IN TÖDLICHER MISSION

In tödlicher Mission
For Your Eyes Only | Großbritannien/USA | 1981
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem ein britisches Steuersystem für Atomraketen bei einem Schiffsunglück abhandengekommen ist, muss James Bond (Roger Moore) die Verfolgung der potenziellen Missetäter aufnehmen. Im Fokus der Ermittlungen steht – Informationen des griechischen Reeders Aristoteles Kristatos (Julian Glover) zufolge – der Schmuggler Milos Columbo (Chaim Topol), doch den zu finden, erweist sich als schwierig. Hilfe erfährt Bond von Melina Havelock (Carole Bouquet), deren Eltern bei der von den Briten initiierten Suche nach dem Steuersystem ermordet wurden.

Eigentlich verweist schon die Pretitle-Sequenz auf die Ausrichtung des zwölften JAMES BOND-Auftritts. Denn der Besuch Bonds am Grab seiner ermordeten Ehefrau Tracy referiert auf die Geschehnisse am Ende von IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT (1969); jenem Film, der das Franchise nach den immer wilder werdenden Eskapaden Sean Connerys mit dem großartigen George Lazenby in der Hauptrolle wieder auf ein sehr viel bodenständigeres, mehr auf Spannung und Story bedachtes Maß zurückführte. Und so ist es auch wieder der Stammautor der Reihe, Richard Maibaum, der Christopher Wood an der Feder ablöste und der für den Regieneuling John Glen ein Skript verfasste, dass sich erstmals nicht an einem von Ian Flemmings Roman orientiert, sondern lediglich den Titel und einige Charaktere aus einer seiner Kurzgeschichten borgt. Dass Glen erste Meriten als Second Unit Director und Editor bei IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT sammelte, passt da übrigens bestens in Bild.

Bond: Werden Sie nicht noch erwachsener, dass würde das männliche Geschlecht nicht überleben.

Und tatsächlich erinnert vieles in IN TÖDLICHER MISSION an Lazenbys einzigen Bond-Auftritt. Nicht nur die kühle Umgebung in Norditalien und die ausgedehnte Verfolgungsjagd im Schnee, sondern auch die deutlich stärkere Konzentration auf die Fähigkeiten Bonds. Gab es zwei Jahre zuvor in MOONRAKER – STRENG GEHEIM (1979) noch unzählige Gadgets, Verrücktheiten und natürlich Raumschiffe zu sehen, muss Bond dieses Mal mit seiner Walter und einem explodierenden Auto auskommen. Blofelds Kurzauftritt zu Beginn, die Ausstattung des britischen Schiffs und Qs skurril anmutende Identifikationsmaschine bleiben darüber hinaus die einzigen technischen Gerätschaften, die im Film gezeigt werden. Alles andere ist bodenständiges Agentenhandwerk, bestehend aus Untersuchungen, Ballereien und Kopfarbeit. Wenn man sich überlegt, wie das wahnwitzige Feuerwerk aus MOONRAKER – STRENG GEHEIM noch hätte überboten werden sollen, dann kann man die Produzenten und Schreiberlinge nur zu dieser mutigen Entscheidung beglückwünschen.

Dementsprechend gibt Roger Moore hier auch seinen ernstesten Bond. Er ist physisch sehr präsent (trotz seines für die zum Drehzeitpunkt erreichten 54 Jahre äußerst alten Aussehens) und verfällt deutlich weniger in prätentiöse Blödeleien als noch in den Jahren zuvor. Selbst die überdeutlichen Avancen der von Lynn-Holly Johnson gespielten lasziven Eiskunstläuferin Bibi Dahl lässt er weitestgehend kühl an sich abgleiten. Die Französin Carole Bouquet tritt als Bondgirl Melina Havelock dabei deutlich weniger lüstern auf, sie führt sich dagegen mit einer Armbrust in der Hand und über den Film hinweg immer wieder klar formulierten Racheplänen ein.

Blofeld: Ich verlasse Sie jetzt, Mr. Bond, und wünsche Ihnen noch einen angenehmen Flug in die Ewigkeit!

Als Antagonist fällt Julian Glovers Aristoteles Kristatos leider etwas blass aus, zumal er sich letztlich als ideenloser Handlager der Russen erweist. Chaim Topol – je nach Geschmack bekannt aus Norman Jewisons ANATEVKA (1971) oder Mike Hodges‘ FLASH GORDON (1980) gibt hingegen einen schwungvollen Gegen- respektive Mitspieler, der vor allem im Finale aufzutrumpfen vermag. Selbiges spielt sich auf den skurrilen Felsformationen des Pindos-Gebirges im Norden Griechenlands ab. Und auch dieses toll fotografierte Finale unterstreicht in seiner zwar landschaftlichen Pracht, aber seiner auf ein Seil und Bond selbst reudzierten Ausstattung den geradezu minimalistischen, aber nichtsdestotrotz spannenden Aufbau des Films.

Ähnlich wie schon IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT (wenn auch nicht ganz so vollkommen) führt John Glens erste Serien-Regiearbeit die Reihe wieder zurück in bodenständigere Gefilde. Statt Gadgets und Effekten gibt es nun wieder simples Agentenhandwerk und eine spannende Geschichte – eine gute Entscheidung.

3 Antworten zu “IN TÖDLICHER MISSION

  1. Pingback: OCTOPUSSY | SPLATTERTRASH·

  2. Pingback: IM ANGESICHT DES TODES | SPLATTERTRASH·

  3. Pingback: DER HAUCH DES TODES | SPLATTERTRASH·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.