AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN

Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten
Romancing the Stone | Mexiko/USA | 1984
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als die weltunerfahrene Schriftstellerin Joan Wilder (Kathleen Turner) von ihrem Schwager aus Kolumbien eine alte Karte geschickt bekommt, dieser dann ermordet und ihre Schwester erführt wird, ist klar: Joan muss nach Kolumbien, um ihr Schwester im Tausch gegen die Karte zu befreien. Doch anstatt die Schurken Ralph (Danny DeVito) und Ira (Zack Norman) zu treffen, strandet die Autorin im Dschungel, wo sie sich wohl oder übel mit dem Hallodri Jack T. Colton (Michael Douglas) zusammentun muss.

Mit dem 1975 von ihrem produzierten EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST landete Michael Douglas einen immensen Erfolg, danach wirkte er in Michael Crichtons COMA (1978) und James Bridges DAS CHINA-SYNDROM (1979) ebenfalls erfolgreich mit. Es ist somit erstaunlich, dass Douglas‘ Karriere zu Beginn der 80er Jahre einen leichten Knick auszuhalten hatte; aber wenn man schon Produzent ist, dann kann man sich ja selbstständig aus einem solchen Tief heraushelfen. Und Steven Spielbergs JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES (1981) hatte ja gerade das eigentlich lange verschollene Genre des Abenteuerfilms wiederbelebt und folglich Nachahmern und Epigonen Tür und Tor geöffnet. Und zumindest in der Vorproduktion darf man Douglas durchaus unterstellen, kostengünstig am spielberg’schen Erfolg partizipiert wollen zu haben, denn mit der ansonsten nie wieder als Autorin tätigen Einmal-Schauspielerin Diane Thomas und dem bis dato weitgehend unbekannten Regisseur Robert Zemeckis (und nicht zuletzt sich selbst in der Hauptrolle) war Douglas augenscheinlich nicht gewillt, allzu große finanzielle Aufwendungen in das Projekt zu stecken.

Joan: Glauben Sie, dass ein anderer Bus kommt?
Jack: Das war der einzige. Das ist die Rushhour.

Und tatsächlich merkt man vor allem dem Skript diese Ausrichtung an. Die Storyline ist überaus episodisch und willkürlich angelegt, es scheint wichtiger zu sein, die einzelnen Setpieces und Gags unterzubringen, als eine konsistente Geschichte anzulegen. Dementsprechend gelingt es dem Film auch nur in seinen einzelnen Sequenzen, spürbare Spannung zu entwickeln, die Suche nach dem Diamanten bleibt viel zu beliebig, als dass man als Zuschauer wirklich einem Weg folgen oder einem Ziel entgegenfiebern würde. Folglich ist das Finale (inklusive Diamant in der Höhle und Rangelei auf dem Fort) dann auch der schwächste Teil des Films.

Denn vorher sind es vor allem die sympathischen Mimen, die die inhaltlichen Schwächen gekonnt verbergen. Douglas selbst gibt einen tollen Halunken Colton, bei dem es erstaunlich lange unklar bleibt, ob er sich letztlich auf die gute oder die schlechte Site schlägt. Sein Verhältnis zu Kathleen Turners Joan ist zunächst etwas asymmetrisch, kippt allerdings nie in sexistische Übervorteilung. Gut auch, dass Douglas Danny DeVito schon von EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST kannte und ihn für die Rolle des charmant-tölpeligen Antagonisten Ralph gewinnen konnte. Während der mexikanische Schauspieler Manuel Ojeda als Agent Zolo nämlich so eindimensional angelegt ist, dass er geradezu eine Parodie auf derartige Figuren im Abenteuerfilm der 30er und 40er darstellt, ist DeVitos Zusammenwirken mit seinem von Zack Norman gegebenen Kumpanen Ira für einen ordentlichen Anteil der gelungenen Gags verantwortlich.

Joan: Was ist mit der Brücke da?
Jack: Das ist keine Brücke, das ist präkolumbianische Kunst.

Und genau da liegt letztlich auch die Stärke von Zemeckis erstem großen Spielfilm: nur drei Jahre, nachdem JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES den Abenteuerfilm wieder salonfähig machte, wird das Genre schon wieder der Komödie preisgegeben. Der Streifen konzentriert sich auf sympathischen Figuren, denen man gerne zusieht, auch wenn die Geschichte, die sie durchleben, kaum zu fesseln vermag. Ein paar nette Gags und eine ordentliche Auswahl an Kulissen (die meisten davon vor Ort in Mexiko) sorgen zusätzlich für Unterhaltung. Und nicht zuletzt markiert der Streifen auch den Startpunkt der langen und erfolgreichen Zusammenarbeit von Zemeckis mit Komponist Alan Silvestri. Denn was die beiden ein Jahr später hervorbringen sollten, wissen wir ja heute alle …

Angelegt als kleiner Abenteuer-Cash-In im Fahrwasser Spielbergs gelingt es Zemeckis, die flache Story mit sympathischen Figuren und ein paar treffsicheren Gags zu kaschieren – und so einen der gelungeneren Abenteuer-Streifen der 80er abzuliefern.

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4 Antworten zu “AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN

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