DIE TÖDLICHEN ZWEI

Die tödlichen Zwei
Shuang Xia | Hongkong | 1971
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der außerordentliche chinesische Kämpfer Pao Kung Tien (Ti Lung) setzt alles daran, den Prinzen Kang (Yau Lung) aus der Hand der ihn gefangenhaltenden Mongolen zu befreien. Doch da diese den Prinzen in einer beinahe uneinnehmbaren Festung eingekerkert haben, bleibt nur der Weg über eine einsturzgefährdete Brücke, die nur der geschickte Hsiao Pin-fu (David Chiang) zu überwinden vermag.

Seit DAS GOLDENE SCHWERT DES KÖNIGSTIGERS (1967) war es immer wieder Chang Cheh, der dem hongkong’schen Martial Arts-Kino neue Impulse schenkte – und der allerlei Teams von Darstellern zu immer wiederkehrenden Combos zusammenfügte. Ti Lung und David Chiang etablierten unter Chehs Ägide in Filmen wie DIE TODESPAGODE DES GELBEN TIGERS (1969), DIE 13 SÖHNE DES GELBEN DRACHEN (1970) oder KUAN – DER UNERBITTLICHE RÄCHER (1970) ihre Zusammenarbeit und sollten dann auch in DIE TÖDLICHEN ZWEI ihr Können unter Beweis stellen. Das Drehbuch stammt von Chehs Stamm-Drehbuchautoren Ni Kuang und unterscheidet sich von seinen übrigen Werken aus den frühen 70er Jahren vor allem durch den Umstand, dass die Charakterentwicklung und die Entfaltung des Storyline (noch) deutlich(er) in den Hintergrund rücken, um Platz für umfangreiche Actionszenen zu schaffen.

Typ: Der Maulwurf und der Leopard sind tödliche Gegner.

Die Kampfhandlungen umfassen dann meist größere Gruppen von Teilnehmern und zeichnen sich durch die Cheh-übliche Finesse aus, die allerlei originelle Ideen hervorbringt, dabei allerdings stets die Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit wahrt. Eine Axt, ein Stab mit breiter Klinge, messerscharfe Kampfbecken oder eine Mixtur aus Kette und Harpune sorgen bezüglich der eingesetzten Waffen für Abwechslung und auch die Wirkungen dieser und anderer Kampfwerkzeuge wird wie immer drastisch illustriert. Vor Beginn an macht der Streifen keinen Hehl daraus, dass er einiges an Kunstblut in der weiten Steppe, die hauptsächlich als Hintergrund der Kämpfe dient, zu vergießen gedenkt. Eine Waffe, die Metallkugeln verschießt, sorgt auch dafür, dass ein Teil dieses Kunstbluts zur Gestaltung eindrucksvoller Kopfverletzungen verwendet wurde. Und natürlich ist es jedem Darsteller, den der vorzeitige, unfreiwillige Tod ereilt, gestattet, diesen nach Herzenslust und unter Aufbietung aller nur möglichen Übertreibung darzustellen. Da Cheh das letzte Bild einer Sequenz dazu gerne einfriert, gibt es so manch episches Bild vom Todeskampf der Protagonisten zu sehen – das letzte Opfer des Flussdrachens (gegeben von Bolo Yeung) muss an dieser Stelle besondere Erwähnung erfahren.

Während Ti Lung und David Chiang sich dann zumindest hin und wieder etwas über die Geschehnisse und das weitere Vorgehen austauschen dürfen, schafft es der Film ansonsten, fast gänzlich auf größere Dialoge zu verzichten. Es ist stets die nächste Auseinandersetzung, die die Handlung, die ohnehin nur aus dem Ziel, den Prinzen zu retten besteht, vorantreibt. Es gibt keine Winkelzüge und keine Tricks, die Helden stürmen einfach so lange auf die Feste der Böse zu, bis sie ihr Ziel erreicht haben. Dieser Weg wird besonders schön durch jene drei Heroen dargestellt, die die löchrige Brücke nacheinander in immer größerer Todesverachtung zu überwinden versuchen: Langsam gehen, schnell rennen, weit springen; keiner dieser Wege soll auch nur einen der Wagemutigen vor dem Tode bewahren.

Hsiao Pin-fu: Wenn du nicht über eine Brücke gehen kannst, dann musst du sehen, ob du unten durchgehen kannst.

Es ist wohl in nur wenigen Filmen möglich, solch ein Geschehnis voller Ernst zu zeigen; und das nur wenige Minuten, bevor die (auch von den Wagemutigen erwartete) Lösung in Form des geschickten Hsiao Pin-fu eintrifft – der die Brücke dann auch leichten Fußes überwindet. Aber Cheh gelingt es mit diesem Film, einen rauschhaften Schwung zu erreichen, der die Figuren und ihre Zuschauer unbeeindruckt über derartige Lappalien hinwegsehen lässt. Es muss halt immer weiter vorwärtsgehen, niemals zurück. So werden auch die Kämpfe angepackt, die von den Helden immer aufrecht bestritten werden – was am Ende gar so weit geht, dass Hsiao Pin-fu im Stehen stirbt. Was für ein Schlussbild!

Obschon der Film fast nur aus Massenkämpfen zu bestehen scheint, die von einer höchst dünnen Story zusammengehalten werden, kreiert er doch einen erstaunlichen Schwung und reißt seine Zuschauer einfach mit. So folgt man unkompliziert den Kämpfen der großartig aufgelegten Hauptdarsteller Ti Lung und David Chiang und lässt sich nebenbei von einigen wahnwitzigen Ideen amüsieren.

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