OCTOPUSSY

Octopussy
Octopussy | Großbritannien/USA | 1983
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Ein anscheinend gefälschtes Fabergé-Ei landet in den Händen James Bonds (Roger Moore) und lässt die Frage auftauchen, wer es zu welchem Zweck gefälscht hat. Die Spur führt schnell zu dem in Indien lebenden afghanischen Schmuggler Kamal Khan (Louis Jourdan) und dessen Inseln und Zirkusse betreibender Partnerin Octopussy (Maud Adams); doch was der kriegslüsterne russische General Orlov (Steven Berkoff) mit den beiden zu tun hat, bleibt zunächst unklar.

Die JAMES BOND-Serie unterliegt wie kaum eine andere Filmreihe spontanen Wandlungen. Regisseur John Glens erster Beitrag, IN TÖDLICHER MISSION (1981), stellte nach den mehr und mehr dem Absurden entgegendrängenden DER SPION, DER MICH LIEBTE (1977) und MOONRAKER – STRENG GEHEIM (1979) ein angenehm bodenständiges Bondvehikel dar, welche mit simplem, aber ungemein spannend inszeniertem Agentenhandwerk punkten konnte. Der Produzent Albert R. Broccoli schrieb dann zusammen mit Glen und dem Autoren George MacDonald Fraser ein Drehbuch welches sich nur zwei Jahre später wieder deutlich in Richtung Komik und Eskapismus bewegen sollte – und welches vor der Umsetzung noch vom etatmäßigen JAMES BOND-Autoren Richard Maibaum und dem sich gerade dieses Attribut erarbeitenden Michael G. Wilson überarbeitet werden sollte.

Magda: Er schlägt Ihnen einen Tausch vor: das Ei gegen Ihr Leben.
James: Ich weiß, dass die Preise für Eier gestiegen sind, aber ist das nicht etwas sehr hoch?

Dabei stellt mal wieder der Kalte Krieg den Hintergrund, vor dem Bond seinen Dienst verrichtet. Während auf bundesdeutschen Straßen gerade Scharen von Friedensdemonstranten auftauchten, erlaubte Hellmut Kohl die Aufstellung von NATO-Raketen – ein gefundenes Fressen, versuchen die Russen im Film doch glatt, diese Bomben dazu zu nutzen, der Friedensbewegung noch mehr Auftrieb zu verschaffen. Davon erhofft sich der sinistere General Orlov nämlich die Chance, Europa der Sowjetunion einverleiben zu können. Neben diesem altbekannten Antagonisten tritt mit Louis Jourdan, der gerade noch in Wes Cravens DAS DING AUS DEM SUMPF (1982) mitmischte, als Kamal Khan ein Gegner auf, der es vor allem auf die Moneten abgesehen hat.

Am gelungensten ist aber sicherlich die weibliche Gegenspielerin Octopussy, in deren Rolle Maud Adams bereits ihren zweiten Bond-Auftritt nach DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT (1974) hinlegt. Ihre ambivalente Figur begegnet James mit Wohl- und Widerwollen gleichermaßen, je nach Situation. Darüber hinaus ist sie nicht so leicht zu erobern wie ihre diversen Vorgängerinnen und gibt so letztlich eine angenehm starke Frauenrolle ab. Roger Moore spult sein Programm bei seinem mittlerweile sechsten Auftritt als die britische Nummer Eins locker herunter, wirkt aber mitunter etwas behäbiger – merkt da vielleicht jemand die 56 Lenze?

Magda: Ich besitze ein Poesiealbum, darin sammle ich Erinnerungen besonderer Art.

Bevor es aber in ost- ebenso wie in westdeutsche Gefilde geht, dürfen die Zuschauenden ihre Augen erstmal an den fernen Gegenden Indiens erfreuen. Hier inszeniert Glen eine schmissige Verfolgungsjagd im Tuktuk und schickt den Helden dann auf die in Wirklichkeit Lake-Palace genannte künstliche Insel in der Nähe der Stadt Udaipur, wo Octopussy mitsamt ihrer weiblichen Gefolgschaft haust. Kuba und Karl-Marx-Stadt stehen dazu in hartem Kontrast, die Geschehnisse wiederum verhalten sich diametral. Während in Indien ernstes, bisweilen gar hart Agentenhandwerk geboten wird, stehen dem tristen deutschen Wolkenhimmel Clownskostüme und Zirkusspäße entgegen. Daran lässt sich die Ausrichtung von John Glens zweiten Serienbeitrag letztlich sehr schön ablesen.

Der Ernst von Glens erstem Bond-Film, IN TÖDLICHER MISSION, trifft auf die Leichtigkeit der vorangegangenen Werke. Das Ergebnis ist zwar kein Meilenstein, aber gute Unterhaltung ist es – im Gegensatz zu der Meinung manch landläufiger Kritik – allemal.

2 Antworten zu “OCTOPUSSY

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