JOHN RAMBO

John Rambo
Rambo | Deutschland/USA | 2008
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Viele Jahre nach den Geschehnissen in Vietnam und Afghanistan lebt John J. Rambo (Sylvester Stallone) zurückgezogen in Thailand. Als eine Gruppe von US-amerikanischen Missionaren rund um die junge Sarah Miller (Julie Benz) ihn bittet, sie nach Myanmar zu bringen, lehnt er zunächst rigoros ab, bevor er sich dann doch überzeugen lässt – wie schnell klar wird, eine fatale Entscheidung.

Nach diversen Regiearbeiten in den 80er Jahren rettete Sylvester Stallone seine absteigende Karriere Mitte der 2000er Jahre, indem er erneut auf den Regiestuhl kletterte und seine erfolgreichsten Serien reanimierte. ROCKY BALBOA (2006) bestätigte dieses Vorhaben zumindest auf der finanziellen Ebene und so ging Sly dann zusammen mit Autor Art Monterastelli daran, den seit 20 Jahren im Ruhestand befindlichen Parade-Kämpfer der Reagan-Ära, John Rambo, wiederzubeleben. Der Umstand, dass es keine Kommunisten mehr auf der Welt zu bekämpfen gab (zumindest nicht in einigermaßen glaubwürdigen Szenarien) sollte dabei eine bei weitem kleinere Hürde für die Autoren darstellen, als man zunächst hätte annehmen können. Denn die Militärdiktatur im nahegelegenen Myanmar bietet qua Umgebung und Bewohnern eine enge stilistische Nähe zu Vietnam – und da es Stallone und Monterastelli ohnehin nicht an einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Ort der Handlung gelegen ist, muss man sich um keinerlei politische Zusammenhänge scheren.
So ist es dann auch dieses Mal nicht der Ruf der Militärs (Trautman muss aufgrund des Todes von Richard Crenna im Jahr 2003 sowieso abwesend bleiben), der John in den Kampf ziehen lässt, sondern etwas irritierend anderes: sein Mitgefühl. Obwohl sich der Streifen in den ersten 20 Minuten redlich müht, die Desillusion und den Nihilismus seiner Hauptfigur darzustellen, so lässt er es dann aus unerfindlichen Gründen doch zu, dass eine jammernde Missionarin (entsprechend stereotyp von Julie Benz gegeben) den beinharten, bis dahin zu keiner Gefühlsregung befähigten Veteran überredet. Naja.

Rambo: Lebe für nichts oder stirb für etwas!

Zunächst ist John dann aber nur der Chauffeur der Gläubigen, erst drohende Gewalt lässt selbige dann wieder aus ihm herausbrechen. Unter den Klagen der Missionare, die selbst die ihrer Rettung dienende Gewalt ablehnen, beginnt John dann wieder an der Welt zu zweifeln, lässt die Typen alleine weiterlaufen, was natürlich zu deren Festsetzung durch die myanmarische Armee sorgt. Der zur Rettung der Gottesleute engagierte Trupp an Klischee-Söldnern ist dann wiederum auf Rambos Hilfe angewiesen und behandelt diesen erneut abschätzig. Erst ein erneutes Aufeinandertreffen mit den myanmarischen Truppen lässt Rambo vollends wieder zur Kampfmaschine werden; auch wenn diese Eigenschaft zuvor natürlich stets unter der unbewegten Mine Stallones hindurchschimmert.

Und dass die myanmarische Armee ein klares und gerechtes Ziel ist, daran lässt Stallone schon zuvor keinen Zweifel. Der Film beginnt nicht nur mit Ausschnitten realer Gewalttaten in Myanmar, es gibt auch im ersten Akt immer wieder kurze Sequenzen zu sehen, in denen die Soldaten zum Spaß Unschuldige quälen und ermorden. Wie aus den Vorgängern bekannt gibt es also keinen Funken Gutes an den Antagonisten, sie sind ausschließlich böse, dieses Mal wird diese Eigenschaft dazu auch visuell auf die Spitze getrieben: Stallone inszeniert eine nächtliche Feier der Unholde, bei der sie zunächst saufen und dann zu vergewaltigen beginnen. Während all dieser Exzesse wird die Szenerie von roten Qualm eingenebelt, durch die die besoffenen und enthemmten Myanmaren dann wanken. Sie wirken wie Zombies, wie Untote in einem Horrorfilm, sie werden geradezu entmenschlicht.

Rambo: Wenn man dich zwingt, ist Töten so einfach wie Atmen.

Es ist nur folgerichtig, dass Stallone danach eine Gewaltorgie ablaufen lässt, die in der jüngeren Hollywood-Geschichte ihresgleichen sucht. Rund 20 Minuten dauert das Gemetzel, welches eine bunte Mischung aus CGI- und praktischen Effekten anbietet. Durchaus launig inszeniert, lässt man sich vom Strom der Bilder mitreißen und muss sich danach damit auseinandersetzen, wie einem eine solche Darbietung Faszination abringen konnte. Es ist schlicht die völlige Enthemmung, mit der die Gewalt dargestellt wird, die ihr beinahe jede Fragwürdigkeit raubt. Was so brutal ist, kann man einfach nicht ernst nehmen.
Selbiges gilt für die Protagonisten freilich nicht, steht Sarah doch am Ende über einem von Leichenbergen gesäumten Schlachtfeld und muss anerkennen, dass John J. Rambo von Anfang an Recht hatte: nur Gewalt kann die Welt verändern. Diese Erkenntnis wird dann auch dem Urheber der Worte per Handzeichen signalisiert, bevor selbiger sich auf den Weg nach Hause macht. Man darf diese Rückkehr (die nicht zufällig an den Beginn der Reihe 1982 erinnert) durchaus als Schlusspunkt verstehen; was sollte nach dieser sinnbefreien Orgie auch noch kommen?

Ein vor fast nichts zurückschreckender Schlusspunkt der Reihe, der ihr zwar inhaltlich nichts neues hinzuzufügen vermag, der die Geschichte aber mit einer Brutalität beendet, die ihresgleichen sucht.

Eine Antwort zu “JOHN RAMBO

  1. Pingback: THE EXPENDABLES | SPLATTERTRASH·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.