ZWEI STAHLHARTE PROFIS – LETHAL WEAPON

Zwei stahlharte Profis – Lethal Weapon
Lethal Weapon | USA | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der gerade 50 Jahre alt gewordenen Cop Roger Murtaugh (Danny Glover) möchte eigentlich nur sein beschauliches Familien-Dasein fortsetzten als ihm der als selbstmordgefährdet und verrückt verschriene Martin Riggs (Mel Gibson) als neuer Kollege zugeteilt wird. Doch wie sich herausstellt, sind dessen Manien genau das richtige Mittel, um Roger nicht nur aus seiner Lethargie zu reißen, sondern auch, um einen brutalen Heroin-Schmuggler-Ring dem Gesetz zuzuführen.

War das US-amerikanische Actionkino seit dem Beginn der 80er Jahre vor allem derart geprägt, sich entweder mit brutaler Gewalt abseits des Mainstreams zu positionieren oder aber mit revisionistischen und das geknickte Selbstbewusstsein der Nation wieder auf die Beine helfenden Darstellungen Vietnams zu positionieren, setzte zum Ende des Jahrzehnts ein Wechsel ein. Die im Zuge der wieder auf die Beine kommenden US-Wirtschaft förmlich explodierenden Budgets, die selbst durchschnittlichen Produktionen zur Verfügung standen, ermöglichten es dem enorm Action-erfahrenen Produzenten Joel Silver – auf sein Konto gehen Werke wie DIE WARRIORS (1979), NUR 48 STUNDEN (1982), STRAßEN IN FLAMMEN (1984) oder PHANTOM KOMMANDO (1985) – für seinen von Autorenneuling Jeffrey Boam geschrieben Buddy-Actioner runde 15 Millionen US-Dollar aufzutreiben. Das Konzept, zwei antipode Charaktere zusammen an einem Fall arbeiten zu lassen, war dabei zwar keineswegs neu (schon in NUR 48 STUNDEN funktionierte das ja ganz prächtig), wohl aber der Umstand, dass nun plötzlich ganz normale Menschen zu den Heroen zwischen all den Explosionen werden.

Riggs: Es wird eine blutige Angelegenheit, Roger.

Denn eingeführt wird Danny Glovers Roger in der Badewanne sitzend an seinem 50. Geburtstag. Seine Kinder bezeichnen ihn als alt, seine Kollegen machen Witze und sein größtes Ziel ist es, den Ruhestand sicher zu erreichen, um dann mit seinem Motorboot zum Angeln zu fahren; einem Motorboot, mit dem er sich – wie später klar wird – überhaupt nicht auskennt. Diesem Jedermann steht mit Mel Gibson, der nach den drei alten MAD MAX-Teilen und DIE BOUNTY (1984) gerade auf dem Weg nach oben war, der durchgedrehter Special Forces-Veteran Martin Riggs gegenüber, der zwar nicht in das Bild des Durchschnitttypen passt, sich aber trotzdem stark von den Stereotypen den bisherigen Actionkinos abhebt, ist der Krieg in Vietnam doch nur noch ein entfernter Erinnerungsfetzten. Viel zentraler für seinen Zustand ist der Verlust seiner Frau, führt dieser doch erst zu suizidalen Gedanken.

Regisseur Richard ist sich dabei völlig bewusst, dass das Zusammenspiel dieser beiden Figuren die Qualität seines Films ist und so räumt er den beiden auch den mit Abstand meisten Platz ein. Die Beziehung entwickelt sich von einem ablehnenden Abtasten hin zu einer innigen Männerfreundschaft, die in einigen Momenten, die diesen neuen Typus von Actionheld schön unterstreichen, gar homoerotische Züge aufweist. Daneben ist zumindest Roger auch deutlich verletztlicher als seine Genre-Vorfahren, was neben seinem Alter auch durch die emotionale Bindung an seine Familie, die dann folgerichtig Ziel der Antagonisten wird, Ausdruck erfährt. Aber auch der Humor ist fester Bestandteil des Duos und so hauen sich Roger und Martin schnippische Sprüche und flotte Oneliner um die Ohren, während sie ihre Ermittlungen vorantreiben.

Roger: Ich werde dir was sagen: Wenn du den morgigen Tag durchstehst ohne jemanden umzubringen, vor allem nicht mich oder dich selbst, dann fang ich an dir zu trauen.

Wobei „vorantreiben“ eigentlich viel zu viel Aktivität unterstellt. Eigentlich bewegen sich die beiden nur durch Los Angeles und stolpern dabei ständig über das nächste Puzzlestück (eines Puzzles mit 20 Teilen, freigegeben ab 3 Jahren). Mal öffnet eine unbekannte Schönheit einfach das Tor zur Residenz der Übertäter und lädt die beiden ein, mal explodiert die Bude einer Verdächtigen genau vor der Nase des Copper-Duos und ganz grundsätzlich meldet sich einer der Bosse des Heroin-Kartells bei Roger (dessen alten Kriegskumpel er ist) und bittet ihn um Mitarbeit. So machen die beiden des Zunft des Gesetzhüter nur wenig Ehre, was jedoch auch völlig belanglos ist, da der Streifen wie beschrieben andere Akzente setzt.

Und immerhin sitzt ja auch ein Richard Donner auf dem Regiestuhl, der die ein oder andere Lücke oder Ungereimtheit einfach mit einer wahnsinnig flotten und zielstrebigen Inszenierung glattbügelt. Es bleibt gar keine Zeit, sich über all die Zufälle und Unwahrscheinlichkeiten zu wundern, da Donner seine Zuschauer mit einem tollen Timing erst in Riggs Selbstmitleid baden lässt, um sie dann zur Bestätigung seines Wahnsinns mit ihm vom Dach springen zu lassen. Einem zufriedenen Abendessen im Vorort steht ein Prä-Showdown mit Helikoptern in der Wüste gegenüber, dem ein düsteren Action-Finale folgt. Während die Erhöhung der originären Actionsequenzen (bis hin zu tollen Stunts und Explosionen in der Innenstadt von L.A.) gegenüber dem bezüglich der Charaktere ähnlich konzeptionierten NUR 48 STUNDEN einen Mehrwert darstellt, erweist sich das Finale dann leider als merkwürdig unstimmig.

Rianne: Das sind keine Narben, das sind Grübchen.
Roger: Das sind Narben. Der sieht doch aus wie ein Schweizer Käse, wenn der lacht.

In diesem hält Roger dann nämlich die heraneilenden Kollegen zurück, während Riggs einen Kampf auf Leben und Tod gegen die rechte Hand (stereotyp, aber cool gegeben von Gary Busey) des eigentlichen Schurken, der bereits das Zeitliche gesegnet hat, führt. Hier wird Riggs Tod völlig unnötig in Kauf genommen, obwohl es dazu keinerlei – auch keine persönliche – Veranlassung gibt. Die Szene wirkt wie ein Rückfall in die Zeiten des klassischen 80er Actionkinos und entlässt die Zuschauenden so ein wenig irritiert in den Abspann – denn eigentlich haben sie gerade der Zeichnung einer der beiden Blaupausen für das Blockbuster-Action-Kino der 90er beigewohnt – die andere sollte John McTiernan ein Jahr später mit STIRB LANGSAM (1988) anfertigen.

Statt depressiven Kriegern gibt es nun echte Typen mit Problemen und Gefühlen, die trotzdem flotte Sprüche und einiges an Action zu bieten haben. Richard Donner novelliert das Actiongenre und etabliert hier – auch bezüglich der Inszenierung – ein Konzept, das die nächsten Jahrzehnte überdeutlich prägen sollte.

8 Antworten zu “ZWEI STAHLHARTE PROFIS – LETHAL WEAPON

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