STIRB LANGSAM – EIN GUTER TAG ZUM STERBEN

Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben
A Good Day to Die Hard | USA | 2013
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als John McClane (Bruce Willies) hört, dass sein Sohnemann Jack (Jai Courtney) in Moskau in Schwierigkeiten steckt, macht er sich flugs auf den Weg in die russische Hauptstadt, um seinen Zögling zu retten, der seinerseits den russischen Politiker Yuri Komarov (Sebastian Koch) vor seinem Kontrahenten Viktor Chagarin (Sergey Kolesnikov) bewahren soll. Doch kaum in Moskau angekommen, steckt John auch schon wieder mitten in Tumult.

Seit seinem ersten Auftritt in STIRB LANGSAM (1988) war John McClane ein Jedermann, der wider Willen in brenzlige Situationen geriet. Über die drei folgenden Filme hinweg entwickelte er sich so natürlich immer weiter zu einer Art Held, aber selbst Len Wisemans drittes Sequel aus dem Jahr 2007, STIRB LANGSAM 4.0, ließ keinen Zweifel daran, dass man es hier nicht mit einem gottgegebenen Actionhelden zu tun hat, sondern mit einem Durchschnittstypen, der einfach manchmal Pech hat. Zunächst Ehefrau Holly, dann Tochter Lucy, dazwischen der Alkohol: John hat mit denselben Problemen zu kämpfen, mit denen auch der Kinogast zu tun hat: persönlichen, emotionalen, menschlichen.

John: Was ist das für ein Scheißurlaub?
Jack: Mach schon, sonst ist es dein letzter!

Drehbuchautor Skip Woods, der mit seinen Beteiligungen an PASSWORT: SWORDFISH (2001), HITMAN – JEDER STIRBT ALLEINE (2007) oder X-MEN ORIGINS: WOLVERINE (2009) durchaus einige namhafte Werke im Portfolio führt, scheint das allerdings nicht gewusst zu haben – oder es war ihm schlicht egal. Denn der John McClane, den er für John Moores vierte Fortsetzung entwirft, ist ein prototypischer Action-Herold, der, sobald er hört, dass sein Sohn in Moskau bedrängt wird, sofort hinüberjettet, um für Ordnung zu sorgen. Folgerichtig springt John bei der ersten sich bietenden Möglichkeit in einen Truck und zerstört bei einer Verfolgungsjagd die halbe Metropole. Er beschwert sich nicht mehr über seine Situation, er schreit und klagt nicht, er walzt einfach alles platt. Er schießt alles nieder.

Und das ist für einen Actionfilm simpler Machart ja auch eigentlich in Ordnung. Es gibt an Explosionen, überlebensgroßen Helden und hanebüchenen Storylines ja grundsätzlich nichts auszusetzen. Wenn aber das epochemachende STIRB LANGSAM-Konzept dafür geopfert wird, ja, dann darf man das sehr wohl beklagen. Dann fallen auch die haarsträubenden, inhaltlichen Probleme plötzlich ins Gewicht: Warum doktern da nur zwei CIA-Agenten an einer drei Jahre geplanten Operation herum, was soll dieser ganze Tschernobyl-Quatsch und warum nutzt Komarov nicht eine der unzähligen früheren Möglichkeiten, das Vater-Sohn-Gespann zu beseitigen?

John: Auch ein Küsschen?
Jack: Das ist in unserer Familie nicht üblich

Apropos Vater und Sohn. Gemäß den tradierten, familiären Problemen der Figur John McClane ist das Auftauchen des Söhnchens ja eine durchaus gute Idee. Aber warum wird der Konflikt schon nach wenigen Minuten in einem Phantom-Aufeinandertreffen beigelegt; nur um den Papa und seinen Filius dann zu Baller-Buddys werden zu lassen? Zugegeben, das Geballer und die sonstige Action funktionieren gut, Moore inszeniert treffsicher und bemüht eine durchaus solide Zahl an handgemachten Effekten, an denen sich auch Bruce Willis trotz fortschreitenden Alters rege beteiligt. Als reines Action-Vehikel, ohne STIRB LANGSAM-Legacy, würde der Streifen wohl durchaus ordentlich funktionieren, so tut er es aber leider nicht – aus der Perspektive betrachtet ist es dann wohl ganz gut, dass das noch im Trailer cool eingesetzte Freude, schöner Götterfunken, welches bereits 1988 seinen großen Auftritt hatte, es dieses Mal nicht in das finale Werk geschafft hat.

Leider wird die Figur John McClane (und mit ihr die Mechanik der Reihe) im fünften Teil der vordergründigen Action geopfert. So wird aus einem inhaltlich belanglosen, inszenatorisch aber sauberen B-Actioner leider ein Flop.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.