WAYNE’S WORLD

Wayne’s World
Wayne’s World | USA | 1992
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Wayne Campbell (Mike Myers) und sein Kumpel Garth Algar (Dana Carvey) produzieren in ihrem Keller eine Fernsehsendung, die die Jugend von Aurora, einem Vorort von Chicago, in ihren Bann schlägt. Der findige Geschäftsmann Benjamin Oliver (Rob Lowe) möchte die Sendung an sich reißen und sie zu einer Werbeveranstaltung für den Spielhallenbetreiber Noah Vanderhoff (Brian Doyle-Murray) machen – und schlimmer noch: er umwirbt auch Waynes neue Freundin Cassandra (Tia Carrere).

Es gibt Filme, die nur funktionieren, wenn der Zuschauer einen Zugang zu gewissen Ebenen in ihnen findet. Ein vor mir sehr geschätzter Filmrezensent beschrieb das vor einiger Zeit sehr treffend, indem er sein Erstaunen über den Umstand schilderte, dass ein an und für sich langweiliger Streifen über ein gekidnapptes Kind ihn unheimlich mitnahm; der einfache Grund dafür war natürlich der kürzlich auf die Welt gekommene Nachwuchs des Rezensenten. Und genauso braucht es auch einige Grundlagen, um Penelope Spheeris‘ WAYNE’S WORLD wirklich (be)greifen und genießen zu können.

Garth: Wenn ich drei Wünsche frei hätte, hätte ich einen, aber den dreimal hintereinander.

Am dienlichsten ist wohl ein Geburtsdatum, das irgendwo zwischen 1970 und 1990 liegt. Dieser Generation erschließen sich nämlich zahlreiche Grundlagen der Welt, in der sich Wayne und Garth bewegen, ganz von selbst. Band-T-Shirts, Kellerwohnungen, das Fernseher als kommunikativer Fixpunkt, lange Haare und pubertäre Witze werden sind da plötzlich eine Selbstverständlichkeit; die Außenseiterrolle, die damit verbunden ist, sowieso. Es braucht einfach die Bereitschaft/Fähigkeit, das Dasein der Herren Campbell und Algar nicht als etwas Zufälliges, sondern als etwas Bewusstes zu erfahren. Es ist kein Zufall, dass Spheeris den Streifen und seinen Duktus nicht in Geek-/Nerd-Gefilde steuert, diese Zuschreibungen zählen hier einfach nicht. Und auch das Nichtbeachten etwaiger Arbeitstätigkeiten der exzellenten Herrschaften ist völlig nebensächlich; die Haltung gegenüber Werktätigkeit muss nicht erklärt werden – zumindest nicht für die, die Bescheid wissen.

Personenkreisen, denen diese Zugänge abgehen, wird es dementsprechend schwerfallen, die episodische Mischung aus Pop-/Rockmusik und teils genialen, teils flachen Gags zu genießen. Myers führte seit dem Ende der 80er Jahre diverse Sketchs mit dem gleichen thematischen Hintergrund in Saturday Night Live auf, diese wurden teils unverändert in den Film übernommen. Deshalb stehen viele Elemente für sich allein, deshalb entwickelt die Geschichte kaum Drive. Spheeris macht aus dieser Eigenschaft auch gar keinen Hehl und gönnt dem Film folglich einfach drei Enden – auf eine Auflösung wartet ohnehin keiner – in denen sie Klischees aus Film und Fernsehen durchexerziert.

Wayne: Wer spielt denn heute Abend?
Tiny: Die „Shitty Beatles“.
Wayne: Die „Shitty Beatles“? Und wie sind die so?
Tiny: Die sind scheiße!

Aber auch schon zuvor gibt es zahlreiche Verweise und Anspielungen auf die Popkultur der 80er und 90er Jahre. Filme, Serien, Persönlichkeiten, aber auch Verhaltensweisen und gesellschaftliche Normen werden mal mehr, mal weniger trefflich durch den Kakao gezogen, nie ist sich der Film zu schade, seine Handlung einem Spaß oder einem Augenzwinkern zu opfern. All das wird von einem tollen Soundtrack unterlegt (der Queens Bohemian Rhapsody zwanzig Jahre nach dem ersten Erscheinen noch einmal in die Charts katapultierte) und mit zahlreichen bekannten Haupt- und Nebenrollen abgerundet.

Ja, klar, der Film gefällt (aus objektiv völlig nachvollziehbaren Gründen) nicht jedem. Aber wer den Zugang zu ihm findet, der erhält Eintritt in eine wundervolle Welt, wie sie vor langer Zeit mal existierte.

Eine Antwort zu “WAYNE’S WORLD

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