FEUERTANZ – HORROR INFERNAL

Feuertanz – Horror Infernal
Inferno | Italien | 1980
IMDb, OFDb, Schnittberichte

In einem alten Wälzer, den sie von dem mysteriösen Antiquar Kazanian (Sacha Pitoëff) gekauft hat, stößt die junge Rose Elliot (Irene Miracle) auf die Information, dass ihr New Yorker Wohnhaus eventuell auch der Aufenthaltsort einer uralten Hexe sein könnte. Während ihr Bruder Mark (Leigh McCloskey) schnell aus Rom herbeieilt, kommt es in dem sich keinen physischen Gesetzen zu beugen scheinenden Gebäude zu den ersten Todesfällen.

Immer wieder ist bei Filmen von Realismus die Rede. Immer wieder wird verlangt, Filme müssen logisch sein. Und immer wieder bemängeln kleine Geister die diversen Fehler und Logiklöcher, die nahezu jedes Werk offenbart. Das ist auch nicht gänzlich falsch, denn jeder Film errichtet auf die eine oder andere Weise Regeln und Mechanismen, nach denen er und die in ihm geschaffene Welt funktionieren. Dario Argentos FEUERTANZ – HORROR INFERNAL ist hingegen einer jener Filme, die sich dieser Systematik völlig verweigern und die dem Zuschauer keinerlei Chance lassen, sich an irgendwelchen Regel(-mäßigkeite)n festzuhalten. Als zweiter Teil der mit SUSPIRIA (1977) begonnenen MÜTTER-TRILOGIE setzt der Streifen das eigentlich schon bei ROSSO – DIE FARBE DES TODES (1975) begonnene Abdriften von der Realität, welches die Arbeiten Argentos mehr und mehr durchzieht, konsequent fort.

Mark: Ich glaube an das, was ich sehen und anfassen kann.

Denn während SUSPIRA sich zwar allerlei Freiheiten nahm, im Kern aber trotzdem eine relativ klare Geschichte formulierte, reicht beim Nachfolger schon die Betrachtung der ersten zehn Minuten, um sich über die folgende Marschrichtung im (Un-)Klaren zu sein: Die (nicht näher charakterisierte) Rose betritt aufgrund einiger antiquarischer Zeilen einen in Rot und Blau getauchten Keller, in dessen Zentrum sie ein mit Wasser gefülltes Loch findet – in welches sie sogleich hinabtaucht, um dort ein geflutetes, voll möbliertes Zimmer zu finden und obendrein mehrere vermoderte Leichen. Punkt. Schon zu diesem Zeitpunkt ist es am Zuschauer, zu entscheiden, ob er sich auf den Film einlassen möchte, oder nicht. Denn das natürlich von Argento selbst stammende Drehbuch setzt diesen Stil bis zum Ende konsequent fort.

Immer wenn man denkt, man habe einen inhaltlich Ansatz gefunden, das Gebotene zu verarbeiten, reißt einem der Film den Boden unter den Füßen weg. Und sei es, indem er die Protagonisten einfach sterben lässt. Rose, Sara und sogar Nachbarin Elise (deren Darstellerin Daria Nicolodi zu diesem Zeitpunkt auch Argentos Gattin war) müssen allesamt nach rund 20 Minuten Spielzeit des Zeitliche segnen. Nur Leigh McCloskey darf als Mark mit dem Leben davonkommen – da er allerdings nur in der zweiten Hälfte des Films agierend eingreift, fällt es trotzdem schwer, ihn als Hauptfigur zu bezeichnen. Am irritierendsten fällt aber das Ableben eines Charakters aus, der, während er mit Ratten im Central Park ringt, von einem völlig Unbeteiligten umgebracht wird. Es gibt dafür keinen Grund, keine Erklärung. Und das soll es auch gar nicht. Argento erklärt nicht, warum die Figuren handeln, wie sie es tun, er verlangt von seinen Rezipienten einfach, es als gegeben zu akzeptieren.

Elise: Haben Sie das Lachen gehört, Mark?

Dafür belohnt er die Zuschauer dann mit gar wundervollen Bildern. Denn auch die Optik lässt keinen Zweifel daran, dass sie sich nicht an die Regeln der Logik hält. Alles ist einfach rot und blau. Der genannte Keller leuchtete geradezu in diesen Farben, die Straßenlaternen New York ebenfalls. Die Wände sind rot, die Gesichter blau, manches Mal erlaubt der Streifen sich sogar gelbes und grünes – aber bunt muss es immer sein. Es erstaunt kaum, dass Altmeister und Inspiration Mario Bava seine Finger in manchen Szenen und Einstellungen im Spiel gehabt hat. Kameramann Romano Albani versteht Argentos Vision dabei bestens und liefert eine gelungene Fotografie davon.
Gleiches gilt für den Progressiv-Rocker Keith Emerson, der das Dargebotene mit einer stimmigen Mischung aus Klassik und Prog-Rock untermalt. Insbesondere die treibenden Klänge im Finale passen wie die Faust aufs Auge. Und eigentlich gilt das für alles an diesem Film. Die Figuren, die Bilder, die Farben, die Musik, alles greift nahtlos ineinander und schafft es wirklich, den Zuschauer in eine andere Welt zu entführen – eine Welt ohne Regeln und ohne Gesetze. Immer vorausgesetzt, der Zuschauer lässt sich von der beschriebenen ersten Sequenz nicht abschrecken, sondern mitreißen.

Dieser Film beweist: Style is Substance. Der Streifen wehrt sich so sehr gegen jede Logik und konzentriert sich so sehr auf seine wundervoll traumgleiche Stimmung, dass einfach kein anderer Schluss möglich ist. Wunderbar!

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3 Antworten zu “FEUERTANZ – HORROR INFERNAL

  1. Pingback: SUSPIRIA | SPLATTERTRASH·

  2. Hat dies auf funzer rebloggt und kommentierte:
    Filme aus den 70&80ern muss man mögen … ganz besonders das Kino des Mario Bava & Dario Argento …. mir gefällt´ s besonders Dämonen 1&2

  3. Pingback: TENEBRAE | SPLATTERTRASH·

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