TUAREG – DIE TÖDLICHE SPUR

Tuareg – Die tödliche Spur
Tuareg – Il guerriero del deserto | Israel/Italien/Spanien | 1984
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Zwei Fremde suchen bei dem Tuareg Gacel Sayah (Mark Harmon) Unterschlupf, doch schon kurze Zeit später kreuzt ein finsterer Captain (Antonio Sabato) mit seinen Militärschergen auf, bemächtigt sich der beiden, erschießt einen von ihnen auf der Stelle und entführt den anderen. Aufgrund des Gastrechts der Tuareg sieht sich Sayah in der Pflicht, den Entführten zu befreien und zur Sicherheit versprechenden Grenze zu geleiten – was er jedoch nicht weiß: der Entführte ist Abdul El Kabir (Luis Prendes), der gestürzte Präsident des Landes, der wieder an die Macht zu kommen sucht.

Enzo G. Castellari zählt sicherlich zu den großen Aushängeschildern des italienischen Action- respektive Exploitation-Kinos. Zu Beginn der 80er hatte er sich mit METROPOLIS 2000 (1982), THE RIFFS – DIE GEWALT SIND WIR (1982) und THE RIFFS II – FLUCHT AUS DER BRONX (1983) gerade um das Endzeit- und Gang-Genre verdient gemacht, sollte dann jedoch eine kurze Auszeit vom Beton der Städte nehmen. Derlei Ausfallschritte sind bei Castellari regelmäßig zu beobachten; so unterbrach zum Beispiel SCARAMOUCHE, DER TEUFELSKERL (1976) seine Polizieschi-Arbeiten RACKET (1976) und DEALER CONNECTION – DIE STRAßE DES HEROINS (1977) und auch die TV-Serie DIE RÜCKKEHR DES SANDOKAN (1996) stellt einen Ausreißer dar. Das bedeutet natürlich nicht, dass der Herr Regista hier seine gewohnten Stilmittel außer Acht lassen würde; flotte Action, simple Figuren und eine unkomplizierte Geschichte liefern auch hier das Grundgerüst.

Sayah: Nichts ist einen Tag Gefängnis wert.

Für das Drehbuch stand der erfolgreiche Roman Tuareg des spanischen Autoren Alberto Vázquez-Figueroa Pate, der sich während des spanischen Bürgerkriegs den Tuareg anschloss und so hautnah Erfahrungen sammeln konnte. Leider ist im Skript, das Vázquez-Figueroa zusammen mit Vicente Escrivá schrieb, nicht viel davon zu spüren, denn die Motivation von Hauptfigur Gacel Sayah bleibt während des gesamten Films höchst vage. Wie so häufig wird der Nicht-Europäer (bezeichnenderweise von Mark Harmon gespielt, auch wenn die häufige Verhüllung seines Gesichts das ganz gut kompensiert) hier auf ein bis zwei Merkmale reduziert; in diesem Fall Traditionstreue und Durchhaltevermögen. Es fällt dabei schwer, zu glauben, dass Sayah von seinen Gastgeberpflichten dazu gezwungen wird, sich mit Horden von Soldaten anzulegen und eine wahre Odyssee auf sich zu nehmen, um den Traditionen Genüge zu tun. Der dazu auch konstruierte Gegensatz zwischen Weltgeschehen und Sayahs Nomadenwelt (der sich in seiner Unwissenheit bezüglich aktueller Politik äußert) mag gut gemeint sein, verstärkt den stereotypen Eindruck den weltfremden Wüstenbewohners aber unangenehm.

Just wenn sich der Film darin zu verlieren droht, dass der „edle Wilde“ die „korrupten Politiker“ bekämpft (und das ohne Absicht, mit reinem Gewissen), tritt mit Paolo Malco in der Rolle des Kommandant Razman eine Figur auf, die diesem simple Gefüge überraschend vielschichtig entgegensteht. Wenige Sätze genügen, um einen Offizier zu zeichnen, der Sayah versteht, ihm hilft und danach in ständigem unausgesprochenen Konflikt mit seinen Vorgesetzen lebt. Es wäre schön gewesen, wenn diese Figur ein wenig mehr Platz eingeräumt bekommen hätte, wäre es so doch möglich gewesen, die teils zu simplen Weltbilder ein wenig zurechtzurücken. Stattdessen präsentiert Castellari aber eine nahezu groteske Szene, in der sich Sayah und seine Verfolger im Warten duellieren. Das ist nicht nur öde, sondern zeichnet durch die Tötung eines Kamels auch einen merkwürdigen Charakterzug des Nomaden.

Sayah: Man reißt nicht ein altes Haus ab, bevor man ein neues gebaut hat.

Bis zur Halbzeit muss man dem Streifen trotz einiger Schwächen allerdings zugestehen, dass er die Castellari-typische unterhaltsame Inszenierung aufweist. Sayah überfällt geschickt ein Militärlager, es gibt einen netten Schwertkampf und massenweise coole Shots der Wüste zu sehen. Das Ganze kommt mit der musikalischen Untermalung von Altmeister Riz Ortolani stimmig rüber und könnte so eigentlich unaufgeregt ins Ziel einlaufen – wenn der Streifen nicht ab der Hälfte plötzlich all das über Bord werfen würde. Als Sayah nämlich seine Familie aus den Fängen der Antagonisten retten muss, gibt er denen eine Woche, um seine Forderungen zu erfüllen. Er selbst verbringt diese Zeit in einer Ruine am Stadtrand und die Zuschauenden begleiten ihn dabei. Und dieses Kaugummi mündet dann in eine Szene, in der Sayah bei einem Attentat zufällig den falschen erschießt. Als erneuter Beweis der politischen Uninformiertheit ist diese Szene schon schwer zu ertragen, rein inhaltlich betrachtet (Sayah ermordet den Mann, dem er unter Lebensgefahr zur Flucht verholfen hat) ist sie unerträglich.

Leider schafft es Castallari dieses Mal kaum, den flachen Inhalt mit einer schwungvollen Inszenierung zu kompensieren. Zu einem gibt es recht wenig Action und zum anderen ist selbst die schönste und stimmigste Aufnahme der Sarah nicht dazu im Stande, die flache und bisweilen unangenehme Zeichnung der Hauptfigur zu verbergen.

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