche Tatsache.

Downey spielt Arthur Conan Doyles Meisterdetektiv mit großem Verve und legt ihn irgendwo zwischen Arroganz, Nihilismus und Tollpatschigkeit an. Auch wenn einzelne dieser Eigenschaften an Downeys Auftritte in IRON MAN oder Johnny Depps in der PIRATES OF THE CARIBBEAN-Reihe erinnern mögen, so ist deren Verquickung doch erfrischend genug, um gut zu unterhalten. Eine große Hilfe ist ihm dabei auch Jude Law, der als Watson ebenso glänzt wie Downey. Erst ihr Zusammenwirken lässt die Facetten der beiden Figuren wirklich deutlich werden. Das gilt für Rachel McAdams Irene leider nur bedingt. Zwar wird sie als starke Figur mit geheimnisvollen Motiven eingeführt, entwickelt sich aber im Laufe der Geschichte immer mehr zum hilflosen Love-Interest, welches letztlich mehrfach von den Helden gerettet werden muss.

Der Anlass für Holmes‘ und Watsons Ermittlungen ist eine recht launige Geschichte rund um den trickreichen und von Ritchie-Stammschauspieler Mark Strong abgrundtief böse dargestellten Antagonisten Lord Blackwood, der sich eine Aura des Übernatürlichen zu erschaffen versucht. Da der Film aber von Anfang an keinen Zweifel daran lässt, dass in seiner Welt nichts Übernatürliches existiert (einige Betrügereien werden auf Metaebenen aufgelöst), sind die Betrachtenden über fast die gesamte Spielzeit hinweg dazu eingeladen, mitzurätseln. Kleinere Auflösungen lässt Ritchie dabei immer wieder durchsickern, dass große Ganze wird allerdings erst nach dem Finale offenbar. Dank guten Timings und einer flotten Inszenierung hält diese Mischung aus Komödie, Action und Rätselraten erstaunlich gut bei der Stange und erlaubt sich quasi keinerlei Längen.

Holmes: Stagnation macht meinen Geist rebellisch! Geben Sie mir Probleme, geben Sie mir Arbeit!

Dabei trägt freilich auch der großartige Look des Films seinen Teil bei. Klar gibt es einiges an Greenscreens und CGI-Krempel, aber stets sind in den Szenen auch echte Kostüme und Innenräume zu sehen. Das alles verbindet das Effekt-Team zu einer ansprechenden Mischung, die einen problemlos in das London des späten 19. Jahrhunderts entführt: die Schlote der unzähligen Fabriken verpesten die Luft, auf der Themse drängeln sich die Lastenkähne und die armen Weggefährten Oliver Twists wuseln zwischen den blickdicht verschlossenen Kutschen der Oberschicht umher. Das Ganze wird mit einem Hauch Steampunk abgerundet und von Hans Zimmers äußerst trefflichen Kompositionen untermalt.

Kein Meisterwerk, aber alles in allem wirklich unterhaltsames Blockbuster-Kino.

4 Antworten zu “SHERLOCK HOLMES

  1. Ja,den fand ich auch sehr gelungen. Temporeich, witzig und ohne Längen. Besonders beeindruckt hat mich das Setting, auch wenn London hier wohl ganz überwiegend am Rechner entstanden ist. Das viktorianische Zeitalter wurde gut eingefangen, so dass man sich manchmal an die guten alten Filme aus dem Hause Hammer erinnert fühlte.
    Teil 2 fällt da aus meiner Sicht schon wieder ganz stark ab. Leider.

    • „man sich manchmal an die guten alten Filme aus dem Hause Hammer erinnert fühlte“ – zumindest in mancher Straßen- und Hinterhofszene hatte ich auch den EInruck, tatsächlich.

      „Teil 2 fällt da aus meiner Sicht schon wieder ganz stark ab“ – den guck ich mir die Tage mal an, aber diese Einschätzung habe ich schon öfter gehört.

      Grüße!

      • Na, das bin ich froh, dass ich dich mit meiner Einschätzung zu Teil 2 nicht zu sehr beeinflusst habe….. Ich lasse mich (leider) von sowas ab und an gern mal ein wenig beeinflussen….

        VG retour…..

  2. Pingback: SHERLOCK HOLMES – SPIEL IM SCHATTEN | SPLATTERTRASH·

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