DIE REISE ZUM MOND

Die Reise zum Mond
Le voyage dans la lune | Frankreich | 1902
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Professor Barbenfouillis (Georges Méliès) hat eine großartige Idee: Er möchte eine Kapsel mittels einer riesigen Kanone auf den Mond schießen. Gesagt, getan, und schon finden sich Barbenfouillis und fünf Begleiter auf dem Erdtrabanten wieder und erforschen fremde Gegenden, Pflanzen und Wesen.

Der französische Zauberkünstler, Theaterbesitzer und Freigeist Georges Méliès sah in der gerade entstehenden Filmkunst vor allem eines: eine Möglichkeit, seiner Fantasie noch viel freieren Lauf zu lassen, als er es auf Bühnen und in sonstigen Shows zu tun pflegte. Film sollte in Méliès‘ Augen nicht nur die Realität möglichst getreu abbilden (obwohl auch er sich auf dem dokumentarischen Gebiet der Aktualitätenfilme betätigte), sondern auch phantastischen Ideen und märchenhaften Sujets Raum bieten. So finden sich unter seinen rund 200 erhaltenen Werken (die tatsächliche Zahl seiner fertiggestellten Filme liegt wohl irgendwo zwischen 500 und 600) überwiegend dem Phantastischem zuzuordnende Titel.
Die von Jules Vernes Von der Erde zum Mond und H. G. Wells‘ Die ersten Menschen auf dem Mond inspirierte Geschichte fällt dabei durchaus einfach aus, offenbart bei näherem Hinsehen aber allerlei Elemente, die auf Zeitgeist und Vorstellungen der Schaffenden schließen lassen. In einer Zeit, in der Raumfahrt den Menschen noch gänzlich unvorstellbar war, betreten die Astronauten ihr Fahrzeug in Alltagkleidung und laufen in ebensolcher auf dem Mond umher. Dort gedeihen allerlei verrückte Pflanzen und eine Lebensform, die tanzend kämpft und mittels einfallsreicher Kleidung einiges an Exotik erlangt. Vollends Bahn bricht sich die herrschende Naivität dann, wenn einer der Raumreisenden die Flugkapsel am Ende einfach über eine Klippe zieht, um mit ihr zurück auf die Erde zu fallen – einen Mondbewohner am Äußeren der Kapsel mit sich ziehend.
Doch auch um klare Bekenntnisse zum Phantastischen ist Méliès nicht verlegen. Schon zum Auftakt verwandeln sich die Fernrohre der Forscher in Stühle, was zusammen mit ihren Zauberhüten gleichenden Kopfbedeckungen und dem Schlossambiente magische Begabungen nahelegt. Auf dem Mond verwandelt einer der Gelehrten dann mal eben seinen Regenschirm in einen riesigen Pilz. Der deutlichste Ausbruch ist aber wohl das berühmte Mondgesicht, welches zwischen Start und Landung der Kapsel zu sehen ist. Hier begibt sich Méliès ins Reich der märchenhaften Ikonographie und zeigt seinen Betrachtenden den Mann im Mond.
Neben diesen charmanten Ideen ist es aber vor allem die tricktechnische Raffinesse, die DIE REISE ZUM MOND so berühmt und so wichtig macht. Waren schon Méliès Bühnenstücke gespickt mit Pyrotechnik und allerlei Tricks, konnte er dieses Wissen bei seinen Filmen vollends ausnutzen. Zwar sind die einzelnen Szenen stets als Bühnenbild zu erkennen, aber mittels einer frühen Art der Rückprojektion und verschiedenen Techniken, mehrere Bildausschnitte zu kombinieren, gelingt es dem Streifen trotzdem, immer wieder für erstaunlich überzeugte Effekte zu sorgen. Zusammen mit den zwar wenig realistischen, dafür aber umso liebevolleren Bühnenbildern entsteht ein Look, der einen auch heute noch ohne Probleme in seine Welt entführt.

Nicht dokumentieren, sondern fantasieren! Getreu diesem Motto schuf Georges Méliès 1902 einen Film, der auch heute nichts an Charme oder Faszination eingebüßt hat. Im Gegenteil!

Eine Antwort zu “DIE REISE ZUM MOND

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