BRENNPUNKT L.A.

Brennpunkt L.A.
Lethal Weapon 2 | USA | 1989
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Martin Riggs (Mel Gibson) und Roger Murtaugh (Danny Glover) sind mittlerweile Partner, die sich wertschätzen, als sie den Auftrag bekommen, den Kronzeugen Leo Getz (Joe Pesci), der Drogengelder gewaschen hat, zu beschützen. Bekommen hat Getz die Kohle vom südafrikanischen Diplomaten Arjen Rudd (Joss Ackland), der seinen Drogenhandel hinter seiner diplomatischen Immunität versteckt.

Klar, eine Fortsetzung muss „mehr“ liefern. Bemerkenswert ist dabei, dass Richard Donner dem Nachfolger seiner erfolgreichen Action-Novellierung ZWEI STAHLHARTE PROFIS – LETHAL WEAPON (1987) mehr von dem verabreicht, was den Streifen wirklich großgemacht hat. Denn das ist mitnichten die bloße Darbietung von Explosionen und Schießereien gewesen, sondern der Charakterzug der beiden Hauptfiguren Riggs und Murtaugh, Typen von Nebenan zu sein. Autor Shane Black bekommt dazu den Kollegen Jeffrey Boam an die Seite gestellt, der nach seiner geringfügigen Mitarbeit am Vorgänger mal eben an DIE REISE INS ICH (1987), THE LOST BOYS (1987) und INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG (1989) gewerkelt hatte. Die Autoren konzentrieren sich auf die Figuren und formen deren Beziehung weiter aus.

Riggs: Das ist Sergeant Murtaugh, ich bin Sergeant Riggs.
Leo: Freut mich und wie soll ich Sie nennen?
Roger: Sergeant Murtaugh und Sergeant Riggs.

So sind Roger und Martin jetzt von Anfang an gute Kumpels, die im Rahmen von Rogers Familie speisen, lachen und beichten. Letzteres bezieht sich auf Martins verstorbene Frau und soll noch wichtig werden; zweiteres steht aber klar im Fokus und so verbringen die Kumpels die nächste Stunde mit dummes Sprüchen und flapsigen Kommentaren, so als wären sie alte Sandkastenfreunde. Und um ihnen auch genügend Fläche für ihre Späße zu bieten, darf Joe Pesci als Geldwäscher Leo Getz auftreten. Der sorgt auch erneut dafür, dass es vor allem Zufälle sind, die den beiden Herren vom LAPD zum Ermittlungserfolg verhelfen. Denn tatsächliche Arbeit, im Sinne polizeilicher Tätigkeit, verrichten die Protagonisten erneut kaum. Viel mehr wanken sie solange plappernd durch die Gegend, bis sie zufällig auf die Übeltäter stoßen – wobei ein nicht geringer Anteil dieser regelmäßig zu Tode kommt.

Und diese bewusste Missachtung von Logik und Stringenz setzt sich auch bei der Zeichnung der Antagonisten fort. Kopf der südafrikanischen Delegation ist der renommierte britische Schauspieler Joss Ackland, der hier als Arjen Rudd (welche sprechender Name) den menschgewordenen Ekel gegeben darf, versucht er seine auf der Apartheit beruhenden Rassismen doch gar nicht zu verbergen. Analog dazu sieht Arjens Truppe auch aus, wie aus einem Naziploitation-Streifen entlaufen und agiert auch ebenso. Es kann aber wohl nur in der simplen Welt der LETHAL WEAPON-Reihe sein, dass einen ein Diplomatenausweis dazu befähigt, derart unverhohlen und einfach Heroin und Devisen zu schmuggeln. Aber was soll’s …

Leo: Er hat mich gehauen!
Roger: Gut.

Wichtiger ist, dass die südafrikanischen Rassisten, die von Martin und Roger natürlich gleichermaßen mit Beleidigungen eingedeckt werden, so niederträchtig sind, dass sie auch Riggs neue Flamme Rika, gegeben von Patsy Kensit, ermorden. Und da sich kurz zuvor herausstellte, dass sie Jungs auch Riggs Ehefrau auf dem Gewissen haben, schlägt der fröhliche Ton des Films im letzten Drittel um. Jetzt ist der grinsende Held plötzlich wieder der manische Psychopath aus dem ersten Teil – ja, schlimmer noch. Martin Riggs läuft völlig aus dem Ruder und beginnt einen gesetzlosen Rachefeldzug gegen alles und jeden. Im Finale hilft Arjen auch sein Status nicht mehr und die Kollegen liegen sich lachend in den Armen, da sie alle bösen Jungs erschossen haben.
So bleibt sich der Streifen dem Stil der Vorgängers völlig treu, ignoriert er doch erneut alle logischen und das Gesetz betreffenden Rahmen, die einem die Wirklichkeit aufzwingen könnte. BRENNPUNKT L.A. formuliert seine Protagonisten einfach weiter als lachende, gut gelaunte Helden aus, die es mit dem Gesetz nicht so eng nehmen – man denke nur an das irritierende Finale von Part One. Da die Bösen aber unsagbar böse sind, passt das erstaunlicherweise ganz gut und fühlt sich gar nicht so reaktionär an, wie es auf dem Papier vielleicht klingen mag.

Flotte Fortsetzung, die ihre fragwürdige Aussage mittels der abgründigen Bosheit der Antagonisten kaschiert; viel Humor und Action tun ein Übriges.

5 Antworten zu “BRENNPUNKT L.A.

  1. Pingback: DAS PHANTOM | SPLATTERTRASH·

  2. Pingback: TANGO & CASH | SPLATTERTRASH·

  3. Klasse Artikel über einen tollen Film. Aus heutiger Sicht meiner Meinung nach nicht gut gealtert, aber noch immer großartige Unterlhaltung. Selten waren die Fiesen fieser als hier…

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  4. Pingback: BRENNPUNKT L.A. – DIE PROFIS SIND ZURÜCK | SPLATTERTRASH·

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