RAMBO

Rambo
First Blood | USA | 1982
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Vietnamkriegsveteran John J. Rambo (Sylvester Stallone) kommt nach Jahren des einsamen Umherwanderns im kleinen Nest Hope an und gerät sogleich mit Sheriff Teasle (Brian Dennehy) in Konflikt, der ihn wegen Landstreicherei einsperren lässt. Doch John kann die Enge des Gefängnisses aufgrund eines Traumas nicht ertragen, bricht aus und liefert sich fortan einen grausamen Guerillakampf mit den Vertretern des Gesetzes.

War es Mitte der 70er Jahre, kurz nach Erscheinen von David Morrells Roman First Blood, wohl noch zu früh, um sich in einem großen Actionfilm des Themas Vietnamkrieg anzunehmen, so erschien dieses Warners Brothers zu Beginn des folgenden Jahrzehnts wohl möglicher. Diese Zweifel entstanden wohl auch, weil das von Ted Kotcheff schon seit Jahren geplante Projekt eine gänzlich andere Stoßrichtung aufweisen sollte, als etwa bekannte Vietnam-Filme wie Michael Ciminos DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN (1978) oder Francis Ford Coppolas APOCALYPSE NOW (1979) zuvor. Denn anstatt die Schrecken des Krieges möglichst eindringlich zu demonstrieren, wollte Kotcheffs Werk jenen Auswirkungen des Krieges zeigen, der in den Menschen, die an ihm teilnehmen, auch nach ihrer Rückkehr verbleiben – und gleichsam die Auswirkungen des Vietnamkriegs auf die gesamte US-amerikanische Bevölkerung.

John: Die haben das erste Blut vergossen, nicht ich!

Stellvertretend für diese tritt das Durchschnittdörfchen Hope auf, welches vor vermeintlich friedvoller Austauschbarkeit nur so strotz; jeder kennt jeden, Probleme gibt es nicht. Das Auftreten von Stallone als Umherziehendem sorgt dann auch sogleich für Aufruhr und der Sheriff Teasle gebende Brian Dennehy scheint als Papa des Städtchens beinahe schon darum bemüht, den armen John zu reizen, da er ihn mit seinem gammligen Parka und den langen Haaren für einen Gammler hält. Mit Hohn und Spott begegnen Teasle und seine Kumpane dem Veteranen und lassen so die letzten Tropfen in ein Fass tröpfeln, welches sich – wie die Zuschauenden erst am Ende erfahren – schon seit Jahren stetig gefüllt hat.

Denn der Realität entsprechend hat auch der fiktive John Rambo sich immer und immer wieder die Missachtung der US-amerikanischen Bevölkerung anhören müssen, die ihre Ablehnung des Vietnamkriegs auch häufig auf die einzelnen Soldaten projizierte; ein Umstand, der das in Vietnam Erlebte noch einmal ungleich grausamer erscheinen lässt. Denn die dort erlittenen Qualen haben John mit tiefen Traumata versehen, welche durch die sadistischen Dorfsheriffs derart getriggert werden, dass der Gequälte ausrastet und sich der Hand des Gesetzes entzieht. Er flieht in die Wälder und begibt sich zurück in jenen Modus, in dem er zum letzten Mal ein Gefühl von Zugehörigkeit gefühlt hat – den Kriegsmodus.

Teasle: Ich möchte wissen, was sich Gott dabei gedacht hat, als er einen Mann wie Rambo schuf?
Trautman: Gott hat Rambo nicht erschaffen. Ich habe ihn geschaffen.

Dazu inszeniert Kotcheff dann eine Reihe enorm effektiver Actionszenen, in denen Rambos haushohe Überlegenheit bezüglich Kampftechniken und Kriegsführung demonstriert wird. Er nutzt sein in Vietnam erworbenes Können und lässt das US-amerikanische Hinterland zu seinem persönlichen Dschungel werden. Er flieht nackt in den Wald, ernährt sich von gejagtem Wild und kämpft im Einklang mit seiner Umgebung. Plötzlich ist er nicht mehr der gebrochene Wanderer, sondern ein Wesen, welches wieder eine Bestimmung hat, wieder weiß, was es zu tun hat. Dabei verliert John sukzessive die Kontrolle über sich und wird zu einer Maschine, die einfach nur kämpft um des Kämpfens Willen. Und dieses geradezu frankenstein’sche Wesen bedingt dann auch den Auftritt von Colonel Samuel Trautman.

Der von Richard Crenna gegebene Vorgesetzte Rambos ist nämlich der Schöpfer dieses Wesens, welchem er mit Distanz und Nähe gleichermaßen begegnet. Zunächst hilft er Teasle bei der Jagd und charakterisiert seinen Zögling kühl (wenn auch mit einer gewissen Bewunderung) bevor er dann im Finale zur verzerrten Vaterfigur wird, die die Macht hat, dem außer Kontrolle Geratenen Einhalt zu gebieten. Es ist dann Johns finaler Monolog, der all seine innere Verrohung und gleichermaßen die gesellschaftlichen Missstände noch einmal deutlich aufzeigt. Rambo begreift die Kriegsgegner im eigenen Land als Schuldige an seinem eigenen Leid und benennt so ein in der USA verbreitetes rechtes Gedankenbild. Wie so oft greifen rechte Narrative aber nur bei Personen, denen der klare Blick fehlt, so auch bei Rambo. Kotcheff entlarvt hier das Wirken vordergründiger Populisten. Wie ein Kleinkind klagt John J. Rambo unter Tränen sein Leid, wie ein Kleinkind argumentiert er.

Trautman: Er lebt draußen und isst Dinge, die Sie zum kotzen finden würden.

Der formale Rahmen, den Kotcheff diesem eindringlichen Film verleiht, ist dann nicht minder bemerkenswert. Die hohen Berge und düsteren Tannen des US-amerikanischen Nordens zeichnen das Bild einer kalten und ablehnenden Wirklichkeit. Panoramen findet man quasi nie, es herrscht stets Enge und Bedrängnis. Es fühlt sich stellenweise so an, als würde man die Enge, in der sich Rambos Geist windet, im Bild wiedererkennen. Es gibt zu keinem Zeitpunkt eine Wahl ihn; weder, wohin er gehen soll, noch, was er tun soll. Er kann nichts dafür, was er ist und was er tut; es ist alles von außen diktiert – ein grausames Schicksal.

Enorm eindringliches Action-Drama, das eines der größten gesellschaftlichen Probleme der USA der 80er Jahre überaus durchdacht darstellt. Bestechend inszeniert ein schlicht ergreifender Film!

8 Antworten zu “RAMBO

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  7. Hallo
    Ich bin ein grosser RAMBO Stallone Fan und bin auf der SUCHE nach einem alten RAMBO 1 und 2 kino VIDEOTHEKEN papp AUFSTELLER.
    Können Sie mir helfen irgendwo noch einen zu finden ?
    Lg. Holger

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