FORTRESS – DIE FESTUNG

Fortress – Die Festung
Fortress | Australien/USA | 1992
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Im Jahre 2017 ist es in den USA verboten, mehr als ein Kind zu bekommen. Doch da John Henry Brennick (Christopher Lambert) und seine Frau Karen (Loryn Locklin) genau das vorhaben, müssen sie das Land heimlich verlassen. An der Grenze fällt ihr Plan jedoch auf und sie werden in ein Hochsicherheitsgefängnis geworfen, das von dem sadistischen Gefängnisdirektor Poe (Kurtwood Smith) geleitet wird.

Seine größten Erfolge feierte Regisseur Stuart Gordon mit RE-ANIMATOR (1985) und FROM BEYOND – ALIENS DES GRAUENS (1986) gleich zu Beginn seiner Karriere, bevor er mit DOLLS (1987) und ROBOTJOX – DIE SCHLACHT DER STAHLGIGANTEN (1989) eher in alberne Metiers abdriftete. Doch augenscheinlich sorgten danach Filme wie ROBOCOP (1987), ROBOCOP 2 (1990) oder DIE TOTALE ERINNERUNG – TOTAL RECALL (1990) für neue künstlerische Impulse, auf Grundlage derer sich Gordon von einer Phalanx an Autoren flugs ein Drehbuch schreiben ließ und dann ebenfalls in die Welt der dystopischen Thriller voller Gewalt abtauchte.

Brennik: Da rauszugehen wird kein Spaß.
D-Day: Nein, aber es wird sowas ähnliches wie ein Trip!

Denn tatsächlich erinnert die Atmosphäre von seinem FORTRESS – DIE FESTUNG schon nach wenigen Minuten an die großen Vorbilder aus dem Hause Verhoeven respektive Kershner. Eine miese Zukunftsvision entfaltet sich vor dem Zuschauer, in der die Menschen selbst für kleinste Vergehen mit drakonischen Strafen rechnen müssen. Gerechtigkeit ist für Gefängnisdirektor Poe (der übrigens von Kurtwood Smith gegeben wird, der schon in ROBOCOP den legendär coolen Antagonisten Clarence Boddicker gab) ein Fremdwort, rollengerecht quält, drangsaliert und belügt er seine Gefangenen lieber. Seine Natur als cybernetisches Wesen untermauert die dystopische Natur des Films, seine kalt-berechnende KI-Gehilfen ZED-10 tut ein Übriges dazu.

Und ohne nun allzu sehr auf die Inspirationen pochen zu wollen, aber Gordons Film gelingt es in Grundzügen ebenfalls, die Geschichte ernst, bisweilen gar emotional vorzutragen. Nach dem ersten Feuerwerk, welches in einer blutigen Auseinandersetzung zwischen dem seit HIGHLANDER – ES KANN NUR EINEN GEBEN (1986) zur B-Action-Ikone reifenden Hauptcharakter Christopher Lambert und dem seit MAD MAX II – DER VOLLSTRECKER (1981) und PHANTOM KOMMANDO (1985) als schwungvolle Nebenrolle bekannten Vernon Wells endet, nimmt sich der Streifen tatsächlich Zeit, die Situation, in der die Protagonisten stecken, ausführlich zu beleuchten. Loryn Locklin gerät als Karen in eine persönliche Beziehung mit Poe, Lincoln Kilpatrick, bekannt für altkluge Nebenrollen in Streifen wie DER OMEGA-MANN (1971), … JAHR 2022 … DIE ÜBERLEBEN WOLLEN … (1973) oder CHOSEN SURVIVORS (1974), muss sich zwischen eigenem Vorteil und gelebter Solidarität entscheiden und in der Rolle des Technik-Fachmenschen D-Day darf sogar Jeffrey Combs, Hauptrolle der eingangs erwähnten Erfolge Gordons, mitmischen. Warum der Streifen dann nach einem ordentlichen Showdown noch mit einem überaus rumpeligen Ende versehen werden musste, in welchem innerhalb von nur fünf Minuten selbstfahrende Lastkraftwagen, explodierende Strohhütten und eine Blende von einem Zeitlupenschrei auf eine vollzogene Geburt auf die Zuschauenden einprasseln, wird wohl nie geklärt werden.

Poe: Die Arbeitsstunde beträgt ab sofort 93 Minuten.

Aber das sollte einen auch nicht zu sehr ärgern, denn davor gibt es neben der tollen Stimmung und der durchaus spannenden, wenn auch vorhersehbaren Geschichte noch einiges an Schauwerten zu sehen. Wenige Monate, bevor die CGI-Kunst ihren Siegeszug antreten solle, liefert Gordons Streifen noch mal die volle Bandbreite an coolen handgemachten Effekten. Das beginnt schon mit dem hübschen Matte Paiting des Gefängnisses und setzt sich bei der aus stimmigen Zeichnungen und Sets bestehen Gestaltung dessen Innenraums fort. Ein paar verrückte Träume werden angenehm psychedelisch in Szene gesetzt und letztlich sind auch die überaus brutalen Schusswechsel und sonstigen Gewaltszenen eine Erwähnung wert, unterstützten sie den trefflich Comic-Stil des Werks doch ganz vortrefflich. Zusammen mit den düsteren Klängen aus der Feder von Frédéric Talgorn gibt es an den Formalia also rein gar nichts zu meckern.

Richtig cooler Sci-Fi-Knast-Actioner, der sich dank viel Atmosphäre und knackiger Action einen Platz gleich hinter den ganz großen des Genres sichert.

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