DEADPOOL 2

Deadpool 2
Deadpool 2 | USA | 2018
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Wade Wilson respektive Deadpool (Ryan Reynolds) verliert bei einem Überfall seine Freundin Vanessa (Morena Baccarin). Beim darauffolgenden Suizidversuch weist ihn selbige jedoch darauf hin, dass er weiterleben muss, weil sein Herz noch nicht am rechten Fleck ist. Reichlich irritiert versucht der Heroe diesen Missstand zu beheben, indem er den jungen Russell Collins (Julian Dennison), der zum Ungeheuer Firefist zu werden droht, vor dem in der Zeit zurückgereisten Killer Cable (Josh Brolin) bewahrt.

Der erste DEADPOOL (2016) gefiel mir ja nicht so ganz, da die dem Streifen zugrundeliegende Geschichte zwischen den Haudrauf-Turteltauben Wade und Vanessa irgendwie zu platt daherkam als dass sie die Lawine an Gags und Sprüche ausreichend hätte unterfüttern können. Der riesige Erfolg des Streifens sorgte aber selbstverständlich für eine Fortsetzung (die laut Produzent Simon Kinberg wohl schon vor dem Release des Erstlings geplant war), die erneut von Kinberg, Lauren Shuler Donner und Ryan Reynolds produziert und Rhett Reese und Paul Wernick geschrieben wurde. Und erstaunlicherweise schafft es der Streifen, beim dem die Regie von Tim Miller zum erfahrenen Stuntman David Leitch wanderte, trotz ähnlich flacher Storyline dafür zu sorgen, dass ich die Vorstellung gut gelaunt und mit einigen neuen Sprüchen im Repertoire verlassen habe.

Wade: Das Richtige zu tun ist ‘ne Sauerei – aber im Kampf für das Richtige muss man manchmal schmutzig kämpfen.

Einer der großen Gründe dafür ist wohl, dass Vanessa gleich zu Beginn die Bühne verlässt. Denn obwohl Morena Baccarin die schlagfertige Dame an Deadpools Seite erneut souverän gibt, entlastet es den Streifen doch spürbar, sich nicht erneut um Liebeleien und Beziehungskram kümmern zu müssen. Auch die Tatsache, dass Wade bereits verunstaltet und damit im Reinen ist, ist eine Erleichterung, bleiben einem doch so die teils etwas langatmigen Folter- und Transformationsszenen des Vorgängers erspart. Vielmehr konzentriert sich die Storyline auf neue Figuren und bringt somit frischen Wind in den Cast. Einzig T.J. Millers Weasel, Karan Sonis Dopinder und natürlich Leslie Uggams‘ Blind Al dürfen erneut auftreten, bekommen jedoch deutlich weniger Platz eingeräumt.

Dafür darf der 16-jährige Julian Dennison als Heimkind Russell sich einiges an Präsenz schnappen und zu Wades großem Anker werden. Zunächst durch den Hinweis seiner verlorenen Liebe zum Mitgefühl genötigt, entwickelt sich zwischen dem Helden und der Rotznase mehr und mehr eine Beziehung, die nur kurzzeitig verhehlen kann, dass Wade hier quasi seinem kleinen Ich hilft. Russell wird aufgrund seiner Fähigkeiten gequält und misshandelt, ein Schicksal, dass auch Wade kennt – und das es angeraten erscheinen lässt, den Burschen vor Josh Brolins Cable zu retten. Dass der im letzten Akt offenbart, dass auch er nur seine Familie zu retten sucht, ist der Türöffner für ein ungemein kitschiges und überdrehtes Finale – welches im Duktus des Films trotzdem erstaunlich gut funktioniert; denn wenn man einer Figur wie Deadpool das selbstlose Engagement für den jungen Russell abnimmt, dann muss vorher etwas wirklich richtig gelaufen sein.

Wade: Du bist tausendmal klüger als ich aussehe.

Die Gags bleiben dabei Millers 2016er-Version treu. Deadpool spricht mit den Zuschauern, Wade und Deadpool kommentieren die Geschehnisse äußerst bissig und brechen die Stimmung jeder Szene, egal ob lustig, traurig, ergreifend oder böse, garantiert mit einem Witz. Mit fällt es aber leichter, das zu akzeptieren, da der Hauptcharakter, nun der Bindung an Vanessa beraubt, eher nihilistisch sein darf als bei seinem Ringen um ihre Liebe im Vorgänger. Deadpool sucht den Tod, er handelt quasi nur, um Sterben zu dürfen – da kann man auch schon mal den Ernst für die Situation verlieren. Es ist wohl vor allem diese Veränderung der Vorzeichen, die das überbordende Feuerwerk an Gags nicht so beliebig erscheinen lässt, wie noch zwei Jahre zuvor. Was allerdings übereinstimmt ist der Umstand, dass man ohne genaueste Kenntnisse des X-Men- und Marvel-Universums niemals in der Lage sein wird, sämtlich Gags, Anspielungen und Referenzen zu erfassen. Bei meiner eher distanzierten Haltung dem Superhelden-Genre gegenüber dürfte ich also – trotz kundigem Begleiter – so einiges verpasst haben.
Abschließend sei es noch als erstaunlich bemerkt, dass sich der Film trotz verdoppeltem Budget (immerhin 110 Millionen US-Dollar durfte Leitch verbraten) nicht in beliebigen Actionszenen ergeht. Es gibt eigentlich nur ein, zwei größere Sequenzen, in denen der Regista seine Stuntman-Expertise deutlich zeigt, ansonsten besticht Leitchs Regie eigentlich eher durch sehr gutes Timing der Gags und einen flotten Erzählrhythmus – und natürlich sorgt eine großartige Songauswahl zwischen Klassikern wie Thunderstruck, Take On Me oder X Gon‘ Give It To Ya sowie diversen (für die Zeitlupenszenen natürlich unverzichtbaren) Schnulzen wieder für viel Stimmung. Ach ja, und Zazie Beetz‘ Domino ist mit ihrer Superheldinnen-Fähigkeit ja mal wirklich eine originelle Nummer.

Cooler, da unverklemmter als der Vorgänger kommt Deadpools zweiter Auftritt daher. Die eigentlich gleichen Ingredienzien funktionieren aufgrund der leichten Verschiebungen der Ausgangssituation noch einmal deutlich besser und machen wirklich Lust auf den nächsten Streich des roten Antihelden.

Eine Antwort zu “DEADPOOL 2

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