BRONX WAR

Bronx War
The Bronx War | USA | 1991
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Tito Sunshine (Joseph B. Vasquez), Besitzer eines Striplokals in der Bronx und Crack-Dealer, ist sicherlich kein Kind von Traurigkeit, aber als der Gangster Cesar (André D. Brown) bei ihm auftaucht, um nach abhandengekommenem Kokain zu suchen, kommt er trotzdem zu dem Schluss, dass ein Krieg auf den Straßen keine gute Lösung wäre. Dieser lässt sich allerdings nicht vermeiden, da es dummerweise Rachel (Charmaine Cruz), die Schwester von Tito Freundin war, die Cesar beklaut hat – und die wohnt jetzt bei Tito.

Der in der South Bronx geborene Joseph B. Vasquez betätigte sich schon in jungen Jahren als Filmemacher und wurde im Alter von 21 Jahren vom City College of New York für seine Künste ausgezeichnet. Weitere achte Jahre sollten bis zu seinem Spielfilmdebüt ins Land ziehen, bei dem Vasquez nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle übernahm. Die meisten Positionen vor der Kamera wurden mit Debütanten, die meisten Positionen hinter der Kamera mit Laien oder Anfängern besetzt. Der namenhafteste Mitwirkende ist sicherlich George Giordano, der bereits an den Effekten von Werken wie CLASS OF NUKE ‘EM HIGH (1986) oder DIE REISE INS LABYRINTH (1986) mitgewirkt hatte.

Typ: Haltet euch aus allem raus!
Tito: Ja, vor allem aus dir!

Und da Vasquez, dessen Eltern beide von Heroin abhängig waren, schon früh mit der Drogenszene in Kontakt kam und während der 70er und 80er Jahre in der Bronx aufwuchs, einem der kriminellsten Viertel der USA, ist es nur logisch, dass er eine Milieustudie zu seinem Debüt machte. Nach einem kurzen Text, der die Drogenprobleme der Stadt New York beschreibt, gibt es deshalb auch gleich ein Massaker an diversen (Un-)Schuldigen zu sehen, welches die Rahmenbedingungen für den Film setzt: das Viertel und seine Bewohner sind roh, gewalttätig und jederzeit bereit, für ein paar Groschen zu töten. Auch Vasquez selbst in der Hauptrolle des Tito und seine Kumpanen werden ähnlich rau eingeführt, reichen sie doch sogleich mal ein Kilo Crack zum Transport an ein paar Minderjährige weiter.

Umso erstaunlicher ist es dann, dass der Streifen nach diesem knallharten Auftakt einen deutlich ruhigeren Ton anschlägt. In überwiegend stimmigen, wenn auch teils etwas unspektakulären Innenaufnahmen erzählt der Film die Geschichte des crackdealenden Stripclubbesitzers Tito Sunshine, der eigentlich jeden Ärger zu vermeiden versucht und der sich vor allem durch die große Liebe zu seiner Freundin auszeichnet. Dummerweise lässt ihn seine Außenwelt aber nicht Frieden leben: die Prostituierte Rachel schleppt Drogen an, die den rücksichtslosen Gangster Cesar auf den Plan rufen; Titos Gangmitglied Crazy bricht einen Bandenkrieg vom Zaun; wiederum Rachel bringt Tito mit einem Kuss in eine missliche Lage. Vasquez manövriert (den von ihn selbst gespielten) Tito immer tiefer in diese Hilfslosigkeit hinein und lässt das Ganze in einem Mord gipfeln, der – trotz Vasquez‘ immer wieder zur Schau gestelltem Overacting – durchaus ergreifend daherkommt. Warum dieses düster-pessimistische Finale dann durch eine unfassbar kitschige und somit unpassende Abschlussszene wieder zerstört werden muss, wird wohl auf ewig Vasquez‘ Geheimnis bleiben.

Cesar: Spiel kein Spielchen mit mir, du halber Hahn, das mag ich nicht!

Aber auch neben der scheiternden Hauptfigur gibt es einiges zu sehen. Titos von Julian Scott Urena gegebener Bruder Tony erwirkt zum Beispiel über zahlreiche stimmige Szenen hinweg die Zuneigung der von Marlene Forte gespielten Tänzerin. Die Sequenz, in der sich die beiden einem Tanz gleich immer näherkommen, ist dabei großes Kino. Aber auch ganz allgemein tut diese ernstzunehmende Beziehung mit ihren Hochs und Tiefs dem ernsten Ton des Films gut. Dem gegenüber steht ohne Zweifel die explizite Gewaltdarstellung, die den Streifen immer wieder vordergründig wirken lässt. Einschüsse (und ein abgetrennter Arm) werden sehr kunstblutreich dargestellt und sorgen so zusammen mit dem verschiedene 80er und 90er Rap-Stücke umfassenden Score für eine angenehme Hiphop-Film-Atmosphäre – eine Qualität, die Vasquez mit HANGIN OUT – 4 HOMEBOYS UNTERWEGS (1991) und STREET HITZ (1992) noch ein paar Mal unter Beweis stellen sollte.

Sehr gelungener kleiner Bronx-Streifen, der das Leben dort angenehm unaufgeregt schildert und dabei eine Hauptfigur zeichnet, die von äußeren Einflüssen schlicht übermannt wird – etwas Gewalt und gute Musik runden das tolle Seherlebnis ab!

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